Thema: -ohne Titel-

  1. #1
    Registriert seit
    May 2003
    Beiträge
    39
    Meine Gedanken
    auf Diktiergeräten aufnehmen
    Meine Sprache
    in Gedankensilos konservieren
    und meine Gefühle
    zu Zöpfen flechten

    Das Leben
    in Gips gießen
    Die Jahre
    in Kerzenwachs eintauchen
    und die Zeit
    Pirouetten drehen lassen

    Mich selbst
    finden und fangen
    im Käfig einsperren
    den Flügel abschneiden
    und mich dann wieder entlassen

    Und die Freiheit genießen.
    Es ist leichter nach den Sternen zu greifen als einen Traum aufzugeben.

  2. #2
    Registriert seit
    Apr 2004
    Beiträge
    861
    Hallo!

    Du arbeitest für mich einen Tick zu anapherisch um den Text interessant bleiben zu lassen.

    Deine Bilder gefallen mir aber ganz gut. Einzig die Zeit Pirouetten drehen zu lassen verstehe ich als Sinngegenspruch zu den ansonsten absichtlich statisch wirkenden Bildern, die eher Bewegung stehlen als sie zu verleihen. Damit nimmst Du Dir Deine contradictische Conclusio vorweg, die ansonsten sehr schön gesetzt wäre. Lass die Zeit lieber in einem Bild verlangsamen oder einfrieren! Dann bist Du inhaltlich komplett schlüssig.

    Natürlich ist es eine Interpretationsfrage. Aber mein erstes Empfinden ging deutlich in die beschriebene Richtung.


    liebe Grüße,
    Flam

  3. #3
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    289
    Sorry, Dolphinscry86!

    Dein Gedicht gefällt mir gut, aber ich konnte mich noch nicht angemessen damit beschäftigen, weil mich dieser erste Kommentar so aufgeregt hat.

    Einstweilen aber erstmal ein dickes Lob; aus dem Bauch heraus.

    Schönen Gruß,

    bet




    @Flam: Hallo!

    Sorry, das klingt bestimmt doppelt so polemisch, wie es gemeint ist, aber

    Du arbeitest für mich einen Tick zu pseudo-intellektuell um den Text erträglich bleiben zu lassen.

    Sollte das anapherisch ein Tippfehler sein und anaphorisch heissen, dann passts trotzdem nicht.

    Aber man kann sich da ja nicht mal sicher sein, denn contradictische Conclusio ist nun wirklich eine Erfindung. Hierbei kann sich der für blödverkaufte Leser dann aussuchen, ob das nun von diktisch, wie bei apodiktisch kommen soll und wieder überhaupt nicht passt.
    Oder ob sich noch ein Tippfehler eingeschlichen hat und es in grober Handarbeit von deiktisch abgeleitet sein soll und, wer hätte es gedacht, auch nicht passt.

    Dabei kannst Du doch auch ganz normal sprechen, wie ich herausgefunden habe:

    Es ist ganz lustig, hätte aber mit mehr handwerklicher Mühe deutlich besser werden und wirken können. Eine Überarbeitung lohnt sich jedoch, weil es sich um leicht auswetzbare Kerben, wie von Lepi benannt, in der Wurst handelt. Auf manchen Würsten muss man etwas länger kauen.
    Das versteht man wenigstens. Zumindest, wenn man die auswetzbaren Kerben der Würste eines Sprachmetzgers irgendwann verdaut hat.

    Oder, um Dir mal ein Beispiel für kurze, einfache, klare, deutsche Sprache mit viel Sinngehalt zu geben:
    "Metzger! Bleib bei Deinen Lenden!"


  4. #4
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    149
    Hi Dolphinscry86!

    Mir gefällt dein Gedicht sehr gut.

    Der Inhalt ist wirklich interessant
    und wird durch diese gegensätzlichen Bilder
    und der passenden Wortwahl gut verarbeitet.

    Ein sehr gelungenes Werk!
    Wahnsinnig gern gelesen...

    Liebe Grüße, Sabe
    Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann. (Hans Kruppa)

  5. #5
    Registriert seit
    May 2003
    Beiträge
    39
    Hallo an alle!
    Erstmal danke ich euch schon mal für eure Kommentare!

    @Flam: Ich denke, ich weiß was du meinst, da ich gerade an dieser Metapher auch gezweifelt habe und ich das Gedicht gerade aus diesem Grund auch gepostet habe.
    Naja, vielleicht fällt mir da ja was anderes ein und ich benutze die Metapher in einem anderen gedicht, weil sie mir trotzdem ganz gut gefällt

    @beteigeuze400: Danke dir auch für den an mich gerichteten Kommentar

    @sabe: Freut mich dass es dir so gefallen hat




    Es ist leichter nach den Sternen zu greifen als einen Traum aufzugeben.

  6. #6
    Registriert seit
    Apr 2004
    Beiträge
    861
    @beteigeuze:

    Hi!

    Es gibt bestimmte Begriffe für bestimmte Sachverhalte. Warum soll man sie nicht nutzen, anstatt ellenlange Sätze zu formulieren, die letzten Endes auch nicht mehr aussagen?

    Und warum soll man sie in verständlicher Form nicht dort beugen und miteinander verknüpfen, wo es an ihnen in der erwünschten Genauigkeit mangelt?

    Anapher = Parallel verlaufender Satzbau
    Contradictio = der Widerspruch
    Conclusio = die Schlussfolgerung
    (Alles in der Literatur mehr als gängige Begriffe für sprachliche Mittel des Stils, bzw. der Gliederung eines Textes)

    -> die widersprechende Schlussfolgerung
    (aber nicht sich selbst, sondern dem bisherigen Gedicht)

    Pseudointellektuell?
    Ok, ich bin Laie. Ich beschäftige mich hier aber mit dem Thema Lyrik als meinem Hobby. Es kann nicht jeder Germanistik studieren. Das ist auch nicht nötig, um ihr entlehnte Begriffe richtig zu benutzen. Statt dieses eher unfreundlichen Ausdruckes wäre es mir lieber, Du sagst mir, wo genau die Fehler in meinen Begriffen stecken, damit ich sie in Zukunft richtig benutze. Und erzähl mir nicht, ich würde fehlerhaft Substantive adjektivieren! Hierfür gibt es keine mir bekannten Regeln in der deutschen Sprache. Wenn es die doch gibt, dann klär mich darüber auf und korrigiere das Wort anapherisch für mich entsprechend.
    Ein Hobbyschreiner wird übrigens auch nicht damit aufhören, seinen Bandschleifer einzusetzen, nur weil ihm ein anderer zuruft, er sei ein dämlicher Angeber, da er dieses Werkzeug einsetzt und das noch in einer Technik, die nicht in der zweiseitigen Gebrauchsanweisung (dem Evangelium) steht.

    Hätte Dich antithetische Conclusio oder antithetischer Abschluss weniger aufgeregt?

    Sprache lebt manchmal davon, dass man sie arrangiert und in kreativer aber weitgehend verständlichbleibender Art und Weise mit ihr umgeht. Und Dolphinscry hat mich dabei offensichtlich ganz gut verstanden, ohne sich angegriffen zu fühlen, wie Du. Wenn ich beim Formulieren auch Mal über das Ziel hinausschieße, mag man mir das verzeihen. Ich persönlich meine es jedenfalls nicht böse. Kommentare wie Deine sind mir als Reaktion trotzdem noch lieber als immer und immer nur dasselbe zu schreiben und andere und mich selbst zu Tode zu langweilen.

    Du bist nicht der erste, der die Verwendung von Fachbegriffen unterschwellig mit Arroganz gleichsetzt. Warum? Und warum verwenden wir sie nicht einfach alle? Das macht es einfach und wertfrei. Und hier im Lyrikforum ist es angebracht!

    Grüßchen,
    Flam

  7. #7
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    289
    Hallo Flam!

    Die ausführliche und ernste Antwort freut mich. Ich will sie entsprechend ernsthaft und ausführlich beantworten.

    Die deutsche Sprache bietet Dir ausreichend Worte um Deine Kritiken in verständlicher und eindeutiger Weise zu formulieren.

    Warum willst Du sie nicht benutzen?
    Jede Angst, man könne sie als nicht intellektuell genug begreifen, ist unbegründet.

    Du selbst hast mit Deiner Entsprechungstabelle genau das klar gestellt, was ich mir für so viele Kritiken wünsche:
    Die Verwendung eines für jedermann verständlichen Wortes.

    Warum Conclusio anstelle einer Schlussfolgerung? Warum den Widerspruch mit einer Contradictio in das Banale verbannen?
    Klarheit ist nicht banal. Verständlichkeit ist eine Kunst, kein Ausdruck von Ungebildetheit.
    Im Gegenteil ist die ausufernde Verwendung von so genannten „Fachbegriffen“ vielmehr Ausdruck eines Unvermögens, sich in seiner eigenen Sprache verständlich ausdrücken zu können.
    Sie ist folglich ein Mangel, nicht ein Mehr an Sprachfertigkeit.

    Du hast es selbst auf den Punkt gebracht. Ganz ohne ein Fremdwort und ohne einen Nebensatz:

    Es kann nicht jeder Germanistik studieren.
    Genau da liegts. Was in dem Wort für Bedeutungen liegen mögen, dass zwingt uns stillzustehen...
    ..., wenn wir nicht alltäglich mit contradictischen Conclusi umgehen, weil es Studium oder Beruf erfordern.

    Ihre Verwendung schafft keine Klarheit, sondern fördert das Unverständnis. Im schlimmsten Fall sogar das falsch Verstehen.
    Denn man ist genötigt, in seine eigene Sprache zu übersetzen. Mit all’ den Schwächen und Unsicherheiten, die eine Übersetzung mit sich bringt.

    Manchmal hilft nur ein Wörterbuch.
    Aber was für eine Fremdsprache so lästig wie unumgänglich ist, empfinde ich in meiner Muttersprache als zutiefst störend.
    Verstärkt wird diese Verstörung, wenn auch das Wörterbuch keine Auskunft mehr über ein verwandtes Wort zu geben weiß.

    Dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich Eigenkreationen wie „contradictisch“, statt eines einfachen "widersprüchlich", als pseudo-intellektuell brandmarke. Und die Absicht des Autors, sich bei einer bloßen Kritik schon über den Duden erheben zu müssen, bezeichne ich entsprechend als Effekthascherei, bestenfalls als Arroganz.

    Natürlich kann ich mir nicht sicher sein. Dennoch vertraue ich darauf, dass Dir meine Antwort nachvollziehbar erscheint. Du musst sie nicht teilen, aber Du kannst sie zumindest verstehen. Ganz ohne Fremdwörter und ohne „ellenlange Sätze“.

    Und als Verständnistest beantworte nun selbst Deine eigene Frage:

    Hätte Dich antithetische Conclusio oder antithetischer Abschluss weniger aufgeregt?

    Beispiellösung: Nein, ich hätte „abschließender Widerspruch“ als wesentlich lesbarer, verständlicher und angenehmer empfunden.

    Und wenn es Dir anders ergeht, dann mach Dir ernsthafte Gedanken. Vielleicht benötigst Du in diesem Fall sogar für die vermeintlich einfache deutsche Sprache schon ein Wörterbuch. Ich wünsche es Dir nicht und glauben kann ich es ebenso wenig.

    Schönen Gruß,

    bet

    [Geändert durch beteigeuze400 am 30-05-2005 um 12:34]

  8. #8
    Registriert seit
    Apr 2004
    Beiträge
    861
    Gut! Ich verstehe Deinen Standpunkt. Ich befürworte selber auch eher den Erhalt der deutschen Sprache und gebe Dir insofern Recht.

    Allerdings ist es mir ein Greuel immer dieselben Worte verwenden zu müssen. Da streiten dann zwei Seelen in mir und zuweilen unterliegt die eine der anderen. Das geschieht durchaus wechselseitig.

    Definitiv kann ich sagen, dass ich meinen Wortschatz trotz "undeutscher Worte" nicht einschränken, sondern eher ausbauen möchte. Leider bewegen wir uns in einer Zeit, die selbst die deutschen Begrifflichkeiten in Vergessenheit geraten lässt, und ich verspüre nicht den Willen diesem aus Bequemlichkeit geborenen Verlust auch noch Vorschub zu leisten, indem ich mich da reduziere. Wenn man mir die Worte nimmt, kann ich nicht mehr schaffen. Das gilt nicht nur für den Bereich der Fachbegriffe.

    Anapher verkürzt die Begrifflichkeiten entscheidend. Der Einsatz scheint mir sinnvoll.

    Conclusio: Du hast Recht. Ist unnötig. Es ist mir ob des Gebrauchs innerhalb der literarischen Foren nur derartig in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich es wie selbstverständlich benutze. In diesem Zusammenhang darfst Du die Contradictio gerne als "Stabreimspielerei" innerhalb des Kommentars ansehen. (habe extra nicht "Alliterationsspiel" geschrieben ) Das war sie nämlich tatsächlich und hat sich damit auch gleich erledigt.

    Ich wäre wohl dankbar, wenn Du zukünftige Kritik an meiner Ausdrucksweise weniger aggressiv gestaltest als oben zu Anfang. Es fällt mir leichter über "Verbesserungsvorschläge" nachzudenken und sie zu akzeptieren, wenn ich mich nicht angegriffen fühlen muss dabei. Du kannst nicht davon ausgehen, dass jeder versucht so sachlich wie er es eben gerade vermag, darauf zu antworten. Im Normalfall endet das in überflüssigem, kindischen Kleinkrieg. Die Beispiele hier und in anderen Foren zählen nach Myriaden (Scheiße! ...sind Legion. Scheiße! ...zählen nach Millionen. ...sind mannigfaltig. Also letzteres ist echt urdeutsch, obwohl ich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen würde, dass das jeder versteht. )

    Danke für das Rückholen auf den Boden & liebe Grüße,
    Flam

  9. #9
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    289
    Hallo Flam!

    Mit dem Vorwurf der Polemik, Aggression ist ein bischen hart, hast Du sicherlich recht.

    Mit der Anapher hast Du natürlich auch Recht. Genauso ist Alliteration sicherlich kein Problem. "Contradictisch" ein Grenzfall, über den man streiten kann, wie über so vieles andere auch. Ich glaube, es geht letztlich nur um die Häufung, die das Lesen schmerzhaft werden läßt.

    Und, bei allem nötigen Respekt, Worte wie "anapherisch". Um "Anapher" zu vermeiden, bedarf es vieler Worte. Und sie ist ein wichtiger, wie bekannter Fachausdruck.

    Bei "anapherisch" läufts mir aber immer noch kalt den Rücken runter. Die Frage also, die Du aber nicht mehr beantworten musst, weil wir, wie ich glaube, nun insgesamt einen Konsens gefunden haben, ist, konnte man "anapherisch" nicht durch einen Satz mit "Anapher" ersetzen?
    Sicherlich. Da sind wir uns einig. Genauso wie darin, daß Deine bald 800 Einträge in diesem Forum mit Sicherheit gewisse Ermüdungserscheinungen bei der Verwendung des ein oder anderen Wortes hervorrufen müssen.

    Bis zur nächsten Kritik also.

    Schönen Gruß,

    bet

  10. #10
    Registriert seit
    Apr 2004
    Beiträge
    861
    Hm. Ich fühle den Begriff Polemik, weil er für mich mit dem Vorwurf systematischer Verachtung einhergeht, als den schlimmeren. Das Wort Agression birgt für mich eher eine gewisse Bandbreite an Interpretation, die sowohl den Angriff in der Polemik als auch eine körperliche Attacke oder einfaches Sticheln einschließen könnte. Der Ausdruck ist daher diffuser ohne über Gebühr pauschal zu wirken. In meinen Augen deshalb weniger hart, wohingegen mir die Bezichtigung eines Autors der Polemik schon als Speerstoß erscheint, weil sie ihm doch ein gerütteltes Maß an Zynismus und Sarkasmus unterstellt. Aber da sind wir sehr nah an persönlichem Sprachempfinden.

    Wie auch immer ändert das nichts an meiner Zustimmung zu Deinen letzten Worten, wenn ich selbst auch nach wie vor gut mit dem Adverb "anapherisch" leben kann.
    Aber an Deinem kalten Rücken mag ich nicht Schuld sein!
    Und mit Anapher umschreiben geht selbstverständlich.

    auf bald,
    Flam

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. ohne Titel-Titel
    Von bijana im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 15.06.2009, 20:14
  2. Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 27.08.2008, 00:57
  3. Ohne Titel, ohne Reim, ohne Plan...Hilfe erbeten
    Von Lailany im Forum Arbeitszimmer - Die Gedichte-Werkstatt
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 09.09.2006, 03:37
  4. ohne Titel (einfach ohne, es gibt Keinen)
    Von Selbstzweifel im Forum Diverse
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 15.08.2006, 23:05
  5. Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 31.01.2006, 14:12

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden