Thema: Nymphenzier

  1. #1
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    Nymphenzier

    Ach Fliederkind, verschenke deine Blüten,
    Und willst du nicht, dann droht dir fremder Schnitt.
    Der kalte Stahl wird jene Zier zerwüten,
    Um deretwillen deine Schönheit litt.

    So lieblich ziehen zarte Striemen Bahnen,
    Bekränzen weiche Formen - Blatt und Glied.
    Gedämpftes stöhnen lässt wohl Lust erahnen,
    Die wie ein Windhauch durch die Zweige zieht.

    Azurnes grün in weinrot eingebettet,
    Die Farbenpracht beschmutzt dein weißes Kleid.
    Ob stiller Schrei vor falscher Kunst dich rettet?
    Sei Dir gewiss, dich schmückt das Nymphenleid.


  2. #2
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    Schön mal wieder was von dir zu hören .

    Mir gefällt dein gedicht sehr, du verwendest hübsche Bilder und alles fließt herrlich beim Lesen. Nur in der letzten Strophe hab ich ein kleines Problem: Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie azurnes Grün aussehen soll.

    Müde Grüße,
    Cailyn
    Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen. -Georg Berhard Shaw

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  3. #3
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    So trifft man sich wieder... Ich dachte mir, dass ich mal wieder in diesem Forum hier vorbei schaue und nichts ahnend sieht man dich hier rum geistern... hast du dich also doch zum Gedichte schreiben durchgerungen...

    Scheinbar schaffe ich es nicht, einen bitteren NAchgeschmack beim Leser zu hinterlassen, denn das wollte ich ja eigentlich.
    Azurnes grün soll eine Art FArbspektrum sein, welches einem blauen Fleck entspricht, zusammen mit dem weinrot natürlich.

    Grüße

  4. #4
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    Ich habe mich seit langem nicht nur mal wieder zum Schreiben durchgerungen, ich hab sogar ein wenig mit der Metrik rumexperiementiert.

    Den schalen Nachgemschmack schaffst du, und zwar mit jeder Strophe aufs neue. Mit hübsche Bilder meinte ich, dass sie sehr lebhaft sind, man sie gut nachfühlen kann (bis auf das azurne Grün), nicht das sie ein hübsches Gefühl hinterlassen.

    Das mit dem blauen Fleck leuchtet ein, ich wäre nur wohl nie ohne deine Erläuterung darauf gekommen.
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  5. #5
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    Hallo, Ahsil!

    Gekonnt morbide, wie sich da trotz aller Subtilität der gewaltsame VerLust der Jungfräulichkeit und womöglich mehr von hinten heranschleicht.

    Fast mag man es trotz seiner sado-masochistischen Anflüge und dem Vergewaltigungscharakter eher der Erotik zuordnen.

    Ich empfinde dieses Werk als sehr gelungen und schenke mir die handwerkliche Analyse. Es gibt darin keine Besonderheiten außer der erstklassigen und einwandfreien Durchführung. Die Form an sich bleibt wohl ohne Höhen, aber man soll es ja auch nicht übertreiben.

    Was ich herausstellen möchte ist die sehr schlüssige Komposition der gelungenen Bilder, die sich strikt an der gewählten Analogie des weiblichen Natur- und Pflanzengeistes zu der normalmenschlichen Jungfrau orientiert. Die Verknüpfung erfolgt in Profession durch die thematische Homogenität.

    Dieses Gedicht gefällt mir sehr gut! Es hinterlässt dieses unwohle Gefühl ob rücksichtslos ausgeübter Macht, das Rechtschaffene beinah selbst zur Gegengewalt greifen lässt.

    Zum Ausgleich und zur Beruhigung wäre jetzt etwas sanft und liebevoll erotisches ganz schön.

    liebe Grüße,
    Flam


    [Geändert durch Flam am 30-05-2005 um 12:18]

  6. #6
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    Hallo Ahsil,
    hallo zusammen,


    zumal ich mich des Eindrucks auch nicht erwehren kann, dass das Ganze nicht so völlig einseitig erfolgt. Ich seh in der Nymphe auch gleich eine Anspielung auf das Nymphchen, das seine reizvolle Art selbst fördert. (Eine eindeutigere Wahl wäre wohl eine Fee gewesen. Selbst Elfen haben einen leicht tückischen Ruf. Sind Nymphen nicht die Wesen, die nicht der Liebe fähig sind?) Scheint mir auch belegt durch S1 V3 und 4, die Zier, unter der die (wahre) Schönheit leidet. Auch ist der Flieder nicht nur rein und unschuldig: er duftet betörend und er wird hier wohl als Schmuck getragen.

    Ein wunderbar leicht anmutendes aber sehr intensives Werk, Ahsil.


    Liebe Grüße
    Anke

  7. #7
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    meine email Benachrichtigung hat wohl wieder nicht funktioniert...
    ICh danke aber erst mal für die interessante Antwort, Flam. Ihc weiß leider nicht, wie ich die Form passender hätte gestalten können, somit wurde es eben 0815, naja, ich scheine didh dennoch erfasst zu haben, da schlägt mein Herz Purzelbäume...
    Auch freut es mich, dass ich doch "dieses unwohle" Gefühl erzeugen konnte, denn das war meine Hauptintention.

    Bei den Nymphen und deiner Erklärung kann ihc dir erst mal nicht weiter helfen, Therzi, da ich nur:

    Nym|phe die; -, -n <»Braut, Jungfrau«>: 1. weibliche Naturgottheit des griechischen Volksglaubens. 2. (Zool.) Larve der Insekten, die bereits Anlagen zu Flügeln besitzt. 3. Nymphchen

    Nymph|chen das; -s, -: junges u. unschuldig-verführerisches Mädchen; Kindfrau; vgl. Lolita

    in BEtracht zog.

    MEtrik, Cailyn? Das freut mich, da ich doch viel auf sie halte

    Gruß und noch mal Dank,
    ein froher Ahsil

  8. #8
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    Hallo, Ahsil!

    Ich glaube, dass die Form so völlig in Ordnung ist. Man kann nicht immer eine Kongruenz zwischen ihr und dem Inhalt herstellen. Oder besser: Man muss es nicht. Irgendwann würde auch das langweilig.

    Ich sehe es auch nicht als Nachteil, dass die von Dir hier verwendete Form nicht heraussticht, weil sie so gängig ist. Man kann halt nur nicht viel Spezielles dazu sagen.

    Und "erfasst" bin ich auf jeden Fall.

    liebe Grüße,
    Flam

  9. #9
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    Hallo,


    eben das sagte ich ja auch, indem ich die Anspielung auf Nymphchen mit in den Inhalt einbezog: reizvolles Nymphchen, nicht einseitig.

    Der Text in Klammern war lediglich weiterführend, deswegen die Klammern.


    LG Anke

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