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  1. #1
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    Ehrlich, ob nun meine Hos´
    von Diesel oder jenel käm;
    mir zählt es mehr, dass sie bequem,
    Egal ob Calvin Klein, ob Gross;

    Statt quickend Silver, fröhlich Rost!
    Was tut´s, wenn´s T-shirt nicht von Levis?
    Wär´s denn so, dass bloss der Chef is´,
    dem der Markenterror Bosst?

    Dass du carhartt macht mich nicht weich.
    O nein, O Gott, O´Neill, geschweige
    denn, dass ich mich gar verneige,
    vor Pumas, Pullis, deinem Cap,

    Mit all den teuren Etiketten.
    denn trotz Labeltracht, -wie krass-
    trotz all dem Adidies, -dort, -das,
    bin ich noch längstens cooler. Wetten?
    .
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  2. #2
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    Hallo, leporello!
    Das ist 'n süßes Stück!
    Aber feil noch mal an der Metrik. Es holpert an manchen ganz schön und das ist schade!

    Gruß! G.T.

  3. #3
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    G.T. guten tag!
    und danke für dein gefallen. jetzt hatte ich gehofft, dass mich jemand anderes verteidigt, aber so muss ich es doch alleine machen. es holpert metrisch eigentlich gar nicht vielleicht hast du mal zum zeilenbeginn mit der falschen betonung angefangen, und es stimmt, es nicht sehr elegant ist, nach weiblichen endungen (unbetont) nochmals auftaktig weiterzufahren (s3, z3/4)
    gruass lepi
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  4. #4
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    Hm,

    ich hätte dich nicht verteidigen können, leporello, selbst wenn ich es gewollt hätte. Es holpert metrisch doch hier und da - auch wenn ich es nicht "gewaltig" nennen würde. Dabei lasse ich die von dir bereits angesprochenen Kadenzen erstmal ganz außen vor.

    Beweisführung:

    In der ersten Strophe wechselst du bereits zwischen einem Trochäus (erster und vierter Vers) und einem Jambus (zweiter und dritter Vers), was schonmal als "uneben" bezeichnet werden könnte. Man mag dir hier noch zugute halten, dass die beiden sich reimenden Verse gleicher Metrik sind - in der nächsten Strophe ist das hinfällig.

    vx | vx | vx | vx (Jambus)
    vx | vx | vx | vx | v (Jambus)
    xv | xv | xv | xv (Trochäus)
    xv | xv | xv | xv (Trochäus)

    Hier reimen sich die Verse gleicher Metrik nicht. Spätestens jetzt ist es offensichtlich oder wenigstens deutlich spürbarer, wenn man nicht so einen ausgefeilten Sinn für das Metrum hat.

    Machen wir mit der dritten Strophe weiter: Der dritte Vers passt nicht zu den anderen. Ihm fehlt eine betonte oder unbetonte Silbe. Seine Struktur:


    "denn, dass ich mich gar verneige,"
    v x | v x |

    Ich habe das v für unbetont und x für betont mal darunter gesetzt und nach "mich" aufgehört. Danach müsste eigentlich eine unbetonte Silbe kommen. Das ist "gar" aber nicht. Wäre "gar" bei dir unbetont, müsste "ver" betont gesprochen werden, was wiederum bedeutet, dass "nei" unbetont ist. Versuch das mal zu lesen und bekenne! Hier gerate ich jedesmal ins Straucheln.

    Um den dritten Vers der letzten Strophe ins richtige Metrum zu bekommen (so dass es nicht holpert), muss ich mich enorm konzentrieren. Mein Gefühl versucht mit aller Gewalt, mich "trotz" anfänglich betonen zu lassen, es also als einen Trochäus zu lesen. Wenn ich mich wirklich zusammenreiße, schaffe ich es, einen Jambus daraus zu machen, wonach es dann auch rhythmisch passt. Spätestens hier bin ich vom Straucheln die ersten fünf Male ins Fallen geraten.

    Nichts für ungut, aber auf metrische Ebenheit pochst du vergebens. *schmunzelt*

    Toni



  5. #5
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    Ob ein anständiges Metrum oder nicht, inhaltlich hat mich das Werk schlichtweg begeistert.

    Wer kennt die fiesen Pausenhöfe nicht? "Scheiss Bauerndorfkind, ich würde mich schämen mit Mirgos-Budget Kleidern auf die Strasse zu gehen!" Ach, (alte ) Erinnerungen werden bei mir wach.

    Lepi, dein Werk hat was. Eigentlich sollte man es auf Flyer drucken und den jungen Leuten austeilen. (Falls du eine solche Aktion in Bern jemals realisieren solltest, wäre ich als Helferin dabei. ).

    Lieba Gruess,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  6. #6
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    @glorious: wow
    wie gesagt, es kommt darauf an, wie du die auftakte wertest. auch wenn es mal trochäisch, oder jambisch ist; an der kurz-lang betonung ändert sich ja nichts (oder mal lang-kurz) und das gedicht hat einen durchgehenden fluss.
    wenn ich (meist) darauf achte, nach einem betonten zeilenende gerade wegen dem sprachfluss unbetont weiterzufahren, liegt der wechsel des metrums ja auf der hand. aber du hörst ja nicht "jamben", sondern worte, sätze, die stimmen müssen.
    oder liege ich da ganz quer?
    dass man es selber mal anderst betonen möchte, kenne ich von vielen gedichten her, und da muss man sich schon die mühe machen, es eben "andersrum" zu lesen.
    dann macht nämlich auch s3z3 keine schwierigkeiten:
    denn das ich mich gar verneige
    "erschwerend" kommt noch das vorgegangene enjambement hinzu. auch eine leserische herausforderung.
    ebenfalls nichts für ungut, und danke für deine analyse.

    @olaja: freut mich, gefallen zuhaben, und dass der pädagogische wert erkannt wurde
    übrigens: budget ist grad extrem hip!!

    gruass lepi
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    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  7. #7
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    Also einem Trugschluss solltest du nicht erliegen: Gedichte mit Endreimen liest man nicht satz-, sondern versweise. Wenigstens tun das die meisten Menschen. Daraus ergeben sich schließlich Metrum und Rhythmus. Ansonsten bräuchtest du beides nicht und hättest einen prosaischen Text mit ein paar Wörtern, die sich ähnlich anhören. Weil die Reime hier aber besonders gelesen werden sollen, heißen sie Endreime. Davon lebt ein gereimtes Gedicht ... Enjambements sind schließlich auch nur ungebrochene Sätze graphischer Natur. Bei der Aussprache machst du die Pause, wenn du auf einen Endreim achtgeben musst.

    Bei der Metrumanalyse steht es übrigens nicht jedem frei, ob er aus einem Vers einen jambischen oder einen trochäischen macht. Ich meine, dafür hat man Regeln gemacht, dafür gibt es Vorgaben. Es gibt grenzwertige Fälle, bei denen man zwischen Jambus und Trochäus schwankt - unsicher ist. Dazu zählt dein Gedicht im Großen und Ganzen nicht.

    Ich habe dir anhand mehrerer Beispiele gezeigt, dass dein Gedicht keinen durchgehenden Fluss hat, weil das Metrum nunmal nicht gleichmäßig ist. Da solltest du nicht einfach Gegenteiliges behaupten. Stell dir vor, es lesen kleine Kinder mit und schenken deinen Worten Glauben. Willst du die Verantwortung dafür tragen, wenn man sie in der Schule an die Tafel kreuzigt? *zwinkert* Dazu kommt, dass ich ja nicht der einzige bin, dem das aufgefallen ist. Du darfst nicht den Fehler machen, bei dem du davon ausgehst, dass der Rezipient deine Leseweise für selbstverständlich hält. Es gibt eine allgemein gültige. Nur so konnte man jemals zwischen Jambus und Trochäus unterscheiden. Ich weiß, dass die Schweizer mit der deutschen Satzmelodie immer etwas Schwierigkeiten haben, aber das ändert an den Tatsachen nichts.

    Natürlich kann man sich die Mühe machen, ein Gedicht "andersrum" zu lesen, aber mit diesem Satz gibst du es quasi zu: Man muss dein Gedicht anders herum lesen, als es der normale Rhythmus vorgäbe. Damit holpert es definitiv erst einmal.
    Wenn du es mit Gewalt "einebnest", bekommst du natürlich jedes Gedicht geformt und schließlich "platt" gedrückt. Dazu gehört auch nicht viel Können.

    Liebe Grüße,
    Toni


  8. #8
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    hallo. ich muss dir natürlich weitgehend zustimmen, was das technische betrifft.
    trotzdem kannst du nicht behaupten, dass das gedicht keinen lesefluss habe, wenn man es nur sorgältig liest.
    bis auf den wechsel z3,z4 in s3 (zugegeben) kannst du durchgehend (durch die ganze stophe) mit dem _~ _~ _~ -groove durchreiten, und das ist auch inhaltlich zur steigerung so gedacht. luftholen bei verspaaren erlaubt
    mit "andersherum" meine ich keine widernatürliche betonug, nur, dass man sich eben was überlegen muss, wenn der satz einem so nicht gelingt. und siehe da: andersrum funktioniert es.
    klar ist es hilfreich, wenn man dem dichter vertrauen kann, zb. jede zeile beton zu beginnen, um so durchzukommen.
    ich weiss aber zb. diese stelle:

    ich biete meinen besten gruss
    dem ritter mit dem pferdefuss.
    halt er einen rechten pfropf bereit,
    wenn er das grosse loch nicht scheut
    gööthe, faust (ach neee...)

    da rasselt man in z3 auf sicher rein, denkt dann: mensch, geht doch nicht bei herrn gothe, und geht es nochmals anders an. nicht, dass ich mich vergleichen möchte, aber diesen anspruch (dass man weiss, diese gedichte sind irgendwie lesbar, und so gebaut, dass sie gut vorzutragen sind) habe ich an mich, und reagiere wohl deshalb ein bisschen empfindlich.
    "vorzutragen" vielleicht noch als stichwort. (da ich das selber oft mache) das gedicht gestaltet, theatralisch lesen. dann wird es sicher auch dir gut auf der zunge liegen.
    danke für die auseinandersetzung
    für die gekreuzigten kinderleins nehme ich im falle einer nachweisbaren schuld meinerseits die verantwortung, werde sie eigenhändig abnehmen, in leinen wickeln, und in eine höhle stopfen. mal sehen, was dann rauskommt
    g.l.
    .
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  9. #9
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    Gern geschehen,

    und nur ein Wort zu deinem Beispiel: Jeder Literaturwissenschaftler wird dir mit Unterschrift bescheinigen, dass die von die zitierte Strophe an der von dir genannten Stelle holpert und den Lesefluss bricht. Das macht ja das Gedicht nicht schlecht, den Inhalt nicht weniger kreativ - es entkräftet lediglich deine Behauptung, es bestünde ein nicht holpernder Lesefluss.

    Und mal ehrlich, wenn du so dabei bist, etwas laut vorzulesen: Unterbrichst du dich selbst nicht erstmal und musst anhalten, die Möglichkeiten testen, um nachzudenken, wie man einen Vers nun am besten liest? Auf's intuitive Lesen kommt es hierbei aber an. Wohlan, du hattest ja schon einen Schlusssatz gesprochen ...

    Toni

  10. #10
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    ehrlich: klar muss ich das. bei vielen gedichten. aber diesen anspruch darf man dem leser gegenüber ja auch haben.
    umso schöner für ihn, wenn er merkt, dass die stolpersteine elegant zu umgehen sind, wenn er sich die mühe macht, es nochmals zu lesen
    g.l.
    .
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  11. #11
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    Na ja,

    wenigstens gestehst du jetzt die "Stolpersteine" ein. Mehr wollten wir ja gar nicht.

    Toni

  12. #12
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    moment moment "elegant zu umgehen": dann sind sie auf dem (lese)weg ja nicht mehr vorhanden.
    aber gut, wer stolpern will, soll das gerne dürfen, nur behaupte ich dann, dass sich der leser eben nicht die mühe machte, es anders zu versuchen.
    und bevors jetzt kindisch wird... ich schreibe wiedermal was neues.
    gruass lepi
    .
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  13. #13
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    Hallo Leporello!
    Nun komme ich mal zu meiner versprochenen Antwort

    Wurde ja schon genug dran rumgefeilt von den anderen darum sage ich nur eins:
    Ich finde es voll schön.

    Greetz Tyare.

  14. #14
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    An leporello

    Hallo leporello,
    dieses Gedicht müsste in jeder Schule gleich im Eingangsraum auf einem Riesenposter gedruckt stehen. Ab Klasse 5 müsste es als Pflichtthema für Auslegung (was will uns dieses Gedicht sagen)bearbeitet werden.
    Ich finde es "cool",
    Gruß,
    Dana

  15. #15
    Schorsch Guest
    Zitat Zitat von leporello
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    O nein, O Gott, O´Neill, geschweige
    denn, dass ich mich gar verneige,
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    Mit all den teuren Etiketten.
    denn trotz Labeltracht, -wie krass-
    trotz all dem Adidies, -dort, -das,
    bin ich noch längstens cooler. Wetten?

    Halllo Lepo,

    ha, das sind wieder zwei richtig gute Lepo-Texte, über den Etikettenschwindel, und verdammt, da muss ich meinen Klecks irgendwannn dazugeben. Lasss Dich überraschen. Gefälllt mir sehr, ich trage nämlich nie was mit "Hundemarke",aus Prinzip !

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