1. #1
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    Ich bin kalt.
    Eis wird ängstlich und klein.
    Mein Wort befiehlt,
    Deins verschallt.

    Ich bin heiß.
    Feuer will heißer sein.
    Du zweifelst,
    ich weiß mit Sicherheit.

    Ich bin hoch.
    Türme ducken sich vor mir.
    Du bist eine Made,
    ich ein Stier.

    Ich bin tief.
    Meere wollen versieben.
    Mich, nur Mich
    Müssen sie Hassen oder Lieben!

    Ich bin Gott.
    Jesus fällt auf die Knie
    Ich bin immer,
    du nie.

    Ich bin Teufel.
    Bestien verneigen sich
    Denn Alles
    Ist nur durch mich.

    Und Ich bin Lügner.
    Ein armer Phantast,
    der sich zerreißt.
    Auf der Suche nach Rast.

    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  2. #2
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    was du mit dem "suche nach rast" meinst, verstehe ich nicht ganz. vielleicht merkt der angeber, dass er immer mehr und mehr übertreibt, bis es ihm zuviel wird?
    der titel gefällt mir. die strophen sind unterschiedlich. warum hältst du dich in s1 und 2 nicht an dein gewähltes reimschema? "meere versieben" sagt mir auch wenig. "türme ducken sich" gefällt mir dann wieder sehr gut. die jesusgeschichte ist geschmackssache. mir gefallen die elementaren vergleiche besser, als die spirituellen. dem ´hörnli-maa´ miteingeschlossen
    vielleicht hätten auch 5 strophen gereicht, denn das prinip ist schnell erkannt, und man wartet dann auf eine pointe, die ja auch sehr nett kommt.
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  3. #3
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    Hallo Willo!

    Zunächst finde ich das Gedicht in der Kategorie Humor nicht besonders gut aufgehoben. Sonst gefällt es mir aber recht gut.

    Strophe vier und sechs gefallen mir nicht so und zwar deshalb:

    In Strophe vier wird mir nicht ganz klar, warum die Meere "dich" hassen oder lieben müssen. Klingt für mich wie ein an den Haaren herbeigezogener Reim. Und was meinst du mit "versieben". Meines Wissens kann man ne Prüfung versieben aber man kann doch nicht selbst versieben. Meinst du vielleicht versiegen oder versickern?


    In Strophe sechs stört mich der Teufel, der keinen Artikel hat. Außer Erwin Teufel wird wohl niemand sagen "ich bin Teufel". Außerdem finde ich "denn alles ist nur durch mich" wenig aussagekräftig oder treffend.

    Gruß

    Puzzlestück

  4. #4
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    @leporello Die Suche nach rast stellt die Wahrheit dar, durch die ganzen "Angebereien" verdeckt das lyr. ich nur sich selbst, will sich seine Schwäche nicht eingestehen, was er am Ende doch tut. Er sucht mit dem Angeben doch nur Rast, einen gelogenen Ausweg.

    Mir viel es sehr schwer hierbei ein Reimschema durchzuziehen, da der Inhalt Vorrang hat. Wenn du Umstellungen oder Ähnliches im Sinn hast die den Sinn nicht zerstören, ggf. sogar modifizieren bin ich gerne bereit Änderungen vorzunehmen.

    Das Versieben eines Meeres ist sozusagen das Wüstewerden eines Meeres. Oder sehe ich das falsch?

    Ich finde den Vergleich mit Jesus sehr passend, da er irgendwie anstößig wirkt, gerade in unserer doch so christlichen Gesellschaft.

    Du hast Recht: Man könnte das Gedicht noch kürzen, ich denke auch das ich die Teufelsstophe ganz rausnehme, auch deswegen das der Teufel nicht unbedingt im direktem Gegensatz zu "unserem" Gott steht.

    Danke für deine Kritik!

    @Puzzlestück Das Forum heißt auch Satire, vielleicht passt es deswegen ein wenig, für Trauer und Düsteres war es nicht schaurig genug, vielleicht in Diverse? Ich weiß es nicht.


    Die Meere hassen mich eben darum, weil ich so tief bin, tiefer als die Meere. Sie sehen da ist noch einer, der ist tiefer. Außerdem bezieht sich stophe 4 zeile 3 und 4 nicht unbedingt auf die Meere, die 3 und 4 Zeiel in einer Stophe bezieht sich allgemein auf den Anderen.

    Zu den Versiebenden Meeren siehe Oben

    Die Teufelstrophe wird wohl gestrichen, aber Alles ist nur durch mich beschreibt einfach die Subjektitivität des Protagonisten des Gedichts. Aber die Subjektivitätsthematik fällt aus dem Gesamttheme des Gedicht, wird ja so oder so auch gestrichen.

    Auch dir ein dickes Dankeschön für deine Kritik.

    Was ich mich jetzt frage ist, ob der Begriff "versieben" wirklich existiert. Wenn es jemand weiß, bitte melde dich.

    MFG Willo

    Neue Version:

    Ich bin kalt.
    Eis wird ängstlich und klein.
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    Ich bin heiß.
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    Du zweifelst,
    ich weiß mit Sicherheit.

    Ich bin hoch.
    Türme ducken sich vor mir.
    Du bist eine Made,
    ich ein Stier.

    Ich bin tief.
    Meere wollen versieben.
    Mich, nur Mich
    Müssen sie Hassen oder Lieben!

    Ich bin Gott.
    Jesus fällt auf die Knie
    Ich bin immer,
    du nie.

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    Ein armer Phantast,
    der sich zerreißt.
    Auf der Suche nach Rast.

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  5. #5
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    gefällt mir so auch besser.
    dann meinst du, dass die meere versiegen. also auslaufen/-trocknen.
    aber bei angebern ist es ja besonders lustig, wenn sie sich in den worten vergreifen, um den anderen zu imprägnieren
    g.l.
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  6. #6
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    Dann stehe ich jetzt vor einem Problem.
    Ich kann Hassen und Lieben nciht mehr benutzen.
    Was soll ich jetzt tun, ich alter Angeber...

    Need Help!

    MFG Willo
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  7. #7
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    freut mich riesig, dass du anprüche an dich stellst, und versiegen/lieben als unsauberen reim erkennst
    warum nicht in angeberischer weise nach dem bush-otto: wer nicht für mich ist ist gegen mich

    Ich bin tief.
    Meere wollen versiegen.
    müssen mich fürchten
    oder bekriegen...

    tja
    g.l.
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  8. #8
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    Ich bin kalt.
    Eis wird ängstlich und klein.
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    Ich bin heiß.
    Feuer will heißer sein.
    Du zweifelst,
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    Ich bin hoch.
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    Ich bin tief.
    Meere wollen versiegen.
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    Ich danke dir!
    MFG Willo
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  9. #9
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    Hallo Willo!

    Die Strophe mit den Meeren ist mir jetzt zu sehr gebastelt. Wahrscheinlich, weil ich auch weiß, daß sie gebastelt ist. Ich glaube es gibt kaum etwas schlimmeres, als ein Reim der nur des Reimes wegen existiert. Da mir aber das "hassen oder lieben" schon nicht gefallen hat, kann ich dir jetzt ja auch kaum empfehlen, dann lieber diesen unsauberen Reim (versiegen-lieben) stehen zu lassen.

    Vielleicht ein ganz neuer Ansatz?

    Damit Meere trocken werden können sie:
    -ausdörren
    -austrocknen
    -versickern
    -versiegen (sieh an )
    -veröden

    Im etwas übertrageneren Sinne können sie auch
    -ausmerkeln
    -verstauben
    -verwüsten (wird zwar in seiner normalen Bedeutung anders gebraucht und steht vor allem mit einem Objekt, aber wozu bist du Dichter, wenn du dir nicht die Freiheit nimmst, Wörter anders zu gebrauchen?)
    Also "Meere wollen verwüsten" hätte sogar etwas zweideutiges, Klingt fast so als wären sie wütend, während sie zur Wüste werden, was ja eigentlich zutrifft, weil sie sich "dir" beugen müssen, "dir" dem kleinen Phantast, wo sie doch Ozeane sind.

    -verdursten
    -verwelken

    Es gibt sicher noch genügend andere Wörter. Es reicht ja meistens ein Bezug des Wortes zu irgendetwas Trockenem.

    Ich würde jetzt jedenfalls das Gedicht sauber zu einem Abschluß bringen und nicht mit vorläufigen Flicken.

    Gruß

    Puzzlestück

  10. #10
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    Danke für deine Tips, aber das, schon geändertze Versigen, gefällt mir doch gut.

    MFG Willo
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  11. #11
    Registriert seit
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    Glückwunsch zu dem "coolen" Gedicht. Ich mags, wenn sich ein Autor zum Schluss eines Gedichts selbstironisch gibt. Was zählt ist doch, dass man etwas mitzuteilen hat, und dabei steht man sich als Gedichteschreiber doch zu oft selbst im Weg.

    Gruß,
    freewaythor

  12. #12
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    Ja. Was sagt man? Danke
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

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