Betrunken

Hab mich an der Sichel des Mondes geschnitten,
nachts, als ich suchte nach festen Tritten,
umnebelt durch Wald und Wiesen irrte
und mich sein Glanz zu Höherem verführte:

Hoffnung, so er, ist ein goldenes Grab,
in dem schon ein mancher Wunsch erstarb.
Der Mensch ist ein Brunnen, sagt er sonor,
und Münzen und Myrrhe bringt leicht er hervor.

Warum sich dann quälen, fragt ich zurück,
wenn alles so einfach wär, jeder hätt Glück,
jeder ein Glückspilz, der wuchert an Quellen,
und kann sein Glück weder fassen noch zählen?

Da schwieg er und schaute mich abschätzig an,
denn weiter zu glänzen, das war sein Plan.
Ich reiß dich ab, Lügner, rief ich entsetzt,
und hab mich dabei am Finger verletzt.

Seitdem will die Wunde nicht wieder heilen,
sie schmerzt, ich spür noch des Mondes Groll,
seine Ansichten kann ich nur teilweise teilen,
doch seh ich ein: der Brunnen war voll.

[Geändert durch freewaythor am 19-06-2005 um 18:29]