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Thema: Erkenntnis

  1. #1
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    Sogar die alte Kirsche blüht wieder
    und ich bleibe vergangen in Schatten deiner Augen
    Meine dunkle Seite bist du mein Poison
    Einmal im Gefunkel der Regenbogenfarben verspürt
    entbehre ich dich nun in den
    entseelten Tränen des Todes

    Wie das Glas zersplittern die Gedanken
    jung stirbt jemand heut Nacht ohne Fährten
    Wenn ich bloß ein Lied wäre
    der dich zum Weinen überführen könnte
    Du frierst mich ein pilotierst mich wieder ein
    und verläßt mich

    Die Stadt ist eng aufgeblüht
    die Armee der Unglücklichen vermehrt sich
    Verrückt bin ich
    im Nachgeschmack diabolisch verletzt
    Füttere die Tauben und behexe
    alles zu vergessen

    Wie den Duft des alten Weines
    schlemme ich die Stille und flüchte mich
    in das Meer junger Gesichter
    Die Liebe ist wie eine Kartenburg
    und darf nicht berührt werden
    Fort bist du nur um das Alter zu täuschen
    mir überläßt du nur die Polarnächte
    weiß und kalt

    [Geändert durch kata am 10-06-2005 um 01:31]

  2. #2
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    Ich bin hin und weg von deinem Gedicht. Die Vergleiche und daraus entstehenden Bilder setzen sich einem in den Kopf und wollen so schnell nicht wieder heraus. Wow!

    Gruß
    freewathor

  3. #3
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    Erkenntnis

    Danke dir, lese ich gern. Was gefällt dir so besonders, deine Kritik ist mir etwas zu "geizig"?

    Liebe Grüße
    Kata

  4. #4
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    "ein" lied, "der" dich zum weinen überführt...?? (S. 2, Z 3+4)
    dein "gedicht" ist eine aneinanderreihung, von wirren, zusammenhanglosen gedanken, mit denen du versucht hast ein "tiefsinniges" gedicht zu verfassen. leider ist dieses gründlich misslungen.

    lg morgana
    Gut sein ist edel. Andere lehren, gut zu sein, ist noch edler. Und leichter. (Mark Twain)

    Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.(Albert Einstein)

  5. #5
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    Erkenntnis

    Hallo Morgana,

    "zum weinen überführen"- bringen, überzeugen.
    Was wolltest du mir überhaupt mit deiner Kritik sagen? Damit kann ich nichts, aber gar nicht anfangen. Was ist so verwirrend?
    Gruß kata

  6. #6
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    ich habe gemeint, dass es ein lied ist, DAS zum weinen überführt und nicht DER.
    ich wollte damit sagen, dass nicht das gedicht verwirrend ist. es sind die gedanken die wirr in den raum geschoßen werden, fast ohne jeglichen zusammenhang. du hast einfach einpaar zeilen aufgeschrieben, von denen du gedacht haben könntest, dass sie ganz interessant oder tiefgründig klingen..
    meiner meinung nach..

    lg morgana
    Gut sein ist edel. Andere lehren, gut zu sein, ist noch edler. Und leichter. (Mark Twain)

    Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.(Albert Einstein)

  7. #7
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    So wie ich das Gedicht verstehe, geht hier eine Liebe in die Brüche, oder die Liebe ist bereits verloren. Das lyrische Ich realisiert aufgrund dessen eine selbst nicht gewollte Vereinsamung in der Großstadt ("Die Stadt ist eng aufgeblüht/die Armee der Unglücklichen vermehrt sich") und identifiziert sich, wenn auch innerlich ablehnend und ungewollt ("verrückt bin ich"), mit der anonymen Masse. Um "alles zu vergessen" flieht das lyrische Ich in die Stille, die wie ein leiser Rausch und eine Flucht zugleich empfunden wird ("Wie den Duft des alten Weines/schlemme ich die Stille und flüchte mich/in das Meer junger Gesichter"). Ursache der sich verlierenden Liebe ist Unausgesprochenes oder besser Ungefühltes ("Wenn ich bloß ein Lied wäre/der dich zum Weinen überführen könnte/Du frierst mich ein"). Die Kälte ist auch eine Lebensaufassung (Selbsttäuschung?) der dem lyr. Ich nahestehenden Person: "Die Liebe ist wie eine Kartenburg und darf nicht berührt werden." Die Auswirkung einer solchen Auffassung von Liebe macht die Beziehung steril, unlebendig (vgl. die Großstadtbilder im Gedicht) und führt in die Einsamkeit. Da, streng genommen, nur dem/ der einzelnen Einsichten gelingen können, ist die "Erkenntnis" insofern eine doppelt bittere: es findet Refexion statt, jedoch ist diese bereits Zeichen der Entfremdung. Aus dem "Einmal im Gefunkel der Regenbogenfarben verspürt" (wenngleich auch als "dunkle Seite" empfunden) werden nun Leere, Leidenschaftslosigkeit und Kälte ("um das Alter zu täuschen/mir überläßt du nur die Polarnächte/weiß und kalt").

    Ich kann nur noch einmal sagem, dass ich das Gedicht in sich schlüssig und überzeugend finde. Besonders gefällt mir auch die Metonymie "sogar die alte Kirsche blüht wieder" am Anfang des Gedichts. "Kirsche" (das palle Leben) steht in genauem Gegensatz zu der Leblosigkeit der Liebe ("Kartenhaus"), dem Kontrast 'alt' ("Alter") - 'jung' ("Meer junger Gesichter") sowie der Anonymität der Großstadt.
    Im Gedicht werden also mit einer erstaunlichen Gefühlsgenauigkeit passende Bildern montiert ohne selbst wichtig klingen zu wollen. Das macht das Gedicht für mich wertvoll, zumal es eine menschliche Erfahrung ("Einscht") transparent macht. Das eigene Leben wird so erträglich. Was will man mehr von einem Gedicht?

    Zum Schluss noch eine Anregung. Den Vers "entbehre ich dich nun in den entseelten Tränen des Todes" würde ich mit dem Adjektiv zu Beginn der Alliteration absetzten:

    entbehre ich dich nun in den
    entseelten Tränen des Todes

    Das kommt dem Zeilensprungstil des Gedichts zugute und wirkt möglicherweise auch optisch (die ersten drei Strophen hätten dann jeweils 6 Verse) verstärkend.

    Gruß,
    freewaythor



    [Geändert durch freewaythor am 09-06-2005 um 09:57]

  8. #8
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    Ergänzung:

    vielleicht ist es besser, auch die beiden Kommata, d.h. also Satzzeichen ganz wegzulassen. Dies könnte noch zusätzliche 'Spannung' erzeugen.




  9. #9
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    Erkenntnis

    Liebe/r freewaythor,

    vielen herzlichen Dank für die ausführliche Kommentierung. Du hast es wunderbar erkannt, diese verlorene Liebe, sehr treffend interprätiert und durch das Verstehen der Zeilen das Gedicht noch mehr veredelt, ihm eine zweite Seele gegeben.
    Ich danke dir dafür
    Kata

  10. #10
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    also..ich mags.
    keine tiefere begründung - ich mags einfach, auch wenn es mich an einigen stellen ein wenig verwirrt hat beim lesen.

    greetz
    "Reich ist besser als arm...schon aus finaziellen Gründen" -Woody Allen

  11. #11
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    Einige Aspekte in deinem Werk gefallen mir sehr gut. Andererseits gibt es Stellen, die ich sprachlich noch einmal überarbeiten würde:

    Sogar die alte Kirsche blüht wieder
    und ich bleibe vergangen in Schatten deiner Augen
    Meine dunkle Seite bist du mein Poison
    Einmal im Gefunkel der Regenbogenfarben verspürt
    entbehre ich dich nun [Zeilenwechsel]
    in den entseelten Tränen des Todes


    Wie das Glas zersplittern die Gedanken
    jung stirbt jemand heut Nacht ohne Fährten
    Wenn ich bloß ein Lied wäre
    der (->das) dich zum Weinen überführen könnte
    Du frierst mich ein pilotierst mich wieder ein
    und verläßt mich


    Die Stadt ist eng aufgeblüht
    die Armee der Unglücklichen vermehrt sich
    Verrückt bin ich
    im Nachgeschmack diabolisch verletzt
    Füttere die Tauben und behexe
    alles zu vergessen


    Wie den Duft des alten Weines
    schlemme ich die (->in der) Stille und flüchte mich
    in das Meer junger Gesichter
    Die Liebe ist wie eine Kartenburg
    und darf nicht berührt werden
    Fort bist du nur um das Alter zu täuschen
    mir überläßt du nur die Polarnächte
    weiß und kalt



    Ebenfalls würde ich das Werk ein wenig "komprimieren". Eher Unnötiges, Füllendes rausnehmen und Wesentliches dadurch mehr hervorheben. So schaffst du mehr Raum für deine wirklich schönen und gelungenen Bilder.
    Wenn du möchtest kann ich dir dabei helfen und versuchen, dein Werk sprachlich zu überarbeiten.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  12. #12
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    Smile Erkenntnis

    Liebe Olaja,

    danke dir sehr für deine Absicht, das Werk sprachlich zu überarbeiten, denn ich glaube nicht, daß es dadurch an seiner Authenzität verliert.

    In der 4. Strophe, 2. Zeile
    "schlemme ich die Stille" die Stille selbst genießen, sie einzusaugen, nicht in der Stille schlemmen.

    Bin sehr auf die komprimierte Version von dir gespannt und bedanke mich noch einmal für deine investierte Zeit.

    Liebe Grüße
    Kata

    P.S. Meine Lyrik ist jung, meine Fremdsprache unvollkommen, doch für jede Anregung, jeden Hinweis, Lob wie auch weniger positive Kritik bin ich sehr offen. Danke.

  13. #13
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    Eine mögliche Version:

    Die alte Kirsche blüht wieder
    und ich bleibe vergangen -
    im Schatten deiner Augen

    Wie Glas
    zersplittern Gedanken
    Ich entbehre dich
    den entseelten Tränen

    Unglückliche vermehren sich
    wie eine Armee
    mit Nachgeschmack
    Du verlässt mich
    im Aufblühen der Stadt

    Ein Meer junger Gesichter
    stillt den Duft von altem Wein
    Berühre nicht die Kartenburg
    und keine Liebe

    Fort bist du,
    um das Alter zu täuschen
    Mir überlässt du
    die Polarnächte -
    weiss und kalt


    Dass war jetzt mehr aus dem Stehgreif, aber vielleicht hilft es dir trotzdem weiter.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  14. #14
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    Erkenntnis

    Liebe Olaja,

    obwohl eine ganze Hälfte fehlt, gefällt mir deine minimalistische Version ganz gut, bis auf die 4. Strophe, liest sich irgendwie schwer.
    Ich habe es mehrmals gelesen, und es hört sich wie eine Komposition aus mehreren Haikus zusammengestellt, so daß der Leser beim lesen neugierig auf die nächste Strophe wird.

    Danke dir vom Herzen für die investierte Zeit diesem Gedicht gewidmet.

    Liebe Grüße
    Kata

  15. #15
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    Bitte. Es freut mich sehr, dass du Interesse an Kritik zeigst und wenn ich dir weiterhelfen kann, tue ich dies gerne.

    Du hast recht: Die vierte Strophe wirkt wie aus dem Kontext gerissen.

    Was ich noch anmerken möchte: Obwohl ich dir eine komprimierte Form deines Werkes aufgezeigt habe, heisst das noch lange nicht, dass dies der goldene Weg es. Solche Verse entsprechen mehr meinem Stil und Feingefühl. Du musst aber selbst für dich herausfinden, wie du dich am besten ausdrücken kannst. Und: Umwege zu gehen (neue Formen etc. auszuprobieren) ist oft sehr lehrreich und spannend. Es ist wohl unmöglich ein endgültiges Ziel beim Gedichte schreiben zu erreichen, denn es ist ein stetiger Prozess.
    Bislang hast du ohne Beachtung des Leseflusses geschrieben. In dieser Hinsicht gibt es kein falsch oder richtig; freie Rhytmen sind mittlerweile ein fast schon fester Bestandteil von moderner Lyrik geworden. Trotzdem möchte ich dir nahelegen, auch in Traditionellem neue Erfahrungen zu sammeln.

    Ein guter Tipp: Unser Sprechzimmer.

    Was Metrik betrifft sind vor allem jene Fäden sehr hilfreich:
    Deutsche Metrik - Eine kurze Hilfestellung für Anfänger in einfachen Worten
    Metrik, was ist das?
    Übungen zur deutschen Metrik I

    Allfällige Fragen kannst du natürlich jederzeit in unserem Sprechzimmer stellen. Weiterhin viel Erfolg!

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

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