1. #1
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    Eine scharlachrote Schachtel Marlboro liegt auf dem Tisch. Daneben ein BiC-Feuerzeug. Sie wissen schon, das sind solche Feuerzeuge, die garantiert dreitausend Mal zünden und dann weggeworfen werden.Gepflegte feingliedrige Finger greifen nach der Schachtel. Das BiC zündet ein kurzlebiges Feuer. Aber irgendwann, zwischen diesen Zündungen, entflammt ein Liebesfeuer. Unerwartet, verzaubernd, wild und ansteckend wie Malaria. Wenn Illusionen sterben, erscheint aus der Asche die Liebe.
    Eine Frau sitzt still daneben und beobachtet das Spiel mit dem Feuer. Die Hände des Mannes bewegen sich wie ein leichter Sommerwind, sie gestikulieren etwas, das die Frau nicht deuten kann. Sein Mund öffnet und schließt wieder. Sie hört kein Wort. Aber sie spürt die Magie des Augenblicks, sie spürt die heilende Wärme dieser Hände und meint, diesen plappernden Mund zu schmecken.
    Alles scheint nah, und doch ist eine Brücke dazwischen.
    Wie ein Lichtstrahl Wasser durchdringt, so leuchtet das Juwel der Liebe durch den Schleier ihres Körpers.
    Unvermittelt berühren sich die vier Hände, zwei davon tragen Eheringe. Eine himmliche Energie strömt durch die Luft. Ein sinnlicher Duft erfüllt den kleinen Raum, alles vibriert. Die Melodie der Leidenschaft erklingt zum ersten Mal. Morgen zum zweiten, übermorgen zum dritten. Das Wochenende dazwischen. Ein kleiner Tod. Trügerische Stille. Immer noch bewegen sich die Hände, der Mund und der Wind. Montag ist da.
    Eine Brücke ist dazwischen.
    Eine rote Schachtel Marlboro liegt auf dem Tisch. Die Schachtel wechselt die Farbe, von leuchtendrot zu feurigrot. Die Hände greifen nicht nach dem BiC, und der Mund plappert nicht. Magnetartig verflechten sich vier Hände ineinader, abenteuerlich, begierig, wie auf einer Entdeckungsreise. Und immer dann, wenn Mann und Frau sich in der Intimität ihrer Selbst, in ihrer Intensität, in ihrer Vulgarität begegnen, "machen" sie bedingungslose Liebe. Immer wieder, durch ihr bloßes und einfaches Zusammensein, wird das ewige Feuer der Liebe neu entfacht. Mel geschieht es zart wie eine Frühlingsblume, mal rauh und gewaltig. Die Lippen treffen sich, und es tut weh. Mann und Frau erleiden Schmerzen vor Leidenschaft, die bereits eingeschlummert war. Und beide sind verblüfft. Sie schauen sich in die Augen und lachen wie zwei sonnenhafte Kinder. Wie bei einem Tango bewegen sich beide aufeinander, lassen los und verketten sich wieder. Küssen sich, stöhnen, spielen und lachen. Ein Märchen kann beginnen. So lernen sie sich lieben. So lernen sie sich streiten und schlagen. Ein Zittern ist ständig dabei, ein Feuer flackert und lässt nicht atmen. Zwei Menschen, zurückgeworfen in ihre Jugend, spielen mit dem Feuer, und das Feuer spielt mit ihnen. Schmerzhaft sind die Verbrennungen, doch wen kümmern sie.
    Ein Tag vergeht. Sieben Tage vergehen. Sieben Wochen sind um. Unruhe kommt auf. Alarm. Es qualmt gewaltig. Doch ihre Leidenschaft wächst, wie ein Berg steht sie da und breitet ihre unermüdlichen Flügel aus. Diese Leidenschaft will eine Art Schutz geben, denn: was kann passieren, wenn man so wild seine Gefühle spürt?
    Sieben Monaten später. Eine rote Schachtel Marlboro liegt auf dem Tisch. Das BiC hat den Geist aufgegeben, zündet nicht mehr. Die Hände sind ruhig, der Mund ist stumm. Beide sind von Liebe hingerissen, Andere bemerken es, sie kommen ins Gerede, und er empfindet zum ersten Mal Bitterkeit. Er unterläßt es, sie zu treffen, aber sein Herz bricht, und er verfällt in Melancholie. Sie pflegt ihre Liebe im Stillen, sodaß niemand weiß, daß sie zwischen dem Wasser ihrer Tränen und dem Feuer ihrer Liebe lebt. Die Angst hat gesiegt. Die Angst vor Verbrennungen. Der Verstand hat gesiegt, nicht die Leidenschaft.
    Eine Brücke ist dazwischen.
    Auf ihr steht: Entscheide dich! Mann und Frau hassen diese Brücke. Sie warnt vor Verlust. Welchem Verlust? Das zu verlieren, was vor dem Feuer gabaut worden ist. Das zu verlieren, was ein Leben ausmacht. Das Vertrauen, die Zusammengehörigkeit, den Respekt, die Liebe im Ganzen. Aber diese "alte" Liebe hat keinen Funken Leidenschaft mehr in sich. Doch, und ob! Sie hat einen Dauerwert. Und Leidenschaft? Sie entzündet sich fanatischschnell und noch schneller erlischt sie.
    Eine rote Schachtel Marlboro liegt nicht mehr auf dem Tisch. Auf dem Tisch liegen nur noch Routine und Gewohnheit, in seiner Schublade schlafen Träume, Sehnsüchte und das Verbotene.
    Brücken gibt es überall.
    Ein BiC kann man für einen Euro kaufen. Irgendwo und irgendwann treffen sich ein Mann und eine Frau, zwei Feuerspieler.
    Vielleicht liegt eine scharlachrote Schachtel Marlboro dazwischen. Vielleicht auch ein BiC. Beide können Märchen erzählen, und es wird immer ein kurzes Märchen sein, ein Windhauch, ein einziger Augenblick in der Strömung der Zeit

    [Geändert durch kata am 08-06-2005 um 00:31]

  2. #2
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    Interessante Vergleiche und viele "literarische Gimmicks", wer hätte gedacht, dass das BiC-Feuerzeug eine Allegorie der Liebe ist?
    Doch weg vom philosophieren, hin zum Text:
    Formale Mängel habe ich keine gesehen, auch wenn du dich hier von der klassischen Satzstruktur (S,P) entfernst fällt das nicht negativ ins Gewicht, da es durchgehend ist. Aufgefallen ist mir nur der Rechtschreibfehler bei "Mal[...]", kann aber sein, dass ich was übersehen habe.
    Stilistisch muss ich sagen, dass ich hin und wieder die Augen gerollt habe, bei einige Vergleichen, obgleich sie mir doch abschließend in der Gesamtheit des Werkes gefallen, denn sie wirkten hin und wieder arg trivial und erinnerten mich an die Groschenromane vom Bahnhof. Ansonsten gibt es nicht viel zu bemängeln. Sagte mir an einigen Stellen, wie der Einleitungssatz vermuten lässt, verwunderlicherweise sehr zu.
    Inhaltlich ist es nichts Neues und haut selbst einen Anfänger nicht aus dem Sattel, wirkt aber nicht so schlimm, da es nicht auf die Gefühlsduselei-Schiene abdriftet, was im übrigen auch den Groschenroman-Eindruck verhindert. Wenngleich diese Allegorie doch einzigartig ist, reizt das Thema nicht.
    Abschließend ist festzuhalten: Du hast was gutes draus gemacht. Ließt sich gut, und die Länge ist gerade richtig, denn noch länger hätte sich zu einer Qual entwickelt.

    Gruß Bohemian
    „Ein alter Weiser hat es empfunden, und es liegt in dem viel bedeutenden Ausdrucke versteckt: sapere aude!
    Erkühne dich, weise zu sein. Energie des Mutes gehört dazu, die Hindernisse zu bekämpfen, welche sowohl die Trägheit der Natur als die Feigheit des Herzens der Belehrung entgegensetzen.“

    - Friedrich Schiller

    Tabula meorum operum

  3. #3
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    Thumbs up Die rote Marlboro

    Hallo Bohemian,

    danke dir für deine Kommentierung, obwohl ich nicht verstanden habe, was es heißt "literarische Gimmicks".
    Dies ist meine kürzeste Kurzgeschichte, sonst bin ich eher ein Langläufer, was die Erzählungen oder Romanschreiben betrifft.

    Beste Grüße
    Kata

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