Thema: wir spielten

  1. #1
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    Wir spielten Verstecken in grünenden Gärten,
    wo schattige Mauern uns unsichtbar machten;
    wo duftende Sträucher uns Obdach gewährten,
    und ewige Bäume sanft über uns wachten.

    Wir streiften umher, und die Stunden zerronnen;
    bestaunten die Nacktheit der schönen Figuren
    aus Marmor gefertigt; entdeckten die Brunnen,
    aus welchen wir kühlende Frische erfuhren.

    Wir spielten noch lang zwischen Büschen, -zu Säulen
    und Kugeln geschnitten- die voll praller Beeren;
    beschlossen noch weit in die Nacht zu verweilen,
    um erst mit dem Morgentau heimwärs zu kehren.


    Wir spielten im Bette, als wie in den Gärten,
    wo Decken und Laken uns unsichtbar machten;
    wo Liebe, Vertrauen uns Obdach gewährten,
    und ewige Sehnsüchte über uns wachten.
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  2. #2
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    Hallo leporello,
    ein wahrlich eruptiver Akt. Du hast Dein Handwerk gelernt, und mir die Chance gegeben, es zu verstehen.
    Ich finde keine überstrapazierten Worte (wie so oft in dieser Rubrik), nur zugängliche, sensibilisierte Zeilen. Du hast es mal wieder meisterhaft verstanden, Fühlen und Spüren, nicht nur zu benennen, sondern anschaulich zu zeigen.

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  3. #3
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    hallo hzl. mit diesem grosszügigen kompliment werde ich sicher herrlich schlafen, dankeschön
    g.l.
    .
    .
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  4. #4
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    Gute Nacht, leporello.
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  5. #5
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    @hzl: tatsächlich!! habe herrlich geruhsam geruhet
    @basse: ist keine absicht. ud wenn du es grad so punktuell beleuchtest, gefällt es mir auch nicht wirklich. in z3 und 4 geht es grammatikalisch wohl nicht anders, das "zu in z1 könnte ich durch ein "als" oder "wie" ersetzen; gefällt mir aber auch nicht so.
    hängt man sich wirklich so an dem wörtchen auf, oder könnte man auch grosszügig drüber hinweg lesen?
    mal sehen.
    danke für den hinweis.
    gruass lepi
    .
    .
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  6. #6
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    Hallo lepi,


    ein wunderschönes Gedicht, das ganz fließend zum Punkt führt . Danke für's Lesen lassen.

    Die "zu's" sind mir nicht aufgefallen, weil sie grammatisch begründet sind.



    Schönes Gedicht!
    Liebe Grüße,
    Anke

  7. #7
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    @lepi,

    auch mir vermag dein gedicht wunderhübsch zu gefallen! ich finde die "zus" auch nicht sonderlich störend, sie sind mir eigentlich erst wirklich aufgefallen, nachdem ich den kommentar dazu gelesen habe.

    meine empfindung und interpretation deines werkes hat irgendwie ein wenig vom paradies oder besser gesagt dem "modernen garten eden". ich musste mir beim lesen adam und eva vorstellen, wie sie sich heimlich unter apfelbäumen und neben kirschblüten liebten und sich vor der verführerischen schlange verstecken! ich weiß nicht was diese assoziation in mir auslöste, denn ich denke sie war von dir nicht gewollt!?

    lieben gruß und: gerne gelesen
    orange
    Interpretation ist der erste Schritt zur Wissenschaft...

    Ein Paar meiner Werke:

    GefangeneLiebe
    EsLebt UndPunkt. EinGanzNormalerTag GebtMirNamen
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  8. #8
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    das religiös-paradiesische ist mir noch gar nicht aufgefallen. aber garten ist garten und das bibel-bild sicher auch kein zufall. und ich habe ihn ja kitschig-romantisch gestaltet, dass es sicher auch a&e darin gefallen hätte. allerdings eher so als strenges englisches kunstwerk mit buchs-labyrinth, und gestylten kieswegen, denn als wilder obstgarten.
    mein bild war eher ein kindlicher, naiver spielplatz. aber schön zu lesen, wenn es auch raum für andere sichtweisen gibt.
    danke.
    es gibt noch äpfel
    g.l.
    .
    .
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  9. #9
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    @lepi,
    durchaus kann ich mir auch vorstellen, den gestriegelten garten als grünes englisches fleckchen in einer spießbürgerlichen gegend anzusiedeln! - ist ja auch ein netter gedanke! ein wildromantisch, frisch verliebtes pärchen, dass es verbotener weise in einem kleinstadtvorort wild in gestutzten hecken treibt... *grins*

    ach ist das schön, wenn man ein gedicht auf die unterschiedlichsten arten interpretieren kann! - obwohl ich sagen muss, dass mir der moderne garten eden, mit den aus mamor gefertigten - zu fleisch gewordenen englischen hauptfiguren, die sich unter einem apfelbaum vor dem big ben lieben auch zu gefallen vermag und mich ´zum schmunzeln einläd....

    lieben gruß und wunderschönes werk,
    orange
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  10. #10
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    Hi Lepi!

    Dein Gedicht ist wunderschön und lässt sich mit einer Leichtigkeit lesen, die an einen lauwarmen Frühlingshauch erinnert. Bin wirklich begeistert.
    Die letzte Strophe hat es mir besonders angetan. Ich muss sagen, ich bin entzückt, dass man hier mal wieder etwas mit seeehr viel Gefühl liest, da man unter dieser Rubrik schon einige äußerst derbe Texte findet. Aber da kann man wohl nichts machen, jeder hat ja eine andere Auffassung von Erotik. Ist ja auch gut so.
    Deine Idee mit dem Garten verleiht dem Gedicht genau die romantische Stimmung, die mir so gut gefällt.
    Tut mir Leid, wenn ich nichts zur Metrik o.Ä. sage, aber ich bin mehr der Typ, der über seine persönlichen Gefühle und Interpretationen zu dem Gedicht schreibt.

    Mit lieben Grüßen

    Weißer_Teufel
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    Wenn du nichts hast, für das du sterben würdest, hast du nicht richtig gelebt.

    It’s better to burn out, than fade away.
    (Kurt Cobain, oder besser gesagt Neil Young)

    Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie beginnen wird zu leben.
    Marc Aurel (121-180)

    Seien wir realistisch und versuchen wir das Unmögliche.
    (Che Guevara)

  11. #11
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    Oha,
    Da findet man also am unmöglichsten Ort ein kunstvoll gestaltetes, ausdrucksstarkes und durch und durch ansprechendes - kurz, "schönes" Gedicht.

    Da tut die Formulierung "als wie" (S4Z1) um so mehr weh, eventuell mag der Autor diese unschöne Stelle ja ausbessern.

    Die Erwähnung des nicht ganz sauberen Reimes Gärten/gewährten lasse ich mir aber gerne als Pedanterie anrechnen.
    Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

  12. #12
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    Hallo loprello,

    Zuerst mal: S3V4: heimwärts

    Metrisch einwandfrei gemacht und inhaltlich stimmig: Es gefällt mir ausnehmend gut.

    Ich kann mich der allgemeinen Euphorie um S4 nicht ganz anschliessen (vor allem Z1, wie bereits MoE erwähnt hat). Ich wünschte sogar, das Gedicht wäre nach S3 fertig gewesen, so wäre es für mich am stimmigsten. Durch: „mit dem Morgentau heimwärts zu kehren“ war meine Fantasie bereits angekurbelt und ich hätte mir den Rest eh ausgemalt – das dadurch nicht Gesagte hat bei mir die Stimmung der vierten Strophe übertroffen (ok, hat evtl. auch etwas mit meinem aktuellen Hormonhaushalt zu tun...). Ist aber kein Problem: ich lasse beim lesen einfach die letzte Strophe weg...

    Sehr gern gelesen, danke.

    Gruss Andvari

  13. #13
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    @andvari: danke für den tippfehler, bzw. für deinen hinweis. eigentlich hast du ja recht. aber angenommen, das gedicht steht unter vielen, und nicht unter "erotik", wäre es dann auch überflüssig?
    bin jedenfalls froh, dass dir z1-3 gefallen, und wenn du dir anstelle von s4 noch was schöneres denkst, so solls mir recht sein
    g.l.
    .
    .
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