1. #1
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    Fußfesseln für arbeitslose Menschen
    die sich verwundert fragen ob dies
    die Hölle eines anderen Planeten sei

    Gefangen und entwertet
    zweifeln sie an ihrer eigenen Würde
    mit bittersauerem Geschmack
    ihrer fremdgewordenen Wirklichkeit

    Das Lachen verdunstet und die Angst
    debütiert in ihrer Hauptrolle
    auf den Sprossen der
    langgezogenen Erfahrungen

    Frühling ist da draußen
    doch im Portemonnaie herrscht Winter
    frostigkalt ist der Blick nach oben gelyncht
    Arbeitslose und Schmarozer
    zwei ungleiche Seiten gleich gestellt
    die einen sagen - danke, das habe
    ich nicht verdient
    die anderen - willkommen in
    Faulenzer-Paradies

    Schweigend liegt die Gerechtigkeit
    auf dem geduldigen Papier
    Strafe oder Belohnung
    in ungeklärtem Rhythmus
    Im Hintergrund lacht der Teufel
    Ausrutschen für ihn ein Fremdwort

  2. #2
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    Katar - jetzt wieder in Österreich
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    Hallo kata!
    Du hast hier ein Alltagsproblem gut dargestellt.Wieder diese komprimierte Sprache.Sehr schoen.
    Ohne Reime und doch gut zu lesen.

    Die letzte Zeile der letzten Strophe stoert mich.Durch die Qualitaet des ganzen Wekes finde ich "ausrutschen" einen eher unpassenden Ausdruck - irgendwie zu banal - auch dem Verslaut irgendwie stoerend.
    Vielleicht faellt dir etwas ueberzeugenderes dazu ein.
    Hat mich sehr gefreut zu lesen.
    Amrei-lyrics
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  3. #3
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    Hi kata,

    also das ist ein sehr schönes Gedicht. Mir fröstelt es förmlich beim lesen. Aber es ist so war. Viele Menschen machen sich krumm und trotzdem reicht das Geld am Ende hinten und vorne nicht.

    ich muss Amrei-lyrics allerdings wiedersprechen, ich finde den Ausdruck "ausrutschen" überhaupt nicht zu banal. Er lockert meines erachtens nach, dass Gedicht noch etwas auf. Du begibst dich mit deiner Idee auf eine niederere Ebene der Gesellschaft (Das soll nicht abwertend klingen)und während du am Anfang von Würde, Debüt, Rythmus und geduldigen Papier sprichst, nimmst du wieder die Sprach des Volkes in den Mund und sagst im übertragenen Sinne: Ist es nicht unfair, dass er lacht und nicht einmal auf der Scheiße ausrutscht, durch die wir uns Tag für Tag graben.

    LG Herrin vom See
    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
    Friedrich Nietzsche

  4. #4
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    @Armrei-lyrics / Herrin vom See

    Ich habe mich schon gewundert, warum manche Gedichte viel gelesen und überhaupt nicht kommentiert werden. Daß, ausgerechnet jetzt, fast zwei Monate nach dem Eintrag, meine Gedichte unter Massenposting entdeckt worden sind, hat mich sehr freudig gestimmt und eure Kommentare haben mich mit frischen Impulsen erfüllt, weiter zu machen.

    Das Gedicht wurde geboren nach dem ein Politiker die erste Zeile (siehe oben) öffentlich vorgetragen hatte. Das hat mich so stark bewegt, daß ich es in meiner Ohnmacht nur dem Papier einhauchen konnte.
    Das sozialkritische Thema ist unsere Wirklichkeit, das Ernst des Lebens, und ich kann nicht die Augen und Ohren verschließen, mich in "Sicherheit" einpacken, die morgen schon einen anderen Namen bekommen könnte.
    Arbeitslosigkeit ist kein Phänomen (seltenes Bild) jeden kann es treffen und es scheint gar nichts fern von uns zu sein in dieser Leistungsgesellschaft, die nur auf schnelle Resultate eingestellt ist. Die Klassenunterschiede würgen uns langsam (es stinkt zum Himmel, für ehrliche Arbeit werden wir bestraft, für Faulheit belohnt.
    Auf die Verteilung der Güter möchte ich hier nicht näher eingehen, sonst werde ich als Marxist abgestempelt.
    Ich hoffe, sie wissen was ich damit sagen wollte.

    Herzlichen Dank für die positiven Rückmeldungen
    Liebe Grüße
    Kata

  5. #5
    barfly Guest
    hallo kata

    mir gefällt dein gedicht ebenfalls. du hast trotz des realpolitischen themas ein paar schöne bilder mit eingebaut.

    ich denke aber nicht, dass man für faulheit belohnt wird. die gleichsetzung der arbeitslosen mit denen die sich in der sozialen hängematte (ein wunderbarer begriff ) ausruhen, ist das problem hirbei. das hast du ja auch schon gesagt.

    letztendlich kann sich aber "ehrliche" arbeit nicht lohnen (in einer klassengesellschaft )

    das nur so am rande.

    und hier noch ein paar kleinichkeiten:

    schmarotzer nicht schmarozer

    im faulenter - paradies nicht in ...

    grüße
    barfly

  6. #6
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    Danke sehr Barfly,

    Fauheit wird belohnt, z.B.
    - In meiner Nachbarschaft lebt eine junge, gesunde Frau seit 15 Jahren von der Sozialhilfe. Ich frage mich, was sie für Gründe angibt, um diese Hilfe bewilligt zu bekommen, ist auch egal...Tatsache:schönes Leben auf Staatskosten, Belohnung für Faulheit. Wie viele gibt es davon? Jung, gesund, arbeitskräftig. Wenn das Geld ohne Leistung zufließt, braucht man sich auch nicht um eine Arbeit zu bemühen, oder? Vielleicht handelt es sich auch um grobe Verwaltungsfehler (mangelnde Kontrolle der Lebensumstände.

    Lieben Gruß
    Kata

  7. #7
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    Du hast ganz recht kata

    und wer beazhlt letzlich diese Schmarotzer, der ehrliche und tüchtige Arbeiter. Und genau da liegt das Problem. Die Kontrolle durch den Staat fehlt und das ist ein Punkt der bei Hartz4 (ich möchte das Programm nicht loben, aber gute Ideen enthält es) jetzt stärker kontrolliert wird.
    Wer den Job der ihm angeboten wird nicht an nimmt hat erstmanl Pech gehabt und ihm wird das Geld gekürzt. Damit sagt man den Schmarotzer doch den kampf an, leider funktioniert das nicht durchgängig und es flutschen immer ein paar durch.

    Ach kata, wenn du sagst du willst nicht als marxist abgestempelt werden. Dann sag ich dir lass die anderen nurreden. Denn wenn deine Aussagen zu extrem Marxistisch sind dann leben in mir Marx und Engels vereint. Denn die Idee dieser beiden war nicht die schlechteste. Aber ich werde hier nicht weiter politisch

    LG Herrin vom See
    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
    Friedrich Nietzsche

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