1. #1
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    Das Gedankengerüst steil fehlkonstruiert,
    versprechendes Stillschweigen als Träger.
    Am Boden liegt Sprache einbetoniert,
    Aufkommende Zweifel Glücksjäger.


    Das Geisteskonstrukt ist manipuliert,
    rausredendes Einreden der Täter.
    Die Aussicht auf Einsicht einasphaltiert.
    Wegschauende Augen Verräter.


    Das Zukunftsbauwerk in Dreck zementiert.
    Zermürbendes Bedenken als Kleber.
    Den Himmel aus Erden katapultiert.
    Stumm schreiende Seele als Kläger.
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  2. #2
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    Hallo füllertintentanz,

    Ich habe das Gedicht mit Interesse gelesen und möchte dir zum Kontrast ein bezüglich einiger Gesichtspunkte alternatives "Konstrukt" anbieten. Mir ist aufgefallen, dass in deinem Gedicht mehrere (dynamisch klingende) metrische Doppelsenkungen (Anapäst/ Daktylus) auftreten, die meiner Meinung nach in dieser Häufung dem Ausdruck des Statischen nicht so recht entsprechen. Ich habe also durch mehrere Maßnahmen, z. B. durch regelmäßigere Hebungen und Senkungen, versucht, mehr Konstanz und Monotonie zu erzeugen (wenngleich auch nicht durchgehend, so aber doch zumindest zu den Versenden hin, um das Lesetempo zu drosseln). Weitere Vorschläg sind ebenso Artikel zu Beginn einer Strophe sowie das mehrmalige "als" innerhalb eines Verses zu streichen; somit würden Nomen statisch gereiht (Akkumulation). Streichung eines Artikels würde hier zur Verallgemeinerung/ Auflösung eines konkreten Bezugsfelds führen und überließe es dem Leser weitaus mehr, erzeugte Leerstellen durch eigenes "Konstruieren" zu füllen. Die Ausdrucksseite würde also eine Bedeutungsspur aufnehmen, die der Inhalt ebenso trägt.
    Ich habe des Weiteren einige Adjektive gestrichen, wenn sie den Nomen keinen erweiterten Sinn beilegen, um die Hauptwörter deutlicher hervortreten zu lassen. Demgegenüber finde ich jedoch, dass die Doppelsenkungen in "rausredendes" und "versprechendes" erhalten werden sollten, da hier die Sprache (entgegen der Gedankenstatik) etwas (hohl) Plapperndes bekäme. Aus "zermürbendes" (auch hier wieder eine Doppelsenkung) könnte man dann jedoch (ein wieder metrisch statischer wirkendes) "zermürbtes" machen.
    Letztlich würde ich auch noch einmal den Titel des Gedichts überdenken, denn wenn der erste Vers bereits mit "Gedanken..." anfängt, erzeugt das nur wenig Spannung. Möglicherweise wäre ein interessanter Titel in diesem Fall ein den verallgemeinernden Begriffen entgegenstehendes Konkretes, wie z.B. "Beton", "Bruchstein" etc., das dann auch mit der formalen Reihung der Nomen korrespondierte. Denkbar finde ich aber auch (wieder abstraktere) Begriffe wie z.B "Statisch" oder "Statik", die eine Doppelbedeutung von Statik, also auch im Sinne von Starrheit/ Festgefahrenes, konnotieren würden.

    Anmerken möchte ich zum Schluss noch, dass mir besonders deine Verse 3 und 4 ("Sprache einbetoniert") gefallen haben. "Einbetoniert" bewirkt hier einen Zeilensprung, der zwar wieder etwas mehr Dynamik erzeugt, den ich aber für die erste von drei Strophen, also zu Beginn des Gedichts, durchaus für angemessen halte.

    Hier nun einmal mein Vorschlag im Ganzen:


    Statik

    Gedankengerüst steil fehlkonstruiert,
    versprechendes Schweigen, Träger,
    am Boden liegt Sprache einbetoniert
    Zweifel, Glücksjäger.

    Geisteskonstrukt manipuliert,
    rausredendes Einreden der Täter.
    Aussicht auf Einsicht einasphaltiert,
    wegschauende Augen, Verräter.

    Zukunftsbauwerk in Dreck zementiert.
    Zermürbtes Bedenken als Kleber.
    Himmel aus Erden katapultiert,
    stummer Schrei, Seele, Kläger.


    Liebe Grüße. Mit gefällt dein Gedicht sehr gut. Ich hoffe, mit meinen Vorschlägen behutsam gewesen zu sein.

    freewaythor

    [Geändert durch freewaythor am 13-06-2005 um 20:32]

  3. #3
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    freewaythor,
    deine erklärungsunterstützte Version finde ich viel besser als das Original. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich sie gerne als E-Mail weiterverschicken.

    Freundliche Grüße

    N.

  4. #4
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    Hi Nomen,

    ich persönlich habe dagegen nichts einzuwenden, zumal es sich nur um einen Kommentar für den Autor handelt. Ich bin aber entschieden dafür, dass eine Entscheidung über weiteres Versenden des Gedichts - in welcher Version letztlich auch immer - beim ursprünglichen Autor/ bei der Autorin liegen sollte. Schließlich ist und bleibt es ihr/ sein Werk, was man auch respektieren sollte.

    Gruß und danke für das Feedback.

    freewaythor

  5. #5
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    @freewaythor
    Danke! Deinen Kommentar hätte ich aber doch gerne. Sozusagen als Zusatzleistung. Ja?

    @Füllertintentanz
    Hast du etwas dagegen, dass ich dein exquisites Werk und die überarbeitete Version von freewaythor für eine E-Mail verwende? Wäre dir sehr dankbar.


    Liebe Grüße

    N.

  6. #6
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    Zustimmung: der Kommentar kann natürlich kopiert werden.

    freewaythor

  7. #7
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    @freewaythor

    Vielen Dank!

    *gl*

    N.

  8. #8
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    Hallo ihr Lieben,

    ich habe selbstverständlich rein gar nichts dagegen, wenn Original und/oder Verbesserung als Mail verschickt werden. Ganz im Gegenteil, es freut mich.

    Ehrlich gesagt hatte ich noch nicht die Zeit, mich mit der neuen Version zu beschäftigen. Ich werde es jedoch gleich nachholen...

    übrigens nehme ich wirklich niemandem Kritik übel. Ganz egal ob sie nun positiv oder negativ ausfällt... Hauptsache ehrlich.
    Und die Tatsache, dass ihr euch so intensiv mit meinem Text beschäftigt habt kann mich doch nur erfreuen.

    Ganz liebe Grüße, Sandra
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  9. #9
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    Hallo freewaythor,

    soo... ich habe mich nun noch mal genauer mit deinen Ideen beschäftigt. Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich sie gar nicht falsch finde, doch zwei Dinge stören mich an der neuen Version.

    1. ist nahezu jede Zeile in jeder Strophe unterschiedlich lang

    und

    2. gefällt mir die letzte Zeile gar nicht. Für meinen Geschmack klingt sie so sehr abgehackt. Aber das ist ja (wie fast alles im Leben) Ansichtssache.

    Alles andere finde ich sehr gelungen, werde wohl auch noch länger darauf rumdenken.

    Vielen Dank für deine Vorschläge

    Sandra

    [Geändert durch Füllertintentanz am 13-06-2005 um 21:19]
    Bewege die Schranken,
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    und du wirst beweglicher
    denn je.

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