Thema: Trist ist's

  1. #1
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    Trist ist's was aus dir geworden ist.
    Hattest ernsthaft, intelligent und unverdorben
    das Zeugs zum grossen Humanist,
    Kaninchenzüchter, Pianist.

    Doch schau, was ist aus dir geworden,
    nur weil du dein Talent vergabst?
    So spät kann nichts mehr aus dir werden.
    Du bist und bleibst bloss Papst.

    Schaukasperl Gottes hier auf Erden

  2. #2
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    Nett,

    zumal ich ein echter Fan "gottesfürchtigen" Gedankengutes bin. Du reimst relativ frei und übergreifend - das fällt auf, bleibt aber deine Sache. Der metrische Bruch in der vierten Zeile der zweiten Strophe empfinde ich allerdings als einen echten Schönheitsfehler, ebenso wie das total fehlplatzierte Genitiv - s an Zeug, das wohl auf irgendeine dumme Mundart zurückzuführen ist.

    Mit "...kasperl" kann ich da schon eher leben, obwohl es im Grunde ebenso zu bewerten wäre.

    Interessantes Gedicht, Peter.

    Toni

  3. #3
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    Hi Toni,

    Metrische Schoenheitsfehler gehen mir zwischen Himmel und Zwirn hinten vorbei. Der vergewaltigte Genitiv hingegen nicht. Leider bietet nicht mal dein dargebotener Strohhalm der dummen Mundunart (vs. der gescheiten?) einen Fluchtweg.
    Trist ist's dass das 's' simpel und einfach auf mangelnde Sprachkenntnis zurueckzufuehren ist. Aus Solidaritaet mit dem Papst lass ich es so stehen damit klar ersichtlich ist,
    dass er nicht der einzige ist aus dem nix geworden ist.

    Gruss
    Peter

  4. #4
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    Guten Tag Peter,

    "Metrische Schoenheitsfehler gehen mir zwischen Himmel und Zwirn hinten vorbei.", schreibst du und solltest es doch nicht. Schließlich scheinst du das nicht nötig zu haben - wohlan, nur anbei erwähnt. Es macht doch immer einen guten Eindurck, wenn man weiß, was man tut, denn normalerweise hat jedes Merkmal eines Gedichtes eine bestimmte Bedeutung.

    Über deine zwischenmenschliche Rücksichtnahme kann ich nur schmunzeln. Du bist ein Philantrop - ein echter Gentleman. *zwinkert*

    Toni

  5. #5
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    Guten Tag Toni,

    Wie du siehst habe ich mich in naiven Stunden mal echt um die Metrik bemüht:

    Wer Metrik-Guru werden will,
    der passe auf – verhalt sich still,
    denn nur die verinnerlichte Metrik
    wirkt nicht wie spröde Synthetik.

    Die Metrik setze jedermann
    schon weit vor dem Dichten an.
    Im Geschwärme der Gefühle ein Xx für kühle.
    Im Getümmel der Gedanken ein X für schwüle.
    Meldet Ungebetenes sich an geht das x voran.

    Derart sauber vormetrikiert,
    Hoffend dass der Tipp sich halt
    Dichtet’s sich frei, ungeniert.
    Weshalb die Metrik so gefällt.

    Die Metrik richtig eingesetzt
    Ist ein Gesetz das jeder schätzt.
    So findet in der Buchstabensuppe
    Der Guru das X auch ohne Lupe.

    Doch, o weh, dann bin ich Unglückseliger über Lessings 'Der über uns’ gestolpert und meine Metrikambitionen lösten sich wie durch Meisterhand in Luft auf.

    Hans Steffen stieg bei Dämmerung (und kaum
    konnt er vor Näschigkeit die Dämmerung erwarten)
    in seines Edelmannes Garten
    und plünderte den besten Apfelbaum.
    Johann und Hanne konnten kaum
    vor Liebesglut die Dämmerung erwarten
    und schlichen sich in ebendiesen Garten
    von ungefähr an ebendiesen Apfelbaum.
    Hans Steffen, der im Winkel oben saß
    und fleißig brach und aß,
    ward mäuschenstill vor Wartung böser Dinge,
    daß seine Näscherei ihm diesmal schlecht gelinge.
    Doch bald vernahm er unten Dinge,
    worüber er der Furcht vergaß
    und immer sachter weiteraß.
    Johann warf Hannen in das Gras.
    "O pfui!, rief Hanne, welcher Spaß!
    Nicht doch, Johann! - Ei was?
    O schäme dich! - Ein andermal - o laß -
    O schäme dich! Hier ist es naß."
    Naß oder nicht; was schadet das?
    Es ist ja reines Gras.
    Wie dies Gespräche weiterlief,
    das weiß ich nicht. Wer braucht's zu wissen?
    Sie stunden wieder auf, und Hanne seufzte tief:
    "So, schöner Herr, heißt das bloß küssen?
    Das Männerherz! Kein einzger hat Gewissen.
    Sie könnten es uns so versüßen.
    Wie grausam aber müssen
    wir armen Mädchen öfters dafür büßen!
    Wenn nun auch mir ein Unglück widerfährt! -
    Ein Kind - ich zittre. - Wer ernährt
    mir denn das Kind? Kannst Du es mir ernähren?"
    "Ich?, sprach Johann, die Zeit mag's lehren.
    Doch wird's auch nicht von mir ernährt:
    Der über uns wird schon ernähren;
    dem über uns vertrau."
    'Dem über uns.' Dies hörte Steffen.
    'Was', dachte er, 'will das Pack mich äffen?
    Der über Ihnen? Ei, wie schlau!'
    "Nein, schrie er, laßt euch andere Hoffnung laben!
    Der über euch ist nicht so toll.
    Wenn ich ein Bankbein nähren soll,
    so will ich es auch selbst gedrechselt haben."
    Wer hier erschrak und aus dem Garten rann,
    das waren Hanne und Johann.
    Doch gaben bei dem Edelmann
    sie auch den Apfeldieb wohl an?
    Ich glaube nicht, daß sie's getan.

    Seither bin ich, wie du fast richtig vermutest, zum Filoutropen geworden. Wenn du jedoch einen Gentleman suchst, empfehle ich Madame Tussots Wachsmuseum in London. Dort soll’s in einer verstaubten Ecke noch einen geben, inklusive der zwischenwachslichen Beziehungen (blinker).

    Gruss
    Peter


  6. #6
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    *lacht*

    Ich weiß doch, ich suche vergebens, aber ich binde das nicht jedem sofort auf die Nase. *schmunzelt* Tu mir den Gefallen und ahme mich nach!

    Das waren also deine Bemühungen, hm? Na ja, wenigstens hast du jetzt eine echte Ausrede, dir metrische Ideale rektal vorbei, anstatt einzuführen. Für mich ist das jedenfalls ein Argument - wenn schon "Lessing" keines ist.

    Bis zum nächsten Gedicht, Peter.

    Toni

  7. #7
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    Mit ein wenig schmunzeln, vielleicht sogar ein paar Lachern ist der Zweck eines Amateur-Hobby Forums durchaus erfüllt. Darüber hinausgreifende Ambition können leicht zum Don Quijote-Syndrom führen. Gleich dem Kreuzworträtsler der sich für einen Kreuzritter hält.

    Dichter bin ich in etwas so wie der Schachspieler Sportler ist. Ver-Dichter bin ich in etwa so wie der Sportler Schachspieler sein kann.

  8. #8
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    Ja, Dilettanten, die wir alle sind, schieben die Halbherzigkeit, mit der sie zu Werke schreiten, nur zu gerne auf die Umstände der genutzten Institution. Wohl dem, der aus dem "tristen" Einlerlei ausbricht und wenigstens so tut als ob ... Bisweilen sorgt ein solcher hin und wieder für mehr, als nur einen Lacher - selbst hier. Dabei muss er nicht immer dem Wahn erliegen, gegen Windmühlen zu kämpfen, sondern vielleicht nur das Beste aus sich herausholen wollen.

    All denen, die mit ihren Kräften und Säften sorgsam haushalten müssen, um den nächsten Tag noch zu erleben, sei Zurückhaltung zugestanden - hier und da. *schmunzelt nochmal*

    Ansonsten klingst du, als hättest du Angst, dich für ein Gedicht zu überanstrengen. Schlechte Erfahrungen gemacht ...?

    Toni

  9. #9
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    Ich weiss nicht wen du so melodramatisch ansprichst. Mich jedenfalls kaum. Hobby-Bastler müssen keine Dilettanten sein. Genügt es doch dass sie die eigenen Beschränkungen erkennen und sich danach richten.

    Da wo und wie ich lebe ware ein trister Alltag ein Novum. (Ganz abgesehen von der Allmacht der Allnacht.)

    Überanstrengung beim Verslein pinkeln, ‘das beste aus mir herauszuholen’ (hab’ ich dabei doch bereits rausgeholt), zumal in einer Fremdsprache, fiele mir höchstens im Albtraum ein. Wo die Unterhaltung und der Spass endet, endet auch abrupt das Hobby. Nicht umsonst halte ich mich seit Jahrzehnten mit Beflissenheit mitteleuropäischer Verbissenheit fern.

    Mit kräftesparen um den nächsten Tag zu erleben kann ich wenig anfangen, da mein nächster Tag täglich in weiter Ferne liegt. Es sei denn es handle sich hierbei um einen sanft kamuflierten zweiten Anlaufsversuch zu der noch offenen Debatte der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die ja bekanntlich mannigfaltig von Romeo und Juliette bis George Double-Me Bush und Saddam reichen, und teils als allzumenschlich, öfters eher als zwischenlich zu beschreiben sind. Meine Schwäche liegt so irgendwo zwitschgendrin.

    Ich bin mir nicht bewusst im Forum schlechte Erfahrung gemacht zu haben. Einigen Teilnehmern mag das mit mir passiert sein. Doch gerade darin liegt ein Zusatzreiz von besonderem Unterhaltungswert. Kontrahenten sind Fans jederzeit vorzuziehen. Von letzteren genügt jeweils einer pro Zimmer der für kühle Umluft sorgt. Weitere korrumpieren das Ambiente.

    Also denn, glorious Toni, bis zum nächsten Gericht.

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