Thema: Der Bahnhof

  1. #1
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    Am Bahnhof- Gewirr- ameisengleich
    Getöne, Geräusche, verzweifeltes Spiel
    Dazwischen er- stumm, zitternd und bleich
    Am Bahnhof ganz alleine und ohne Ziel

    Gequietsche der Räder- lautes Gekreisch
    Zieht vorüber ohne ihn zu bemerken
    Er nicht mehr, als ein dummes Stück Fleisch
    Gedanken, die seine Pläne bestärken

    Viel zu nahe sind die Gleise
    Kein Engel wird sich ihm noch erbarmen
    "Tut mir leid" flüstert er leise
    Lässt sich fallen, um den Zug zu umarmen

    Niemand hatte ihn gern
    Er wollte sich vom Hass seiner Mutter und Freunde befrei'n
    Jetzt ist er allem fern
    Aber die, die ihn "hassten" werden am lautesten schrei'n...

    Nach Leben lechzend seh ich mich
    und bin hier selbst der ohne Wahl,
    Gedanken sind so weinerlich,
    den Tod zu leben ist die Qual
    Lebend lechzend Herzgeflüster by Dornenreich



    So Sei Es...........

  2. #2
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    hi träumerin
    es scheint als würdest du mein gedicht nicht verstehen... dieses übertriebene mitleid (oh der arme junge bla bla) ist mit absicht eingebracht worden. was denkst du warum ich die die ihn "hassten" in anführungszeichen gesetzt habe? es sollte eigentlich ansatzweise eine antwort auf dieses geschwafel von den "keiner hat mich lieb-alle sind nur schlecht zu mir- leuten/gedichten" sein. mich nervt dieses ewige rumgejammer nämlich auch. der mensch in meinem geidhct ist so verblendet, dass er nicht wahrnimmt, dass ihn natürlich auch einige leute lieben. wie zb seine mutter und eben die freunde. seine "verzweiflungstat" war somit ein dummer fehler. er ist so in seinem selbstmitleid versunken gewesen, dass er ganz einfach mal übersehen hat, dass es vielleicht doch alles gar nicht so schwarz ist. damit wollte ich eigentlich sagen, dass man mehr nach dem guten ausschau halten sollte, anstatt sich an das schlecht wie ein klammeraffe festzuhalten. ich hoffe jetzt verstehst du was ich (vielleicht schlecht) versucht habe auszusagen
    gruß julia
    Nach Leben lechzend seh ich mich
    und bin hier selbst der ohne Wahl,
    Gedanken sind so weinerlich,
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    So Sei Es...........

  3. #3
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    Hallo Julia!

    Sie kann manchmal schon ziemlich bockig sein, unsere Sonnenträumerin, trotz aller Toleranz.

    *rotwerd* An dieser Stelle auch ein herzliches Hallo! an Dich.

    Deinen Ansatz finde ich fabelhaft. Die ersten beiden Strophen sind schon sehr gut. Die dritte schon fängt an, zu viel zu sagen und nicht Bilder sprechen zu lassen. Und die vierte Strophe. Na ja. Die ist daneben. Nicht inhaltlich, aber sie paßt nicht, ist zu deskriptiv, überladen und dadurch natürlich aus dem Rahmen gefallen.

    Nimm also die Kritik von Sonnenträumerin ernst und laß Interpretationspielräume, dann beschäftigt man sich viel länger mit Deinem Gedicht.

    Und um mal auch was Konkretes anzuführen, weil den Mangel daran immer alle bei mir kritisieren und weil es sich hier wirklich lohnt, was sonst eben nicht der Fall ist (!):

    Die Umgangssprache ist gespickt mit Tautologien, d.h. vereinfacht gesagt, bestärkenden Wiederholungen.
    Als Stilmittel interessant - in der Umgangssprache geläufig - als Zufallsprodukt, eher amüsant.

    So wird die Metrik der Z.2

    Getöne, Geräusche, verzweifeltes Spiel
    xXxxXxxXxxX

    brutal von Deiner Z.4 durchbrochen!
    Und zwar Grundlos, aus einem Lapsus heraus.
    Dabei geht es wunderbar auf mit:

    Am Bahnhof, alleine und ohne Ziel
    xXxxXxxXxxX

    Was Du lernen mußt, auch wenn sich am Anfang der Verstand noch evtl. weigert, ist.
    Das es keinen Unterschied gibt zwischen "alleine" und "total alleine". Nicht existent! Alleine eben! Ja oder nein!
    Denk mal drüber nach!

    So, weiter:
    "hassten"? - Wir schreiben doch hier keinen Brief an die "beste" Freundin, die sich beleidigt wochenlang nicht mehr meldet, wenn sie was falsch versteht.

    hassten! muss es sein. Die Anführungszeichen müssen sich aus transportiertem Inhalt und der Interpretationsfähigkeit des Lesers ergeben. Und wenn letzteres nicht eintritt, was solls!

    Und wie gesagt - Laß Bilder sprechen!
    Ein toller Einfall mit dem Zug umarmen - Leider wieder mit den vielen Worten die Metrik versemmelt.
    Aber Du kannst auch noch einen Schritt weiter gehen:

    Viel zu nahe sind die Gleise
    Kein Engel wird sich ihm (noch? wozu denn (noch)) erbarmen
    "Tut mir leid" flüstert er leise
    Steigt ab, das schwarze Roß umarmend

    Vielleicht nicht perfekt, aber als Beipiel hinreichend gut.
    Iss schon klar, dass er traurig und allein, nahe den Gleisen, nach dem er "Tut mir leid" flüstert, nicht einsteigt und zu seiner Omi fährt.

    Also, warum so direkt?

    "Steigt ab": Absteigen, z.B. in den Hades, in die Hölle (w/ Selbstmord=Totsünde), was weiß ich.
    "Schwarzes Roß": Was für den einen nur ein Bild eines totbringenden Zuges ist und hier auch sein soll, ist für den anderen vielleicht noch zusätzlich das schwarze Roß eines Todesengels, oder zumindest ein Nazgul, wenn er sich lieber mit Herr der Ringe bildet.
    Das Entscheidende dabei ist, in dieser Zeile entstehen unglaublich viele Assoziationen, die den Leser herausfordern und erfreuen!

    Puuh!

    Ich glaub für den Anfang reicht das als kleine Anregung.

    Wow! Hab mich wirklich warm geschrieben, wenn ich mir das so ansehe.
    Bitte! Mein Herzblut pulsiert geradezu durch jedes Leerzeichen.
    Laß nicht alles vergebene Liebesmühe gewesen sein und arbeite Dein Gedicht um, statt es irgendwie zu rechtfertigen.

    Lieben Gruß

    bet



  4. #4
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    Hallo dying_bride!
    Gefällt mir sehr gut dein Gedicht, habe lange darüber nachgedacht, und wieder gelesen. Sehr schön wie sich die Bilder aneinander reihen, bis Z4S2 ab dann gibt’s Bilder, die sich nicht mehr aneinander reihen lassen, irgend wie in Chaos verlaufen. Von dir gewollt nehme ich an.
    (Er nicht mehr, als ein dummes Stück Fleisch/Gedanken, die seine Pläne bestärken) hat er sich Geistig vom Irdischen gelöst, seinen Qualen, Ängsten und Verzweiflung ein Ende zu Bereiten. Bitte korrigier mich wenn ich es falsch sehe. Alles Liebe und Gute
    Gruss Elias
    Halte fest: Du hast vom Leben doch am Ende nur dich selbst.

  5. #5
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    @ träumerin: ich wollte deine kritik eigentlich nicht unbedingt rechtfertigen sondern irgendwie verstreuen aber du hast recht. ich werde sehen, was sich ändern lässt....

    @beteigeuze: danke für diese ausführliche erklärung, damit lässt sich viel machen. deine formuliereungen gefallen mir zwar (pardon) nicht aber man muss ja nicht schwarzes ross sagen sondern ein anderes wort. mal schauen. aber danke nochmal...

    @ elias: ja ich wollte irgendwie erreichen, dass man als leser ein wenig in den kopf von diesen völlig verpeilten jungen gucken kann und erkennt, dass er das ganze nicht mehr so wahrnimmt, wie es jeder andere sehen würde...

    so ich werde sehen, wie ichs geändert kriege und dann dürft/müsst/sollt *g ihr es bitte nochmal lesen
    gruß julia
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