1. #1
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    Leise prasseln die kleinen Wassertropfen auf den trockenen Boden. Auf Grund der langanhaltenden Hitze ist der Asphalt noch warm und heller Dampf steigt empor. Die Luft riecht frisch und sauber, doch die Vögel zwitschern nicht, sondern haben sich still in die schützenden Bäume verkrochen. Auch ist bei diesem Wetter kein Mensch unterwegs. Außer mir. Und noch jemand. Ich sehe das junge Mädchen auf der Bank am Bahnhof sitzen. Ihre braunen Haare sind nass und kleben in Strähnen auf ihrem eigentlich hübschen, herzförmigen Gesicht mit den vielen Sommerpsprossen.
    Ich kenne sie, denn sie sitzt jeden Tag hier. Jeden Tag auf der gleichen Bank und jeden Tag hat sie den gleichen abwesenden Blick. Immer starrt sie ins Leere und scheint sich nicht an ihrer Umgebung zu stören. Man könnte glauben sie nimmt die schreienden Schulkinder um die Mittagszeit gar nicht wahr und auch der Regen scheint ihr egal zu sein. Ihre Augen wirken gebrochen und man kann in ihnen keine Hoffnung sehen. Als wenn sie ihr Leben schon abgeschlossen hätte. Ich glaube ich und die Anderen können sich gar nicht vorstellen, was sie bereits durchgemacht hat. Ab und zu beobachte ich sie, aber es passiert nie viel. Nur ab und zu bewegt sie sich um sich eine Spritze zu setzen. Dann legt sich wieder ein halbwegs glückliches Lächeln auf ihr Gesicht, bevor ihr Ausdruck wieder erstarrt.
    Sie tut mir Leid, aber ich weiß nicht wie ich ihr helfen kann. Ich weiß nicht, ob ich sie einfach ansprechen soll. Ich weiß nicht wie ich sie in ein normales Leben führen kann und ich weiß nicht, ob ich es überhaupt schaffen würde ihr zu helfen. Diese Trostlosikgeit und Mutlosigkeit in ihrem Blick machen mir Angst. So ist es doch oft bei Menschen. Sie haben Angst, Angst vor dem Unbekannten oder vielleicht auch einfach die Angst zu versagen. Das Mädchen vom Bahnhof hat scheinbar keine Angst, doch sie hat auch nichts wovor sie Angst haben könnte. Sie ist ganz allein, denn ich sehe niemals Andere bei ihr. Aber vielleicht hat sie doch Angst. Denn viele Menschen haben Angst vor dem Alleinsein, ich auch, aber ich weiß, dass ich nicht allein bin, denn ich hab immer meine Freunde und meine Familie.
    Ich spüre die nassen Tropfen, die über meine Haare rinnen und vereinzelt auch auf meine Kopfhaut treffen oder in meinen Kragen fließen. Ich habe den Regen gar nicht mehr wahrgenommen, so war ich in Gedanken.
    Vielleicht denkt das Mädchen vom Bahnhof auch oft nach und scheint deshalb so abwesend. Aus was für einer Familie sie wohl stammt? Ob sie überhaupt noch eine hat? Sie ist wohl ungefähr in meinem Alter, aber sie hat ihr Leben weggeworfen und anscheinend keine Chance mehr.
    Ich streiche mir meine Haare aus dem Gesicht.
    Hat sie gerade eben einmal hochgeschaut? Zu mir? Nein bestimmt nicht. Jetzt setzt sie sich nur wieder eien Nadel an. Da mag ich ja gar nicht hinschauen. Nun wirkt sie wieder glücklicher, aber von ihrer Umgebung nimmt sie immer noch nichts wahr.
    Ich knete nervös meine Finger udn gehe einen Schritt vor. Zögernd bleibe ich wieder stehen und kaue auf meiner Unterlippe, wie so oft, wenn ich unsicher bin. Aber ihr muss doch geholfen werden! Man kann doch nicht so einfach zusehen, wie ein junges Mädchen nur noch auf den Tod wartet?!
    Ich nehme meinen Mut zusammen. Langsam gehe ich auf sie zu. Ich werde sie ansprechen, werde versuchen ihr zu helfen. Denn wer sonst wird es machen, wenn nicht ich? Viele gehen täglich an ihr vorbei und scheren sich nicht um ihr Schicksal. Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich häufig nicht besser war. Auch ich hab oft weggeschaut. Aber das hilft niemandem. Durch das Wegschauen wird die Situation nicht besser. Nein, ich werde nicht wie Andere sein, mir ist kein Menschenleben total egal, ich werde ihr helfen.
    Ich bin fast bei ihr, ich lächel und ich merke, dass ich ihr helfen kann, wenn ich nur will. Als ich vor ihr stehe, sieht sie auf und sieht mich an. "Du beobahtest mich schon so lange, ich habe mich gefragt wann du wohl kommst" Ihre Stimme ist leise und ich habe Mühe sie zu verstehen, aber sie redet. Es ist das erste Mal, dass ich sie reden höre. Wahrscheinlich, weil bisher nie jemand auf sie zugegangen ist. Ich lächel sie an und setze mich neben sie auf die Bank...

  2. #2
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    ey, wie gehts weiter?!?!

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