Religiöser Mythos sorgt für’s Herz
zu lindern den Daseinsschmerz.
Kontrahent Logos bemüht den Kopf,
auf dass klug werd’ mancher Tropf.

Doch Herz und Kopf gehören zusammen.
Ohne beide Organe ist man benommen.
Wenn der Kopf in’s Körbchen springt
das Herz kein langes Requiem singt.

Doch welcher Kopf kommt aus ohne Herz?
Es ist der Holzkopf, er kennt kein’ Schmerz.
Der Atheist glaubt glauben sei Mist,
weil er ein kaltkluger Holzkopf ist.

Hat er die Nase sich verbrannt
wird oft der Status umbenannt.
Und auf die Schnelle über Nacht
ein Agnostiker erfrischt erwacht.

Versengt er sich auch noch die Ohren
wird umgehend ein Deist geboren.
Rieseln dereinst die Sägespäne
ist das Kreuz eh nicht mehr ferne.

Wem Logos nicht mehr helfen kann,
der klopft letzlich beim Mythos an.
Dem lieben toten Gott wird auferladen
der längst verschmorte Lebensfaden.

Gott sei auferstanden, ist zu hoffen.
Sonst bliebe der Exitus leider offen,
und all die hehren Sinneswändel
verhiessen keinen Seelentändel.


[Geändert durch Peter Graedel am 18-06-2005 um 09:09]