1. #1
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    Mondlichtspielhaus

    Der volle Mond, ein Cineast, folgt deinem Spiel gebannt.
    Ein armes Licht im leeren Saal beleuchtet trüb die Nachtleinwand
    Die Kamera, erst nah bei dir, zoomt langsam nun heraus.
    Du bist der Star, die Sterne Fans: Willkommen im Mondlichtspielhaus!

    Die Vorstellung ist exklusiv, das Firmament dein Publikum.
    Aus allen Reihen funkeln Sternlein, ein strahlendes Panoptikum.
    Sie lechzen nach Action, großen Gefühlen und Dramaturgie.
    Vielleicht ein Stern im Walk of Fame, doch den Oscar kriegst du nie.

    Noch ertönt, bedrohlich in den Boxen dröhnend, leise Ambientmusik.
    Wer Horrostreifen kennt und liebt, der weiß, wie schnell solch Ruh verfliegt
    Denn jetzt stehst du im Rampenlicht, die Windmaschine wütet schon.
    Für dich beginnt der letzte Take, der Regisseur erhebt sein Megaphon.

    Action!

    Lauf, mein Mädchen, lauf!
    Böse Wölfe sind dir auf den Fersen
    Lauf, mein Küken, lauf!
    Ihr Speichel klebt an deinem Herzen
    Lauf, mein Kleines, lauf!
    Willst du schon wieder ihre Beute sein?
    Lauf, mein Herzchen, lauf!
    Sie heulen, sabbern, wetzen hinterdrein.

    Nur noch diese eine Szene, dann endlich hast du es geschafft.
    Du hetzt voran, dein Kostüm, das Seidenkleid, verkrampft empor gerafft.
    Die Tiere sprengen, Lefzen bleckend, über Moos und Untergrund.
    Schon einmal wurdest du geschnappt, der Plot nähert sich dem Höhepunkt.

    Da spürst du ihren Atem schon, heiß in deinem Nacken.
    Ihre Pranken reißen dich zu Boden, du schreist, die Sterne lachen
    Eine begnadete Aktrice, wer sich in seiner Rolle so verliert.
    Doch warum weinst du nun? Hast du das Drehbuch nicht studiert?

    Regenströme brechen nun herein, ein klassischer Spezialeffekt.
    Ein Wolf küsst lüstern deinen Hals, ein andrer übers Bein dir leckt.
    Dein Film floppt an den Kassen, ob den morgen noch wer kennt?
    Das Bild verschwimmt, weicht einer weißen Schrift, die sagt: The End.
    Ein Mensch schaut in der Straßenbahn
    der Reihe nach die Menschen an.
    Jäh ist er zum Verzicht bereit
    auf jede Art Unsterblichkeit.
    Eugen Roth

  2. #2
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    Ich finde es recht schoen,wie du das Leben darstellst.
    Die Herausforderung etwas darstellen zu wollen und die mitleidlose Ausnutzung der hingegebenen Energien.Die englischen Woerter dabei,machen es "modern" - zur heutigen Zeit passend.Sind wir nicht alle zu sehr vom "Konsum" gelenkt,um wirklich verstehen zu koennen,was wahres Geben und Nehmen inerhalb des grossen Mondlichtspielhauses bedeutet?Arbeite weiter.Ich glaube du hast viel zu sagen...
    Amrei-lyrics
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

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  3. #3
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    Es ist faszinierend und sehr schmeichelhaft, was du aus meinem Gedicht herausgelesen hast. Ursprünglich bestand meine Intention "nur" darin, eine Vergewaltigung respektive den kontinuierlichen Missbrauch eines verlorenen Mädchens zu verbildlichen. Deine sehr viel tiefgründigere Interpretation wertet meine Arbeit auf, ohne dass ich selbst daran teil habe... so besteht das Gedicht als erlebtes Kunstwerk immer aus zwei Seiten: der des Autors und der des Lesers.
    Ein Mensch schaut in der Straßenbahn
    der Reihe nach die Menschen an.
    Jäh ist er zum Verzicht bereit
    auf jede Art Unsterblichkeit.
    Eugen Roth

  4. #4
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    Pinky, Du bist bekanntlich ein guter Regisseur. Leider ist Dein Film bei den Festspielen noch nicht angemeldet. (Liegt wohl daran, dass das Drehbuch noch nicht fertig ist.) Wann gibt's die Karten im Vorverkauf? Ich brauche etwa 45 Stück.

    Liebe Grüße, nicki

    N.

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