Thema: Ausklang

  1. #1
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    Ausklang

    - der Hüterin zugeeignet -

    Lange bist du bereits fort
    - du, die nie hier gewesen
    und ich, gefangen im Wort,
    verharrte ungelesen

    Lange gehst du deinen Weg
    - er, der nie unserer war
    und ich, letztes Privileg,
    entsage nun der Gefahr

    Lange schweigen die Träume
    - sie, die wir (fast) nie gelebt
    und ich - trenne die Säume,
    verzehre, was verwebt

    Lange blickte ich durch jeden Spiegel zu dir
    Mein Blick fällt auf mich - du stehst nicht mehr hinter mir.



    kurushio, 18.06.2005

  2. #2
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    Hallo kurushio,
    Deine Zeilen hinterlassen eine traurige Stimmung.
    Ich habe sie mehrmals gelesen und in mich hineingehorcht, die Melancholie will nicht weichen. Es ist mir ein Rätsel, warum Du diese Rubrik gewählt hast. Läuft da etwas völlig an meinem Empfinden vorbei?
    Ich bin verwirrt und kann mich nicht weiter äußern. Möchte Dir lediglich hinterlassen, daß ich emotional beeindruckt bin und weiter grübel.

    Danke und lieben Gruß
    Herbstzeitlose
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  3. #3
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    Ich danke Euch.

    @Nomen: Die Zeiten, in denen das lyrische Ich sich (den) Fragen zum behandelten Thema gestellt hat, sind vorbei - und wenn etwas traurig daran ist, dann, daß kein Interesse mehr daran besteht, mit diesen Fragen zu hantieren.

    @HZL: Jaja, die Rubrik... In "Diverses" wäre es auch gut aufgehoben gewesen. Aber ein Gedicht, daß man in seinem Lieblingsbiergarten sitzend schreibt, die Sonne genießend, kann nicht in "Trauer und.." landen. Zumal Idee und Hintergrund schon Monate zurückliegen, und ich nur erst jetzt Zeit fand, etwas darüber zu schreiben.
    Ernsthaft - es ist eine Rückschau, ein Abschied von etwas, dessen Verlust so schleichend von sich ging, daß man den Moment, in dem man darum richtig trauern könnte, schon längst verpasst hat. Und dann hätte man so sehr getrauert, daß der Abschied nicht möglich gewesen wäre. Sicherlich melancholisch, aber im Blick auf das Hier und Jetzt hoffnungsvoll, weil es eigentlich von Befreiung spricht. Eine Trauer, über die man lächelt, wenn man ihre Bedeutung zu begreifen beginnt.

    Viele liebe Grüsse,
    kurushio

  4. #4
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    *schüchtern anklopf*


    Hi Kurushio,


    hieße es in S2V2 nicht besser
    - er, der nie der unsre war, ?
    Klänge besser, finde ich.


    Mit einem Kompliment im Lächeln,
    liebe Grüße,
    Anke

  5. #5
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    Danke für das Kompliment, und kein Grund zur Schüchternheit...

    Ja, die von Dir vorgeschlagene Variante habe ich auch lange in Betracht gezogen, aber das doppelte "der" hatte mir einen zu harten Klang für eine in meinem Lesefluss sanft ausklingende Zeile, und schafft eine kleine Pause, die mir nicht behagt - deswegen die jetzige Form. Ursprünglich wollte ich mit einem "gemeinsam" arbeiten, aber das wollte sich um's Verrecken nicht in die Zeilenlänge pressen lassen.

    Viele Grüsse,
    kurushio
    You know, wars aren’t kids - where you don’t have to pay attention to the youngest one because the older two will take care of it.
    - Jon Stewart

    Schwarze Gezeiten: heichaojing
    in Zusammenarbeit mit Lia: All Along the Watchtower
    (work in progress)

  6. #6
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    Hallo kuru,


    da gebe ich Dir Recht. Dennoch mag ich den Klang an der Stelle nicht. Dann vielleicht
    "- ihn, der niemals uns'rer war" ?
    Denn, augenzwinkernd, ein "ihn" statt "er" hätte ich noch anzubieten, die Grammatik behagte mir dann mehr.

    Aber jetzt hat mich auch der geistige Kolbenfresser erwischt, ab einer gewissen Außentemperatur verklumpt da was.


    Danke für ein schönes Gedicht und liebe Grüße
    Anke





    ("Gemeinsam" ist aber wirklich eine Herausforderung! Und lässt sich auch so gar nicht abkürzen. "ihn, der nie gemeinsam war"... hmmm )

  7. #7
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    Hallo kurushio!

    Es ist das erste Gedicht von Dir, das ich gelesen habe, und seine Stimmung und Idee gefällt mir gut.

    Ich kann sehr wohl die melancholische Hoffnung bzw. sogar Freude fühlen, über die ein solcher Moment des erkannten vergehens, besser vergangen seins, von tiefer Verbundenheit hinterläßt. Doch habe ich mit der Umsetzung einige Probleme, die ich Dir versuche im Folgenden zu verdeutlichen:

    Der Titel. Für mich ist es etwas Vergangenes. Das aber vermittlet der Titel nicht. Ausklang ist etwas gerade Passierendes, keine Rückschau. "Nachklang" oder Vergleichbares hätte mir besser gefallen. Überhaupt habe ich einige Schwierigkeiten, dem Inhalt richtig zu folgen, und ich scheine nicht der einzige gewesen zu sein, wenn ich die Kommentare lese. Ich glaube, es liegt an den Zeitwechseln. Wenn sie Absicht sind, so erkenn ich sie nicht richtig. Aber:

    Titel: G
    S1: V-V-V
    S2: G-V-G
    S3: G-V-G-G
    S4: V-G
    (G=Gegenwartshandlung, V=Vergangenes)
    Mir erscheint das zu willkürlich, zu ungeordnet und es bereitet beim Lesen die besagten Schwierigkeiten den Inhalt auszumachen.

    Ähnliches gilt für die
    Metrik:
    Gar nicht meine Stärke, also verzeih´, falls ich etwas falsch notiere.


    Lange bist du bereits fort (XxXxXxX)
    - du, die nie hier gewesen (-XXxXxXx)
    und ich, gefangen im Wort, (xXxXxxX) [es ist zu schwer, es anders zu lesen]
    verharrte ungelesen (xXxXxXx)

    Lange gehst du deinen Weg (XxXxXxX)
    - er, der nie unserer war (-XXxXxxX, sogar der natürlichen Betonung folgend –XXXXxxX)
    und ich, letztes Privileg, (xXXxXxX)
    entsage nun der Gefahr (xXxXxxX)

    Lange schweigen die Träume (XxXxxXx)
    - sie, die wir (fast) nie gelebt (-XXx(X)xxX, oder auch –XxX(x)XxX, oder auch (natürlich): -XXXXXxX
    und ich - trenne die Säume, (xX-XxxXx)
    verzehre, was verwebt (xXxXxX)

    Ganz gelinde ausgedrückt: Ich versteh´s nicht,
    Zumal ein „–er, der nie gemeinsam war (-XxXxXxX)“ sogar vielleicht noch besser passen würde – insgesamt gesehen. Was auch therzis beiden Vorschlägen entspräche, womit diese jedoch dann obsolet wären: Exemplarisch der zweite: „ihn, der niemals uns´rer war (-XxXxXxX).

    So, das war ganz schön viel Gemeckere für ein Gedicht, das mir eigentlich gut gefällt.

    Bin gespannt auf Deine Retourekutsche.

    Schönen Gruß

    bet

  8. #8
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    er, der niemals unser war?
    er, der nie uns eigen war?
    er, der uns nie eigen war?

    ...so auf die Schnelle (es gibt bestimmt noch mehr), aber vielleicht suchst du ja gar nicht mehr?

    dete
    Cavete-Late-Night-Lesen, die Lesebühne in Marburg an der Lahn, immer am ersten Mitwoch des Monats.
    Wer bei uns auftreten möchte melde sich mit Textprobe per e-mail bei mir.

    Gesammelte Werke

  9. #9
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    das gedicht gefällt mir inhaltlich sehr, besonders nachdem man noch deine kommentare gelesen hat. der schlss berührt mit dieser art "gefassten trauer", die in eine neue richtung geht.
    metrisch kann ich mich aber ebenfalls nicht anfreunden, bzw. keinen sinn für die holprigkeiten entdecken, die das gedicht in seiner aussage irgendwie unterstützen könnten.
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

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