Thema: Nekrophilie

  1. #1
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    Tiefdunkel war deine Todestrauer
    Dein von nun an ewiger Eichensarg
    Fährt hinab in der kalten Erde Mark
    Sitze neugierig auf der Friedhofmauer

    Einst geboren um zu früh zu sterben
    Deine Schönheit blüht im Tode auf
    Verwesung nimmt langsam ihren Lauf
    Als Leiche will ich um dich werben

    Einsam ist dein Grab nach Stunden
    Die Schaufel in meiner bleichen Hand
    Nein, ich tue keine gottlose Schand
    Will nochmals sehen deine Wunden

    Jede Schaufel voll nasser Friedhoferde
    Näher bringt mich zu meiner Begierde
    Mit jedem Stich wächst meine Würde
    Dass ich meinem Ziel nahe sein werde

    Der Deckel ist schnell abgenommen
    Deine Schönheit wird bald zersetzt
    Die Lust in meinem Körper wächst
    Kein anderer soll dich nun bekommen

    Wie viel Magie steckt in dem Augenblick
    Feuchte Momente voll Glück und Lust
    Auf des Sarges Deckel liegen wir verschmust
    Lege willenlosen Hände um mein Genick

    Den Grundstein für Leben setze ich in dir
    Er möge sterben genau wie meine Liebe
    Komme in dir zu besänftigen meine Triebe
    Die Schönheit der Leichen ist eine Zier

    Bevor der neue Tag wird langsam geboren
    Bette ich deinen Körper so voll mit Leben
    Ein wenig von der Erde bleibt an mir kleben
    Bald komme ich wieder, wie geschworen
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


  2. #2
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    hallo starlight,
    ich finde dein idee ja richtig gut. hab bis jetzt noch nicht vile gedichte über totenliebe gelesen, hat mich beeindruckt... du hast auch schön melodisch geschrienen, wo ich aber der meinung bin, dass der unsaubere reim
    "Näher bringt mich zu meiner Begierde
    Mit jedem Stich wächst meine Würde"
    nicht so gut gewählt ist... vom ausdruck und vom sinn her ist das einw enig merkwürdig, denn sinkt die würde nicht eigentlich, wenn man sich eine leiche freischaufelt um sich an ihr nochmal zu vergehen. mir fällt so spontan kein besseres reimwort ein, damit das ganze fließender klingt aber ich rate dir wirklich dieses stück nochmal zu überarbeiten. es kann nur was gutes bei rauskommen.
    gruß julia
    Nach Leben lechzend seh ich mich
    und bin hier selbst der ohne Wahl,
    Gedanken sind so weinerlich,
    den Tod zu leben ist die Qual
    Lebend lechzend Herzgeflüster by Dornenreich



    So Sei Es...........

  3. #3
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    Sei gegruesst dying_bride.

    Erstmals vielen Dank fuer deine Kritik an meinem Gedicht. Ueber die Unpassendheit des unreimen Reimes bin ich mir voll im Klaren und ich werde auch unabhaengig von deinem Tipp nochmals daran zu arbeiten, es noch zu verbessern versuchen.

    Jede Schaufel voll nasser Friedhoferde
    Nimmt ein wenig deiner schweren Bürde
    Mit jedem Stich wächst meine Würde
    Dass ich meinem Ziel nahe sein werde


    waere wohl ein Vorschlag oder:

    Jede Schaufel voll nasser Friedhoferde
    Näher bringt mich zu meiner Begierde
    Freude, stoße auf deines Sarges Zierde
    Dass ich meinem Ziel nahe sein werde


    waere ein anderer Vorschlag.

    Ich gebe zu, der Ausdruck "Wuerde" ist in diesem Fall wohl ein wenig seltsam gewaehlt, aber gehe doch mal davon aus, dass du ein Nekorphiler bist. Du wuerdest wohl nicht denken, dass deine Wuerde sinkt, nur weil du etwas nachgehst, das du liebst.

    Silver Starlight
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


  4. #4
    apple Guest
    Hallo silver starlight,
    meines Erachtens liest sich Dein Stück an einigen Stellen etwas beschwerlich.

    Zudem ergeben sich für mich dringliche Fragen:

    Ursprünglich eingetragen von Silver Starlight
    Tiefdunkel war deine Todestrauer
    Diese Formulierung ist etwas ungeschickt meiner Ansicht nach: Wie kann man als Sterbender oder gar als Toter seinen eigenen Tod schon oder noch betrauern? Höchstens kann man sein Ableben nahen sehen und sich vor dem Tod fürchten - ihn als Betroffener jedoch zu betrauern ist nicht möglich.


    Ursprünglich eingetragen von Silver Starlight
    Einst geboren um zu früh zu sterben
    Deine Schönheit blüht im Tode auf
    Der Reiz für nekrophil veranlagte Personen liegt in der Leblosigkeit und somit gleichsam in der Willenlosigkeit des Körpers. Warum also bemerkt das lyr. Ich hier, daß das Opfer "zu früh" gestorben sei?

    Ursprünglich eingetragen von Silver Starlight
    Will nochmals sehen deine Wunden
    Wie kommt es zu den Wunden? Von einem nicht natürlichen Tod ist bisher nicht die Rede gewesen und nach der Dauer von einigen Stunden sind keine Verwesungsmerkmale zu erwarten.



    Liebe Grüße
    apple

    [Geändert durch apple am 21-06-2005 um 01:36]

  5. #5
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    Hallo apple.

    Als Erstes erntest du meinen Dank, denn du bist eine(r) der wenigen, die meinen Nickname ausschreiben und ihn nicht nur auf "Silver" verkuerzen

    Kannst du mir vielleicht die Stellen nennen, an denen sich mein Gedicht fuer dich beschwerlich liest? Es mag sein, dass ich meine eigene Leseart entwickelt habe, aber ich komme beim Lesen eigentlich nicht gross ins Humpeln.

    Gut, ich will versuchen, deine Fragen zu klaeren, auch wenn du mich mit der einen oder anderen etwas in Bedraengnis brinst.

    "Tiefdunkel war deine Todestrauer"
    -nun, im Zusammenhang mit der letzten Zeile der ersten Strophe (" Sitze neugierig auf der Friedhofmauer" wollte ich darauf anspielen, dass der lyrische Protagonist bei der Beerdigung zusieht und die Stimmung der Leute wiedergibt)

    Einst geboren um zu früh zu sterben
    -auch hier greife ich auf die Anspielung auf das Beisein bei der Beerdigung

    Will nochmals sehen deine Wunden
    -zugegeben, dazu faellt mir kein Rechtfertigungsgrund ein.

    Ich hoffe, ich konnte alles zu deiner (un)Zufriedenheit beantworten.

    Silver Starlight
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


  6. #6
    apple Guest
    Hallöchen Silver
    Starlight,

    vielen Dank für Deine Rückmeldung und Deine Erklärungen. Entschuldige, dass ich die Stellen nicht gleich genannt habe - das ist mir wohl durchgegangen. Eine Stelle hat dying_bride bereits benannt, ansonsten meine ich diese

    "Die Schaufel in meiner bleichen Hand
    Nein, ich tue keine gottlose Schand"

    Mir stößt hier das "nein" in Verbindung mit dem Komma ein wenig auf, da ich mich hier durch eine Lesepause immer selbst ausbremse. Aber das kann auch an mir liegen.

    Du hast ein außergwöhnliches Thema gewählt, jedoch meines Erachtens gut umgesetzt.

    Liebe Grüße
    apple, die


    [Geändert durch apple am 22-06-2005 um 22:06]

  7. #7
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    Nabend Silver Starlight!

    Ein außergewöhliches Thema, dessen Heranwagung deinerseits sich mehr als gelohnt hat! Will heißen, ausgezeichnet zu "Papier" gebracht!
    Für mich persönlich lässt ein gutes Gedicht dich die Dinge aus Sicht des Protagonisten, bzw. der lyr. Person, sehen.
    Du schaffst es, dass man die Gedankengänge des Nekrophilen
    "nachvollziehen" kann, indem du aus seiner Sicht beschreibst, welche Wonne er dabei empfindet, seine Beweggründe darlegst mit schönen Worten und positiven Empfindungen. Das schaffst du vor allem in den Strophen 5, 6 und 7.
    Ich sollte wohl noch darum bitten mich nicht falsch zu deuten wegen des "Nachvollziehen können des Nekrophilen".
    Das soll nicht heißen, dass ich mich mit Nekrophilie anfreunden oder nekrophile Menschen verstehen kann, Gott bewahre! Ich wollte lediglich sagen, dass du es schaffst, dass man sich in den Protagonisten hineinzuversetzen, auf eine distanzierte Art. Das im Zusammenhang mit dem Thema ist nicht leicht hinzukriegen, also mein Kompliment ab dich!

    Eine kleine Sache muss ich aber doch kritisieren, und zwar gebe ich apple recht, durch das "nein" in Verbindung mit dem Komma stolpere auch ich ein kleines bisschen über die Zeile.


    Liebe Grüße
    The Eldar
    "Oh Captain, mein Captain!"

    "Alles, was geschieht, geschieht.
    Alles, was sich selbst im Zuge seines Geschehens erneut geschehen lässt, geschieht erneut.
    Alles, was während seines Geschehens etwas anderes geschehen lässt, lässt etwas anderes geschehen.
    Allerdings tut es das nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge."
    - "Per Anhalter durch die Galaxis" - Douglas Adams

  8. #8
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    TheEldar:
    Nun, das Gedicht in seiner Reinform steht ja immerhin tatsaechlich auf Papier, nur wuerde meine unleserliche Schrift hier keiner lesen koennen *kleiner Scherz am Rande*.
    Danke dir fuer dein Statement zu meinem Gedicht. Ich habe mich bewusst an ein aussergewoehnliches und teilweise auch provokatives Thema herangetraut, weil ich der Ansicht war, dass es gerade im "Duester und Traurig"-Bereich meistens nur das Selbe zu lesen gibt. Sicherlich habe ich in meiner Vergangenheit auch Gedichte ueber gefallene Engel oder Daemonen geschrieben (und ich ueber diese Themen schreibe ich immer noch) aber hier dreht sich jedes zweite Gedicht ueber ein solches Thema, sodass ich mal etwas anderes machen wollte. Ausserdem will ich damit ein wenig provozieren und sehen, wie die Leser darauf reagieren.

    Ich bin auch bei weitem kein Mensch, der sich mit Nekrophilen anfreunden oder identifizieren kann, aber es war eine interessante Erfahrung, den Gedankengaengen eines solchen Menschen zu folgen zu versuchen. Und wenn ich deinnen Kommentar so lese, glaube ich, dass es mir in den Strophen 5,6 und 7 wohl bestens gelungen ist.

    apple & TheEldar:
    Ich werde diese eine Zeile nochmals ueberdenken, habt vielen Dank, dass Ihr mich darauf aufmerksam gemacht habt.


    Ps.: Der User, der mir eine E-Mail geschrieben hat (aus der E-Mail-Adresse kann ich leider keine Rueckschluesse auf den evtl. Nickname schliessen) und mich wegen dem Gedich "ein krankes Schwein" genannt hat, darf sich ruhig hier in der Oeffentlichkeit an mich wenden).


    Silver Starlight
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


  9. #9
    apple Guest
    Hallo Silver Starlight,
    kein Dank - das Lesen hat Spaß gemacht

    Die Abwechselung ist Dir gelungen.

    Liebe Grüße
    apple
    P.s.: Wende dich bezüglich der Email doch an die Mods, vielleicht können sie das abgegleichen?

  10. #10
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    apple:
    Mir macht es nichts aus, als "krank" bezeichnet zu werden, aber ich kann es nicht abhaben, wenn sich die Leute nur im Schutze der "Anonymitaet" trauen mir die Meinung zu sagen. Vor was haben sie Angst? Dass ich unter ihre Gedichte schreibe, dass ich sie mies finde?
    Hab demjenigen einfach zurueck geschrieben, will den Mods ja auch keine zusaetzliche (und vielleicht unangenehme) Arbeit bereiten.

    Gute Nacht
    Silver Starlight
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


  11. #11
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    *sich grade an den Reimen aufhängt* keine zweideutigen Gedanken bitte

    auf-Lauf... nicht sonderlich orginell, tut einem so soliden Werk eigentlich abbruch.
    Und sehr viele schmutzige Reime... falls das ein Stilmittel war, um dem ganzen eine Note des Verdorbenen, Schmutzigen zu verleihen hab ich sie leider falsch ausgelegt Ich bin von den Reimen nicht so begeistert, der Rest ist dafür wirklich gut.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  12. #12
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    Ich stelle mir wirklich gerade bildlich vor, wie du dich an meinen Reimen aufhaengst, Demon_Wolf

    Du hattest meine Absicht hinter den teils "schmutzigen" Reimen ganz gut erfasst, ich wollte sie als kleines Stilmittelchen einsetzen.

    Es freut mich allerdings zu lesen, dass dir der Rest des Gedichtes gefaellt.

    Silver Starlight.
    Um durch die Welt zu kommen, ist es zweckmäßig, einen großen Vorrat von Vorsicht und Nachsicht mitzunehmen.

    Arthur Schopenhauer


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