Thema: Als es begann

  1. #1
    Registriert seit
    Mar 2005
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    111
    Als es begann


    Als die Angst kam
    warst du unvorbereitet
    hattest erlebt
    aber nie gelebt
    und deinen Tritt noch nicht gefunden.

    Als der Schmerz kam
    warst du schutzlos
    hattest besehen
    aber nie gesehen
    was auf der Welt dich heilen kann.

    Als die Traene kam
    warst du einladend
    hattest genutzt
    aber nie gestuzt
    als du sie nicht mehr loswurdest.

    Als das Messer kam
    warst du machtlos
    hattest zugegriffen
    aber nie begriffen
    dass eine Feder mehr geholfen haette.

    Als der Tod kam
    warst du froh darum
    hast nie gesucht
    und nie gefunden
    das Leben.

    ____________________________________

    hmm... hatte eigentlich erwartet ein paar Proteste bezueglich des Inhalts zu hoeren
    Aber da scheint wohl ein Teil der Leser nicht aufmerksam genug gewesen zu sein, oder aber die Umsetzung ist einfach zu schlecht.

    [Geändert durch ..... am 20-06-2005 um 16:00]

  2. #2
    Registriert seit
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    Beiträge
    244
    Hallo .....

    Ein insgesamt noch etwas unausgegorenes Gedicht, vielleicht hat es ja deshalb bisher noch niemand kommentiert....
    Ich versuche mich mal wieder von der Geschichte her zu nähern, die mir dieses Gedicht erzählen will: Die Geschichte eines gescheiterten Lebens:
    Die Vorgeschichte des lyrischen Ich's wird nur ganz kurz angeschnitten (S1 Z3+4): Es war bisher schon nicht gerade sicher im Leben unterwegs und wird nun von einer nicht näher spezifizierten Angst völlig aus der Bahn geworfen, weil es bisher die Chance noch nicht genutzt hatte, einen festen Schritt zu finden, dem die Angst nichts mehr anhaben könnte.
    In der zweiten Strophe kommt dann der Schmerz. Ob ein weiterer Zusammenhang zwischen der Angst und dem Schmerz besteht, außer dass der Schmerz wohl eine Steigerung der Angst ist, wird nicht klar. Jedenfalls war das lyrische Ich dem Schmerz schutzlos ausgeliefert, warum erfährt der Leser leider nicht. Du versuchst zwar eine Erklärung zu liefern, dies gelingt dir aber nicht, weil diese Erklärung in sich unlogisch ist:
    1)
    hattest besehen
    aber nie gesehen
    Macht keinen Sinn, denn was man besehen hat, hat man automatisch auch gesehen! Wenn du die beiden Wort vertauschst macht das ganze Sinn, denn man kann etwas sehen, ohne es (näher) zu besehen.
    2)
    was auf der Welt dich heilen kann.
    Soll eigentlich die Begründung liefern, warum das lyrische Ich dem Schmerz schutzlos ausgeliefert ist. Aber selbst wenn man weiß, wie man etwas heilen kann, so schützt es einen doch nicht unbedingt davor es zu bekommen. [So bringt beispielsweise das beste Pflaster nichts, um dich vor Schrammen zu bewahren, du kannst die Schramme erst mit dem Pflaster behandeln, wenn du sie schon hast].
    Die nächste Strophe passt wieder sehr schön in die logische Abfolge: Nach dem Schmerz kommt die Träne, die das lyrische Ich gerne annimmt, weil es die Schmerzen lindert. Dadurch bekämpft es aber natürlich nicht den Grund der Schmerzen und damit die Schmerzen selbst, weshalb es immer weiter weinen muss um die Schmerzen zu betäuben, worüber es sich allerdings nicht wundert und auch nichts dagegen unternimmt.
    Dann kommt die vierte Strophe. Sie passt nur von der Form her zum bisherigen Gedicht. Die Idee ist, keine Frage, zwar schon relativ alt ["Die Feder ist stärker als das Schwert"], aber wenigstens ein wenig originell umgesetzt, indem es um ein Messer geht und das lyrische Ich eben gerade nicht versteht oder bemerkt, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert. Allerdings stört mich die Strophe in diesem Gedicht, da dass Messer keine Steigerung der Träne ist und somit nicht in den bisher relativ logischen Aufbau und Zusammenhang passt. Nimm diese Strophe raus und mach ein eigenes Gedicht daraus!
    Die letzte Strophe bietet einen guten Abschluss des Gedichtes, da man den Tod als finales Ende allen Seins und damit auch des Lebens, das in dem Gedicht beschrieben wird, ansehen kann. Allerdings fehlt hier wieder eine schlüssige Begründung, warum sich das lyrische Ich über den Tod freut... dass es das Leben nie gesucht und gefunden hat wird bei dir hier noch irgendwie eingefügt, ohne dass du klar genug machst, dass hierin der Grund der Freude über den Tod liegt: Das lyrische Ich hat nie richtig gelebt, also freut es sich über den Tod? Dies mag als Begründung durchgehen, richtig überzeugen kann sie mich allerdings nicht. Nur weil man nicht lebt freut man sich ja nicht automatisch über den Tod. Er mag einem egal sein, aber warum sollte Freude aufkommen? Dies kann meiner Meinung nach erst der Fall sein, wenn das Leben so schrecklich ist, dass der Tod eine Erlösung ist, über die man sich freut und das kommt ganz klar zu wenig raus!
    Mein Tipp an dich wäre also "gesehen" und "besehen" zu vertauschen, die vierte Strophe komplett herauszunehmen und das gesamte Gedicht noch einmal zu überarbeiten (so dass der Sinn klarer wird) und es dann noch einmal dem Urteil der Leser zu stellen. Denn den immer gleichen Aufbau mit der Steigerung in der Thematik finde ich sehr interessant und in Ansätzen schon gut herausgearbeitet, jetzt fehlt noch so der letzte Schliff, um das Gedicht zu vollenden.

    viele Grüße
    thamis
    Geändert von thamis (30.10.2006 um 02:41 Uhr)
    Do you need to see to believe? Believe and you will see!

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