Lucifer



Wissen Sie, ich bin ein wahrhaft hervorragender Schauspieler.
Ich bin sogar dergestalt genial, dass ich es selbst nicht bemerke: Ich bin ein Lügner.
Ich belüge meine Umwelt und ich belüge mich selbst,
dabei frage ich mich nicht selten, wem ich mehr Schaden zufüge:
dem, dem ich weismache, dass es mir hervorragend geht, oder vielleicht doch eher dem, dem ich weismache, dass es ihm hervorragend schlecht ergeht.

*

Ich führte ein facettenreiches Leben in einer sinnleeren Welt,
erschaffen aus einem Chaos,
in dessen Ordnung ich nicht hineinpasste.
Ich fand keinen Zugang zu dieser Welt, ich drückte mich vor ihr;
Allein, in meiner Rationalität fühlte ich mich wohl!

*

Gott hasst mich!, erwiderte ich nicht selten, er hasste mich von jenem Tage an,
an dem er mich erschaffen hat;
Und ich sollte es spüren:
Und spüre ich es, ohne dass es jemand bemerkt? Ist dies sein Wille?
Was hiervon ist Wahrheit, was Scheideweg?

*

Dies nun ist ein von Amöben gezüchtetes Universum.
Was ich zu beschreiben suche, ist nicht die Zeit, es ist das
SEIN
Verrücktsein,
vermochte ein Thebaner zu sagen pflegen.

*

Als ich heute am morgen erwachte, befiehl es mich geflissentlich danach zu streben,
mich zu besudeln.
Nicht mit Dreck. Mit Menschenschweiß.
Atmen wollte ich - ihn einfach nur atmen.
Doch zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass mir das Atmen gefiel.
Saß ich nicht in meinem stolzen Palast und hatte sie eigentlich verdammen wollen? -
Diese rotbackigen Paviane an ihren stinkenden Höhlen;
ihren verrußten Türmen; ihren dröhnenden Straßen.

*

Ich war heimgekehrt in die Sehnsucht nach der Stadt.
Soll ich mich ekeln vor mir selbst,
so stinke ich doch wonniglich nach Menschenfleisch.