1. #1
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    Ich mal mit meinen Tränen
    Ein Bild aufs Taschentuch.
    Doch würd ich’s nie erwähnen,
    das ist des Stolzes Fluch.
    Er leimt an meinem Handeln fest.
    Ich werde ihn nicht los.
    Und trag zum Müll den Tränenrest.
    Sonst stellt er mich noch bloß.


    Mein Atem ist aus Trauer.
    Er bebt und seufzt sie raus.
    Mein Schweigen, eine Mauer,
    bringt keinen Laut heraus.
    Wie soll ich je das Heute sehn?
    Mein Stolz verbirgt die Sicht.
    Wie oft werd ich zum Müll noch gehn?
    Mein Zustand hebt sich nicht.


    Ich sitz mit meinem Hintern
    auf unserm Gestern drauf.
    Und weine nur ganz intern,
    das ist der Feigheit Lauf.
    Es keimt aus meinem Händedruck
    die Müdigkeit hervor.
    Die Sehnsucht schreit, es fehlt der Ruck.
    Ich spuck mir selbst ins Ohr.

    [Geändert durch Füllertintentanz am 20-06-2005 um 08:42]
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  2. #2
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    Ist alles schön. Gefällt mir. Alles ist gleichmäßig und es gibt keine erzwungenen reime. Na ja, außer an einer stelle. das verstehe ich nicht ganz:

    Ich sitz mit meinem Hintern
    ...
    Und weine nur ganz intern,
    ...

    Das verstehe ich nicht so ganz. Aber sonst gefällt es mir.
    "No!" said Margo. "You have only
    lived next door
    for fifty years."
    "Sixty," said Mitchell.
    "Fifty, sixty. What's the difference?"
    said Margo. "I want you to stay
    next door forever."


    Feel my heart is breaking
    Think I lose my head
    Singing all the love songs
    Never go to bed

  3. #3
    Registriert seit
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    Hallo GirlFromMars
    das habe ich ungefähr so gemeint:
    Dir wird zwar bewusst, dass dein Blick nie das Heute erreichen kann, weil dein Hinterteil noch viel zu sehr auf der Vergangenheit hockt, doch deine Tränen weinst du ganz für dich alleine. Ganz privat, ganz einsam, - ganz intern. Niemand soll merken, wie schlecht es dir geht. Daher auch die etwas ungewöhnliche letzte Zeile. "Ich spuck mir selbst ins Ohr"... Was ja rein technisch gar nicht möglich ist. Es sollte von der Aussage so ähnlich sein, wie sich dir Ohren zu halten... Mit dem Unterschied, dass es nicht machbar sein sollte. Denn man kann sein Gehör nicht seiner Sehnucht verschließen.
    So ungefähr waren meine Gedanken.
    Gruß, Sandra
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  4. #4
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    Hallo Nina,

    es stimmt, das die letzte Strophe keine neuen "Aspekte" bringt, doch dafür enthält sie eine gesunde Portion Selbstironie. Mir persönlich ist gerade die letzte Zeile ganz besonders wichtig. Ich empfinde sie als gelungenen Abschluss. Auch finde ich den Reim von "Hintern und intern" absolut in Ordnung. Sowohl vom Klang her als auch inhaltlich.

    Liebe Grüße, Sandra
    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
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