Sein Name war Jake, und er ist tot.

Lizbeth Maine, 22 Jahre, Büroangestellte, wohnhaft in London.
Sie ist langweilig, wie alle dieser Gattung.
So langweilig wie sie ist auch ihr Leben.
Doch das soll sich demnächst ändern, auch wenn Liz – so wird sie von allen genannt – noch nichts davon weiß und es auch bestimmt nicht gutheißen würde. Man kann sagen, alles beginnt mit dem 22. September dieses Jahres, also heute. Es beginnt um 12.22, also jetzt. Die Zahl 22 wird uns noch öfter begegnen, was entweder reiner Zufall sein mag, oder Schicksal. 22 ist Liz’ Lieblingszahl und da sie auf ihre langweilige Art auch leicht verquer und abergläubisch ist, achtet sie bei jeder 22, die ihr über den Weg läuft auf Besonderheiten.
So auch heute.
Mittagspause.
Liz langweilt sich, wie es ihre Art ist und sitzt in einem Londoner Café an der 22 Clay Street. Londons Caféhäuser sollen ja außerordentlich gut sein. Sie sitzt auf einem alten Londoner Stuhl und trinkt echten Londoner Kaffee, wie man es in einem guten Café jeden Tag und überall sieht. Aber diese Frau ist etwas Besonderes. Nicht weil sie hübsch ist, nein, Liz ist wahrlich keine Schönheit mit ihrer zu großen Kartoffelnase, ihren langen, hageren Beinen und ihrem pingelig genau zurechtgemachtem Dutt. Sie ist besonders aufgrund der Ereignisse.
So besonders wie sie ist auch ihr Kaffee.
Der Dienst habende Kellner leidet zur Zeit unter erheblichen Schlafproblemen. Seine Frau hat ihn betrogen und ist dabei auch mit Drogen in Berührung gekommen. Heute morgen bekam er einen Brief, in dem man ihm mitteilte, dass seine Frau das Kaninchen und das Sorgerrecht für die 3 Kinder wolle. Um seine Arbeit gut verrichten zu können, nimmt er also regelmäßig Beruhigungsmittel. Dieses hilfreiche Pulverchen ist nun aber versehentlich in Liz’ Kaffeetasse gelandet, wie, das konnte mir auch niemand erklären. Falls ich etwas Neues erfahre, lasse ich es sie wissen.
Um zum eigentlichen Thema zurückzugelangen, Liz trinkt den Kaffee und man merkt schon von Weitem, wie sie leicht anfängt zu schwanken. Ein merkwürdiger Anblick bei dieser sonst so steifen Person. Sie geht auf die Straße zu. Weitere Einzelheiten kann man sich im Moment sparen, interessant ist es erst wieder bei Liz zu Hause. Sie geht die Treppen hinauf, nicht ohne sich am Geländer festzuklammern. Sie wirkt dabei wie ein verzweifeltes Äffchen, das sich mit seinen langen, dürren Fingern am Holz festkrallt. Keuchend im 6. Stock angekommen – der Aufzug ist defekt – trifft sie auf Fremde. Und nicht nur auf einen, sondern gleich auf mehrere. Sie reden wild durcheinander. Liz bekommt das alles kaum noch mit, es war doch etwas zu viel Beruhigungsmittel für solch ein „zartes“ Persönchen. Mitten auf dem Gang und inmitten der Leute übergibt sich Liz. Sie hat schon als Kind Arznei nicht vertragen und wurde im Kindergarten deswegen immer ausgelacht, weil sie sich ständig übergeben hat. Immer stank sie. Nun ist es anders, Liz benutzt Rosenparfüm.
Aber ich merke, ich schweife schon wieder ab.
Einige Minuten später geht es Liz schon wieder besser. Die Wirkung des Mittels verfliegt und sie nimmt wieder wahr, was um sie herum geschieht. Um sie herum kann man Getuschel hören, es wird über Liz geredet. Ein Mann zeigt mit dem Finger auf sie: „Das ist sie!“
Der Mann, ein Afrikaner, spricht er mit Dialekt und Liz hat Schwierigkeiten ihm zu folgen. Um es für sie, liebe Zuhörer, ein wenig zu erleichtern, gebe ich den Dialog in eigenen Worten wieder.
Liz ist trotz ihrer Benommenheit mit dem Auto nach Hause gefahren. Durch ihre eingeschränkte Sehkraft – Liz ist Brillenträgerin, hat ihre Brille aber im Café vergessen – und ihr logischerweise eingeschränktes Bewusstsein übersah sie die Radarfalle und fuhr mit 120 durch eine 60er Zone in der 22 Crimson Street - da 22 ja etwas Besonderes ist.
So etwas ist mir auch schon einmal passiert, aber ich habe nur eine saftige Geldstrafe bekommen.
Durch diese Raserei fuhr sie einen Passanten an, der noch an der Unfallstelle verstarb. Die Polizei hat nun mittels des Foto der Radarfalle Liz ausfindig gemacht und zu Hause nach ihr gesucht.
Autounfall mit tödlichen Folgen und dazu noch Fahrerflucht, wer hätte Liz so etwas zugetraut.
Zurück zum Afrikaner. Am Ende der Geschichte ist Liz geschockt. Verzweifelt fragt sie: „Wer? Wem hab ich das angetan?“
„Sein Name war Jake, und er ist tot.“

Was die Polizei und auch Liz nicht weiß, ich war Jake und Liz ist meine Schwester, sie kannte mich nicht und ich wollte sie doch nur besuchen. Ich scheine ihr ja sehr unsympathisch gewesen zu sein.




Ich muss dazu erwähnen, die einzigen kurzgeschichten, die ich bisher kennengelernt habe, waren die, die wir im unterricht behandelt haben. von daher bitte ich sprachliche mängel oder ungereimtheiten mit einer mir nicht bekannten kurzgeschichten "regel" zu entschuldigen.
eine besondere moral oder ähnliches hat die geschichte nicht, auch intrepretation habe ich mir keine zurechtgelegt, sie war aus meiner sicht eher zeitvertreib um kurz zu "schmökern". falls also jmd dinge interpretieren will, es sei ihm freigestellt ^^

[Geändert durch Nocturn am 21-06-2005 um 20:40]