1. #1
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    Tausend Mal die gleichen Fragen.
    Und man hört, sie spricht kein Wort.
    Wie so oft scheint sie erhaben,
    träumt sich in Gedanken fort.
    Und es zieht sie in die Ferne,
    wo sie zählte einst die Sterne.


    Und sie sieht vor ihrem Geiste,
    noch das Bild der ersten Nacht.
    Doch die Decke längst verwaiste,
    die sie damals mitgebracht.
    Wasser schwappte um die Klippen.
    Salz umhüllte ihre Lippen.


    Und sie küsste ihren Lieben,
    windliebkost im warmen Sand.
    Nur dies Traumbild ist geblieben.
    Es hielt selbst den Tränen stand.
    Dünengräser tanzten leise.
    Wolken malten Himmelskreise.


    Doch der Mann den sie begehrte,
    war Papa und nicht mehr frei.
    Ihr Gewissen streng belehrte:
    „Lasst euch los. Es ist vorbei.“
    Möwen kreischten auf den Wellen.
    Hoffnung wollte nicht zerschellen.


    Und so lag er engumschlungen,
    Hand in Hand in ihrem Schoss.
    Und er sprach mit Engelszungen,
    seine Lebensliebe groß.
    Schwäne schwammen auf dem Meere.
    Augen blickten scheu ins Leere.


    Doch sie wollte so gern glauben,
    was er küssend ihr versprach.
    Ließ sich Kopf und Sinne rauben,
    noch bevor die Nacht einbrach.
    Wellen trugen Schaumgischtkleider.
    Taghell wich dem Dunkel leider.


    Hoffnung weinte. Und sie bangte.
    Fragte, wie es weiter geht.
    Glaubte an ihn. Nein! Sie schwankte.
    Zeit verflog. Es war schon spät.
    Nebelschleier kam gekrochen.
    Sich zu lieben wurd versprochen.


    Und sie spürten Pläne machend,
    dass es Schicksalsfügung war.
    Malten Zukunftsbilder lachend.
    Sahen sich als glücklich Paar.
    Grillen zirpten Geigenlieder.
    Taggeschehen legt sich nieder.


    Und sie küssten sich vereinend.
    Herz an Herz die ganze Nacht.
    Glück vom Himmel Gold bescheinend.
    Thronend weiser Mond hielt Wacht.
    Morgentau den Strandsand kühlte.
    Leichtigkeit sie in sich fühlte.


    Wiegenlied der Nacht verstummte.
    Dämmerwende brachte Licht.
    Seelenschwere sie vermummte.
    Abschied wollten beide nicht.
    Nasser Boden an den Zehen.
    Spuren würden bald vergehen.


    Und die Becher, die sie leerten
    Weinberandet, sandbefleckt.
    Nachtrelikte der Verehrten.
    Pappe bloß, moralbefleckt.
    Seetankgrün vom Wind gewogen.
    Sehnsucht sanft in Wort verwoben.


    Und sie wollten es probieren.
    zärtlich Hand in Hand vereint.
    Botschaftswort zum Angst kaschieren.
    Trennungsschmerz so tief beweint.
    Segeltuch aus Ferne winkend.
    Bald am Horizont versinkend.


    Doch der Abschied, der nun nahte,
    nicht umgänglich, schroff und steil,
    für die Zukunft, die bejahte,
    kleines Wegstück, nur ein Teil.
    Muschelkind im Meer versenkend
    Ein letzter Kuss noch Mal verschenkend.


    Und so folgten viele Tage.
    Treffen in Verborgenheit.
    Offen blieb doch stets die Frage,
    Nach der Zeit für Zweisamkeit.
    Wellen rauschten in ihr immer.
    Jeder Abschied wurde schlimmer.


    Schattendasein für die Liebe.
    Jedes Glück zu kurz zum Freun.
    Disteldornenspitze Hiebe,
    ließen jedes Mal bereun.
    Dünenweg allein durchquerend.
    Nachts allein von Träumen zehrend.


    Großes Theoriegemäuer,
    unvollendet ungenau.
    Liebesnest und Ungeheuer,
    undurchdringbar Sinnesschau.
    Regen füllte Dünenpfützen.
    Worte sollten Hoffnung schützen.


    Hämisch schwarzes Seelenmeere
    tobtest, wallend, ruhelos.
    Peitschtest, grinsend meine Ehre.
    Blind geblickt, war Kleines groß.
    Denkenstreibgut weg getrieben.
    Zuversicht im Nichts verblieben.


    Segensboot doch ohne Hafen
    Fluten drängen weit aufs Meer.
    Nirgends Küstenland sie trafen.
    Niemandsland war menschenleer.
    Himmelsrot das Meer entfachte.
    Traumbild rissig, das zerdachte.


    Seine Träume er verdrehte
    Weil er nur nach hinten sah.
    Angstbesessen nichts erspähte
    Dabei war der Strand so nah!
    Moll gehauchte Flüsterwinde
    Eng verzurrtes Schmerzgebinde.


    Für und Wider ging er zählen
    Hürdenstellend funktionell
    Konnte geistvoll nichts erwählen.
    Dachte viel zu rationell
    Möwen kreischten auf den Fluten.
    Briefe ließen nichts vermuten.


    Spürend, ahnend und mit Wissen
    sagte er ihr nicht bescheid.
    Dolchesangst hat ihn zerrissen.
    Seinen Leib ganz stumm entzweit.
    Schatten schluckten Liebesglänze.
    Augen sangen Tränentänze.


    Wege suchend doch nichts sehend.
    Fortbewegend umgefalln.
    Zwiespaltsprünge und sich drehend.
    Trostgebet im Meer verhalln
    Treibsand an den Füßen spürend.
    Wahrnehmung den Hals zuschnürend.


    Als die Kraft in ihr erlahmte.
    Endlich sagte er zu ihr.
    Was ihr Herz schon längst erahnte.
    „Du mein Schatz, ich bleib bei ihr.“
    Diktatur der Kopfgedanken.
    Und Bedürfniswunden stanken.


    Und so schmiss er seine Träume
    einfach achtlos über Bord.
    Die Gedankenluftschlossräume
    unbewohnt riss man sie fort.
    Enten putzten ihr Gefieder.
    Niemals sahen sie sich wieder


    Jahre sind seit dem vergangen.
    Doch noch oft sitzt sie am Meer.
    In Gedanken eng verfangen.
    Träumt sich seine Stimme her.
    Wasser streichelt um die Klippen.
    Salz umschmeichelt ihre Lippen.


    Bewege die Schranken,
    die dich beschränken;
    und du wirst beweglicher
    denn je.

  2. #2
    Registriert seit
    Jan 2004
    Beiträge
    304
    BRAVO

  3. #3
    Registriert seit
    Feb 2005
    Beiträge
    576

    Hy!

    hmmm...also ich muss sagen, mir hat schon deine alte Version überaus gut gefallen, aber auch die neue ist mal wieder gelungen. Alt oder neu- sind wohl beide ziehmlich gut, freu mich schon auf dein nächstes Werk- sobald denn eins in Arbeit ist. Viel Spaß noch
    Lieben Gruß Hope88

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