Thema: Erkenntnis

  1. #1
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    Lightbulb

    Einst plagtest du gar sehr mich, Geist,
    Ich fühlt’ mich stets beengt
    Oft wusst’ ich nicht was „Frieden“ heißt
    So hast du mich bedrängt

    Gekämpft wie ein gefang’ner Fisch
    Um meinen Seelenfrieden
    Hab ich, doch dann, fast spielerisch
    Hast du’s für dich entschieden

    Des Nachts in meinem Schlafgemach
    Hast du mich heimgesucht
    Und wenn es mir an Mut gebrach
    So hab ich dich verflucht

    So rangen wir im Wechsel oft
    Mit Müh’ einander nieder
    Und kam das Glück mal unverhofft
    Hast du’s mit Pein erwidert

    Selten hatt’ ich die Oberhand,
    Über mein Reich die Macht
    Dämonen streiften durch mein Land
    Und fanden mich bei Nacht

    Ich ging auf eine Reise fern
    Ins unbekannte Weite
    Doch du, mein Geist, mein Unglücksstern
    Wichst nie von meiner Seite

    An einem eis’gen Morgen dann
    Sah ich hinab auf dich
    Als ich auf einem Berg nachsann
    Und Nebel Klarheit wich

    Es kam der Tag als wir, fürwahr
    Uns bei den Händen nahmen
    Dies war der Tag als ich ganz klar
    Erkannte deinen Namen

    -

    Beim Lesen überkam mich der Drang, ein Gedicht mit dem Thema "Erkenntnis" zu verfassen. Oft verliert eine Sache, vor der wir uns lange Zeit gefürchtet haben (nicht selten, ohne genau zu wissen, wieso), den Schrecken, wenn wir erkennen, worum es sich dabei handelt. Im selben Moment überkommt uns dann ein wohliger Schauer, und die Furcht ist wie fort geblasen – aber dann beginnt eine Zeit, in der wir hart arbeiten müssen, um den Makel, aus der die Furcht schöpfte, in unserem Leben zu beseitigen, denn ein Wunder geschieht selten von allein. Nun, jedenfalls war es für mich so, und so nehme ich an, dass es bei anderen ähnlich ist. :)

    Ich muss zugeben, die Reime sind noch ein wenig schwach ("beengt - bedrängt"), aber es ist seit einigen Jahren der erste Versuch, wieder etwas von mir zu geben, das sich reimt.
    Der Rhythmus wechselt sich ab (also [8,6,8,6] dann [8,7,8,7] und wieder [8,6,8,6] ... ) und zwar aus keinem bestimmten Grund, sondern nur, weil es sich für mich richtig angefühlt hat.

  2. #2
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    Gruesse dich Elise!
    Um deinen Gedanken,und Ausfuehrungenb zu folgen,ergibt das fuer mich:
    Angst vor dem Unsichtbaren,Unerkannten
    Angst vor der Erkenntnis - was das wohl bewirken koennte?
    Dann irgendwann der erloesende Aha-Effekt,der einem voruebergehend von der Angst befreit -
    solange bis man Vertrauen in Gott,oder das Selbst,oder was immer auch findet und begreift das man nur Hand in Hand mit Erkenntnis sich von einer Stufe zur naechsten entwickeln kann.
    Manche Reime und Versabschnitte fand ich etwas schwer zu verstehen,oder recht verwirrend ausgedrueckt,vielleicht,wenn du das nocheinmal pruefst verstehst Du was ich meine.Amrei-lyrics
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

    Sammlung

  3. #3
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    Gefällt mir

    Hallo Elise!

    Mich hat Strophe fünf sehr gestört, da dort das Versmaß wirklich nicht mehr stimmt. Du verwendest durchgehend Jamben. In der fünften Stophe hingegen ist "Selten" und "Über" auf der ersten Silbe betont, was absolut nicht paßt.
    Ebenfalls ein Fehler im Metrum gibt es in der vorletzten Strophe. "Nachsann" ist auf der ersten Silbe betont, müßte bei dir aber auf der zweiten betont werden.

    Und der Reim nieder-erwidert stört ein wenig, aber nicht so sehr, zumal das beim Sprechen unterginge.

    Ansonsten gefällt mir sehr, was du geschrieben hast. Mir gefallen die Wortbilder, sie sind sehr klar. Interpretieren muß ich da gar nicht viel, das hat mein Leben bereits für mich getan.

    Gruß

    Puzzlestück

  4. #4
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    Hi Elise,

    an deinem Gedicht gefällt mir die Klarheit und Einfachheit der Sinnzusammenhänge. Den ersten Vers finde ich angesichts dieser beabsichtigten Wirkung lediglich etwas zu holprig. Vielleicht geht's flüssiger so, mit der Apostrophe gleich zu Beginn (Vorschlag):

    "Geist, einst plagtest du mich sehr (...)"

    Reim in Vers 3 könnten dann z.B. etwas mit "schwer" sein, wie z.B. "Das Leben war mir oft so schwer" o.ä.

    Tolles Gedicht, "einfach" schön!

    Gruß,
    freewaythor

  5. #5
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    Hallo~!

    Oha, ich hatte im Laufe der Wochen ganz vergessen, mal wieder hier vorbeizuschauen, und nun sind’s gleich drei Antworten~

    Amrei-lyrics, ich mag deine Interpretation. Es war genau so gemeint, wie du gesagt hast. Ich freue mich, dass es nachvollziehbar war. Solche Momente sind schwer zu verstehen, wenn man sie nicht zuvor erlebt hat. Der Intellekt kann eben nicht alles alleine greifen.

    freewaythor, danke für das Lob! Ich bin mir bewusst (und beim lauten Lesen hab ich’s auch stark gemerkt), dass einige der Verse einfach nicht so leicht von der Zunge rollen wie andere.

    Danke auch für die konstruktive Kritik, Puzzlestück! Beim Letzten Satz musste ich unwillkürlich lächeln. Das Gedichteschreiben an sich beherrsche ich (wie du siehst) nicht fehlerfrei. Es war eher die Beschäftigung mit dem Thema in der Hoffnung, so den Gedankenblitz ein wenig länger festzuhalten und dabei zu verinnerlichen, was es heißt, seine eigenen Schreckgespenstern nicht zu fürchten (oder sogar zu hassen), sondern sie als einen Teil von sich zu akzeptieren und so mit ihnen zusammenarbeiten zu können. Das ist in etwa so als würde man in einem Wald einen Wolf begegnen und ihm über den Kopf streicheln - und verwundert feststellen, dass er sich fiepend zu deinen Füßen legt und mit dem Hinterbein zuckt, wenn du sein Ohr kraulst. So in etwa ist das Gefühl, wenn man es einmal klar und deutlich vor Augen hat: "Mein dunkles Unbewusstes gehört zu mir, und ich solle es gut behandeln, statt es zu unterdrücken – vielleicht eröffnet es mir so neue Türen." Das ist mir durch das Niederschreiben meiner Gedanken nicht nur klarer geworden, sondern auch wunderbar im Gedächtnis hängen geblieben.

    Aus diesem Grund möchte ich euch nun bitten, es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich das Gedicht trotz seiner Fehler so lasse, wie es ist. Das hat einen ganz einfachen Grund: Leider (oder zum Glück) bin ich von Natur aus ein Initiator - ich kann nicht lange bei einer Sache bleiben. Während ich diese Antwort schreibe, wartet hinter mir schon wieder ein Stapel Bücher zu neunen, spannenden Themen. *verträumtes Seufzen* Ach, die Vielfalt des Lebens, sie ist das Beste an der ganzen Sache ^__^

    Das heißt… eigentlich hätte ich da noch ein Gedicht… aber ich kann mich bei einer Strophe partout nicht entscheiden, wie ich sie formulieren soll. Vielleicht kann ich mich dazu aufraffen, es fertig zu schreiben - aber geht ein Gedicht nicht zu Grunde, wenn man das Schreiben als Arbeit statt als Vergnügen ansieht? Das frage ich mich gerade...

    Auf jeden Fall wünsche ich euch einen guten Start in die Woche :)

    [Geändert durch Elise am 03-07-2005 um 15:53]

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