Thema: Verdorrt

  1. #1
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    Verdorrt

    Hächelnd ging ich die Straße entlang.
    Wie weit denn noch verrecken?
    Verschlossene Mienen und Gesichter.
    Bei Gott kann jemand uns helfen?

    Destruktiv die ganze Menschheit.
    Der Brunnen des Lebens ist er weit?
    Zerbrochene Steine, ein Loch ohne Grund.
    Verdammt, vergöttert ihr die Dürre?

    Die Pfützen der Freundlichkeit verdampft.
    Ist die Liebe ein einziger Friedhof?
    Die Namen auf den Gräbern ausradiert.
    Sind sie wirklich so banal wie euer Leben?

    Das Verdikt wird euer Untergang.
    Könnt ihr endlich die Augen öffnen?
    Der Teufel wird kommen mit Drachen.
    Und wir helfenden mit euch sterben?


    [Geändert durch überlebendes nichts am 25-06-2005 um 13:13]
    Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Mißerfolg zum anderen zu gehen,
    ohne seine Begeisterung zu verlieren.
    (Winston Churchill)
    _
    Arroganz ist die Kunst, auf seine eigene Dummheit stolz zu sein

  2. #2
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    Hallo überlebendes nichts,

    Dein Werk gefällt mir sehr gut.
    Ich habe erst gar nicht gemerkt, dass es sich nicht reimt, so rein war der Lesefluss.
    Was beinhaltet der Brunnen des Lebens? Hoffnung?
    Ich dachte erst, es wäre die Liebe, an deren Mangel das lyrische Ich „verdorrt“.
    Aber die Liebe ist wiederum ein Friedhof und „die Namen auf den Gräbern ausradiert“. Übrigens ein sehr schönes Bild (lyrisch gesehen).
    Der Brunnen scheint das Ziel des lyrischen Ichs durch menschliche Gefühlswüsten zu sein, also keine Flucht, sondern Aufbegehren. Das Ich zählt sich auch selbst zu den „helfenden“, also denen, die gegen die Dürre noch ankämpfen.
    Ich rätsel noch am „Verdikt“, ist es die Konsequenz, Armageddon, jüngstes Gericht? Dass der Teufel mit Drachen kommt, habe ich mir erst dadurch erklärt, dass in der Kunst Drachen oft ein Symbol für den Teufel sind. Das Bild des Teufels ist aber auch interessant im Hinblick auf die Zeile „Verdammt, vergöttert ihr die Dürre?“. Sind die Teufel der Gegenpart zur Vergötterung oder gar die Götter (also die Dürre) selber? Das Komma kann hier auch die Funktion der Aufzählung haben („Verdammt oder vergöttert ihr die Dürre?“).
    Aber auch eine andere Eigenschaft der Drachen, das Feuerspeien, könnte sinngebend sein, verstärkt es doch noch die Dürre, lässt auch die letzten „Pfützen verdampfen“.

    Huch, ich wollte gar nicht so viel schreiben, ich hoffe, es war nicht zuviel Unsinn dabei.
    Das war sehr inspirierend, vielen Dank.

    Gruß
    Martin
    "Zitate sind Hilfen für den Notfall. Wenn wir uns zu schwach fühlen, um mit der eigenen Meinung vorzupreschen, hilft uns ein Zitat: Wir zeigen Flagge, aber nicht die eigene."
    Christian Morgenstern

  3. #3
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    Hallo Martin,

    erstmal ein großes Dank für Deine Kritik Es hat mich sehr gefreut!

    Ja, für mich bedeutet der Brunnen Hoffnung. Ohne Wasser können wir nicht leben. Und wenn ein Brunnen mit Wasser gefüllt ist, dann hat man doch auch Hoffnung das dieses Wasser das ganze Leben reicht. Aber wenn der Brunnen ausgetrocknet ist, dann hat man keine Zuversicht mehr. Das Verdikt ist das Urteil gegen die eigene Menschheit. Die Menschen denken oft nicht nach, was sie tun, und dann müssen sie mit den Konsequenzen rechnen. "Verdammt, vergöttert ihr die Dürre" diese Zeile lag mir schon seit Wochen auf der Zunge, ich hatte nur keine Idee was ich dazu schreiben könnte, und als ich dann an diesem gedicht arbeitete, viel mir ein das ich die Zeile ja auch mir einbauen könnte. Und genau das war meine Absicht, dass man überlegt, ob das Komma mit Absicht gesetzt wurde, denn wenn man es wegnimmt hat es ja zwei Funktionen. Zu der Zeile
    "Und wir helfenden mit euch sterben?" hatte ich zuerst nicht helfenden sondern Engel stehen, aber hab fast einen Kotzreitz gekriegt, weil ich Engel einfach nicht mehr hören konnte, deswegen habe ich es auch schnell wieder geändert. Allerdings war ich die ganze Zeit am überlegen, ob es jetzt "der" Verdikt heißt oder "das". Ich bin immernoch nicht zu einem Entschluss gekommen. Mometan kann ich selber das allles nicht so gut in Worte fassen, bitte entschuldigt.

    Also Martin, Du hattest doch nichz so viel unrecht, mit Deiner Interpretation, bist Du sogar schon sehr nah, an dem was ich mir dabei gedacht habe.

    Viele Liebe Grüße

    überlebendes nichts
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