Thema: Du bist...

  1. #1
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    Du bist…


    Du bist das Wispern der Gräser,
    Der zornig tosende Orkan,
    Du bist die Lust, das Verlangen,
    Der gefährlich schwankende Kahn.


    Du bist das Licht und die Sonne,
    Die Dürre, die alles verbrennt,
    Du bist im Frühling der Regen,
    Die Sintflut, die Mitleid nicht kennt.


    Ich trotze allen Gefahren,
    Beim zärtlichen Wispern im Gras;
    Was mir auch wird widerfahren


    Mit dir, nach Tagen und Jahren,
    Die Liebe, zerbrechlich wie Glas,
    Will ich im Herzen bewahren.


    N u r a f t a b

    1 5. S e p t. 2 0 0 4

    [Geändert durch Nuraftab am 27-06-2005 um 21:08]
    "Ich glaube an die Magie der Liebe!" (H. Hesse)

  2. #2
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    Die erste Strophe finde ich aufgrund der benutzten kontrastverdeutlichenden Bilder sehr schön, nur bei der vorletzten Strophe muss ich stutzen und grübeln...kann die so richtig sein? Mich stört daran das "Doch ich". Was "doch ich"? Entweder verstehe ich etwas nicht oder es fehlt da ein Gedanke.
    Bitte um Aufklärung...


    liebe grüße
    die faint
    Den Kamelen ging es gut, und dann kam ich...

  3. #3
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    Du bist...

    Hallo faint,

    vielen Dank für Deine gute Kritik, mit dem Verweis auf die 3. Strophe!
    Du hast Recht, jetzt, da ich diese nochmals lese, finde ich auch, daß das "doch" ziemlich stört. Wie empfindest Du die folgend veränderte Zeile?
    "Ich fürchte keine Gefahren"
    Für eine Rückmeldung wäre ich Dir sehr dankbar. Dann könnte ich das Gedicht entsprechend ändern.

    Mit lieben Grüßen,

    Nuraftab.
    "Ich glaube an die Magie der Liebe!" (H. Hesse)

  4. #4
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    Ah ja, ein Sonett, aber stellenweise find ich es nicht so nett. (ein Wortspiel *freu*)

    Der Orkan-Kahn Reim ist nicht wirklich so gelungen, finde ich sehr störend.
    Die Metrik ist irgendwo nicht so ganz perfekt
    Du bist das Wispern der Gräser,
    xXxXxxXx
    Der zornig tosende Orkan,
    xXxXxxXx
    Du bist die Lust, das Verlangen,
    xXxXxxXx
    Der gefährlich schwankende Kahn
    xxXxXxxX

    Du bist das Licht und die Sonne,
    xXxXxxXx
    Die Dürre, die alles verbrennt,
    xXxxXxxX
    Du bist im Frühling der Regen,
    xXxXxxXx
    Die Sintflut, die Mitleid nicht kennt
    xXxxXxxX

    Doch ich trotz allen Gefahren,
    XxXXxxXx
    Beim zärtlichen Wispern im Gras;
    xXxxXxxX
    Was mir auch wird widerfahren
    xXxXXxXx

    Mit dir, nach Tagen und Jahren,
    xXxXxxXx
    Die Liebe, zerbrechlich wie Glas,
    xXxxXxxX
    Will ich im Herzen bewahren
    XxxXxxXx
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  5. #5
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    Ooooooooh! Verflucht noch mal! Jetzt erst hab ich das mit dem "doch" kapiert. Nein, nein, dann ist das vollkommen in Ordnung...ich hab´s bloß falsch gelesen, tschuldigung! Damit niemand, der so tollpatschig wie ich beim Lesen bin, darüber stolpern kann, würde ich dann einfach hinter das trotz noch ein e setzen...sorry noch mal.


    liebste grüße
    die faint
    [Geändert durch faint am 27-06-2005 um 16:51]
    Den Kamelen ging es gut, und dann kam ich...

  6. #6
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    Du bist...

    Hallo faint,

    habe soeben eine kleine Änderung vorgenommen, wobei ich das "doch" löschte und dafür dem "trotz" ein "e" angefügt habe! Anders war es nicht möglich, da sonst die Silbenzahl dieser Zeile nicht mehr stimmig gewesen wäre.
    Ich denke nicht, daß Du tolpatschig liest - mußte aber schon darüber lächeln - eher dürfte es sich da um eine gewisse Zeitnot handeln. Ich weiß, wovon ich spreche.

    Eine heitere Sommerzeit wünscht Dir,

    Nuraftab.
    "Ich glaube an die Magie der Liebe!" (H. Hesse)

  7. #7
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    Hallo Nuraftab!

    Nun musste ich, in alter LeV Manier, doch einmal kucken, wer denn noch so ein "Wispern" benutzt und wozu.

    Und, es ist mir fast peinlich, aber ganz als Kritiker gesprochen, ich habe einige Dinge gefunden, die mir nicht gefallen.

    An aller erster Stelle ist es die Metrik.
    Demon_Wolf hat sich schon bemüht, auch wenn ihr/ihm dabei einige Flüchtigkeitsfehler unterlaufen sind:

    Erstmal ist es nur schwerlich als Sonett zu bezeichnen. Zwar hat es den 4-4-3-3 Aufbau, aber schon das Reimschema ist nicht mehr streng. Von 6 hebigen Jamben* kann ich nun wirklich auch nichts entdecken, ja selten genug, überhaupt einen Jambus, womit wir beim gravierensten Problem sind:

    Metrik

    Zwar sind nicht alle Notationen von Wolf richtig, oder unstrittig, aber selbst eine Korrektur ergibt:

    "Der zornig tosende Orkan,"
    xXxXxxXx
    richtig wäre:
    xXxXxxxX

    "Doch ich trotz allen Gefahren,"
    XxXXxxXx, wäre ein sehr extremer Bruch der Metrik.
    Zumindest möglich wäre aber auch:
    xXxXxxXx
    und in dubio pro reo kann man schon gelten lassen.

    "Was mir auch wird widerfahren"
    xXxXXxXx
    lesbar wäre durchaus auch:
    XxXxXxXx - Womit aber der einzige gelungene Trochäus des ganzen Gedichts erzeugt würde

    Will ich im Herzen bewahren
    XxxXxxXx
    richtig wäre:
    xXxXxxXx

    Das Problem an meinen Korrekturen ist, sie retten auch nix mehr. Soll heißen, das Gedicht hat in meinen Augen einfach keine Metrik. Und das obwohl, und da kommen wir zum nächsten Kritikpunkt, z.T. grammatikalisch sehr starke, nennen wir es mal beschönigend, Kompromisse eingegangen wurden:

    "Die Sintflut, die Mitleid nicht kennt"

    Hier, beispielsweise, sollte es zumindest heißen:
    "Die Sintflut, die kein Mitleid kennt"
    Nachdem die Metrik eh schon verhaut ist, kann ich den Sinn der Umstellungen im Orginaltext nicht erkennen, zumal die Silbenzahl sich nicht ändern würde.
    Ach, was red' ich! Im Gegenteil taucht hier sogar ein sauberer Jambus (xXxXxXxX) erstmals auf und gibt sich die Ehre! Was Deine Schreibweise noch unverständlicher macht.

    Und dann habe ich mit ein, zwei oder auch mehr Versen ein Logik-Problem - Aber sei unbesorgt, dafür werde ich ständig gescholten, dass ich an Bilder mit der Axt der Logik herangehe

    Aber:
    "Die Dürre, die alles verbrennt"
    ist für mich kein Bild, weil mir sofort die Logik den Blick versperrt: "Dürre" wird hier fälschlich als Ursache, statt als Wirkung bezeichnet.

    "Die Liebe, zerbrechlich wie Glas,"
    Ich habe schon fast alle Materie mit Liebe verglichen gelesen, aber mit Glas nur ganz selten. Und nach all dem, was ich sonst in diesem Gedicht wieder finde:
    Dem trotzen von Orkanen, Dürren, Sintfluten und was es sonst noch an Katastrophen geben mag, kann ich eine Liebe aus Glas, nur schwer bis überhaupt nicht darin sehen.
    Aber vielleicht habe ich hier etwas einfach nicht gesehen.

    Bitte um Erklärung in den einzelnen Punkten.

    Auch Dir eine frohe, sommerliche Schaffenszeit.

    Schöne Grüße

    bet

    *Korrektur: Ich wurde von meiner besseren Lyrikhälfte darauf hingewiesen, dass ein Sonett nicht unbedingt aus 6 hebigen Jamben bestehen muss. Es dürfen auch 5 hebige sein, oder sehr modern, auch der Bruch mit diesen. Aber ich glaube, ein Bruch mit jeglicher Art von Metrik, wie in dem vorliegenden Fall, ist trotzdem nicht drin.
    [Geändert durch beteigeuze400 am 29-06-2005 um 16:04]

  8. #8
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    Du bist

    Hallo Beteigeuze,

    vielen Dank für Deine genaue Analyse zu meinem total verhauenen Gedicht!
    Ja, mit der Metrik stehe ich hin und wieder auf Kriegsfuß.
    Natürlich läßt mir das keine Ruhe und ich werde mich dransetzen und überarbeiten, bzw. ganz neu schreiben, denn, wie Du ja sagtest, ist da eh nichts mehr zu retten.
    Schade, daß ich hier im Gedichte-Forum so auf die Nase gefallen bin. Doch keine Sorge, ich habe glernt aufzustehen.

    Liebe Grüße,

    Nuraftab.
    "Ich glaube an die Magie der Liebe!" (H. Hesse)

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