Thema: Welke Blumen

  1. #1
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    Die Welt vor dem Fenster war trostlos und grau, wie immer.
    Zarte Tropfen suchten ihren Weg nach unten, flüchtige Spuren auf der Scheibe hinterlassend. Thomas-Wetter nannte sie es, weil ihre Gedanken schon wieder bei ihm waren. Sie wischte die Bilder fort und wandt sich ab vom weinenden Grau, das ihr Inneres zu überfluten schien.
    Den Blick durchs Zimmer schweifen lassend, streifte sie flüchtig den welkenden Blumenstrauß auf dem Couchtisch mit ihren Fingerspitzen und griff schließlich lustlos nach der schmutzigen Socke auf dem Fußboden.
    Er wanderte ziellos durch die Straßen, längst durchnässt und leise fröstelnd. Sein verschlissener Mantel tropfte, als er im Eingang eines Kaufhauses Zuflucht suchte. Allmählich bereute er seinen verdammten Stolz und überlegte ernsthaft, zu ihr zurückzukehren, um ihr tief in die unschuldigen Augen zu blicken und sie um Verzeihung zu bitten, seinem Hundeblick hatte sie schließlich noch nie widerstehen können. Wahrscheinlich würde sie schluchzend in seine Arme fallen. Und dann?
    So langsam wurde ihr bewusst, wie heruntergekommen ihre Wohnung aussah. Die Gardinen waren schon eher beige als weiß, der Geruch von Sex und Katzenfutter hing in der Luft und seit drei Tagen türmte sich das Geschirr in der Spüle. An den Stapel Schmutzwäsche auf dem Sofa wollte sie gar nicht erst denken. Aber jetzt war Schluß damit, heute war der erste Tag in ihrem neuen Leben als erfolgreiche, ordentliche Frau. Shary strich schnurrend an ihren Beinen entlang. Nein, sie war nicht einsam. Das Geschirr wurde zuerst abgespült, danach war die schmutzige Wäsche an der Reihe und zum Schluß lüftete sie sogar noch das Zimmer und warf die alten Blumen weg. Zeit, neue zu kaufen...
    Der Sicherheitsmann am Eingang sah ihn schon die ganze Zeit so merkwürdig an. Es war schon beinahe acht Uhr, er sollte endlich einen Schlafplatz für die heutige Nacht finden. Um Rosen zu kaufen war es wohl etwas zu spät, und mit leeren Händen wollte er ihr nicht unter die Augen treten. Der Regen ließ langsam nach und in der Stadt war es gar nicht so kalt, wie es zunächst seinen Befürchtungen entsprochen hätte. Natürlich könnte er auch zu seinen Eltern gehen,aber der vorwurfsvolle Blick seiner Mutter ließ ihn die Aussicht auf eine weitere Nacht im Papiercontainer plötzlich äußerst verlockend erscheinen. Ob sie ihn bemerkte, wenn er wie zufällig unter ihrem Fenster entlangschlenderte?
    Sie war noch nie eine gute Hausfrau, und selbst das energischste Putzen half nicht, die ewig kreisenden Gedanken zu vertreiben. Erschöpft kuschelte sie sich in das viel zu große Bett, und überlegte, Shary im Arm haltend, warum er keine Katzen mochte. Ob sie es mit einer Schlaftablette versuchen sollte? Aber dann kamen die Träume wieder, und diesmal würde sie keine tiefe Stimme beruhigen, wenn sie angstverzittert in ihrem Bett saß. Er hätte wenigstens nochmal anrufen können. War sie ihm schon so gleichgültig? Shary zappelte in ihren Armen und erst jetzt fiel ihr auf, wie krampfhaft sie die Katze festhielt. Erschrocken ließ sie los und beobachtete, wie Shary sich beleidigt entfernte. Und wieder jemand, den sie vertrieben hatte.
    Hinter ihrem Fenster war noch Licht. Ob sie wieder nicht schlafen konnte? Wie gern würde er jetzt ihr zartes Gesicht streicheln und beruhigende Worte in ihr Ohr flüstern. Aber seine Zeit war vorbei. Einen kurzen Moment überkam ihn die Versuchung, Steinchen an ihr Fenster zu werfen wie ein Schuljunge, aber diesen Gedanken verwarf er rasch wieder. Sie war bestimmt glücklicher ohne ihn.
    Ein Blick aus dem Fenster ließ sie erstarren. Für eine Sekunde hatte sie fast geglaubt, die zerlumpte Gestalt, die sich im gegenüberliegenden Hauseingang einen Platz zum Schlafen suchte, wäre er, aber das konnte nicht sein.
    Er verharrte, als ihre Silhouette am Fenster erschien. Hatte sie ihn gesehen? Aber sie zog nur die Vorhänge zu und dämpfte das Licht.
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

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  2. #2
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    Sehr interessant, du wechselst kurze Sätze mit langen kommalastigen Sätzen ab. Das ist eine recht gute Entscheidung, weil einige Sätze von dir so irrelang sind, dass man am Ende des Satzes garnicht mehr weiss, worum es am Anfang ging (kann aber auch am Alter liegen).
    Einigemale reisst du dir grobe Schnitzer in der Stimmung, die wie ich von dir weiss auch noch absicht sind. Wie zB "der Geruch von Sex und Katzenfutter" mit wem hatte die Olle den Bitte Sex, wenn da steht, dass er eine "weitere" Nacht im Papierkontainer verlockend findet? Sie hat doch wohl keinen Nebenjob? Ausserdem drehst du die beschreibung so, dass die Schuld bei ihm liegt, so geht es jedenfalls aus deiner Geschichte hervor. Da hast du einen riesigen Logikfehler gemacht... entweder ist der Geruch schon mehrere Tage alt, was sie aber nicht mehr wahrnimmt... Adaptionsphase, oder du hast deine Protagonistin in ein wildes Sexualleben geworfen, was dann nicht wirklich zu dem Einsamkeitsfeeling passt.
    Tu was du willst, das ist das ganze Gesetz - Aleister Crowley

  3. #3
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    Vielleicht nimmt sie den Geruch, obwohl schon recht alt, ja zum ersten Mal bewusst wieder wahr?
    Nichtsdestotrotz ist die Geschichte etwas undurchsichtig an dieser stelle, das geb ich gern zu.
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

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