Thema: IV - Zyklus

  1. #1
    Registriert seit
    Jan 2003
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    2.865
    IV - Zyklus

    Jetzt sitz ich hier still am See, so einsam und allein
    Und sehe dich in meinem Traum, im Schein
    deine Augen leuchten hell
    mit dir vergesse ich die Welt um mich herum ganz schnell
    Doch ich kann dich nicht berühren - nicht spüren
    Du bist so nah, aber doch so fern
    Wie am Himmel ein leuchtender Stern
    kann's einfach nicht verstehn,
    tu nur noch Schmerzen sehn
    Komm zu mir, ich schenk mein Herz dir
    Ich weiss nicht was ich denken soll,
    findest du mich toll?
    Sag mir was dein Herz dir sagt,
    an jedem Tag
    Öffne dein Herz für mich
    lass mich nicht im Stich
    Egal was wird einmal passieren,
    ich werd dich in meinem Herzen nie verlieren

    (26.06.05)

    V - Zyklus
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  2. #2
    Registriert seit
    Jan 2005
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    364
    So – ich bin gerade so schön in Verriss-Laune. Ideal, um mich mal deinem vierten Werk aus dem Zyklus zuzuwenden .
    Mein erster Eindruck: Autsch! Die Inversion ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel (Verse 7,9,10,13,18). Die Reime sind banal und metrisch wird man – trotz der Einsilbigkeit der Sprache – z.T. arg durchgeschüttelt. Sehr lustig, finde ich „tu nur noch Schmerzen sehn“). Kindergedanken in Reinkultur. Ein Gedicht, welches man eher hinter einem Nick wie „sweetlittlecindy95“ oder vielleicht „thedarksideofmydamnedlive94“ vermuten würde

    Aber dies ist ja offenbar hier genau der springende Punkt und ich bin gerade dabei einen Kardinalfehler zu begehen und die Verbindung Autor <–> Gedicht herzustellen, wo ich mich doch viel eher um die Verbindung lyrisches Ich <-> Gedicht kümmern müsste.

    Also noch mal: Das lyrische ich ist ein Kind oder sonst eine einfache, naive Seele. Nun kannst du mir natürlich alles, was ich oben bez. der Sprache, den Reimen etc. angemerkt habe zurückschmeissen, denn es zeigt nur, wie konsequent die Sprache dem lyr. angepasst wurde (jetzt muss ich dann schauen, wie ich dennoch auf den vorgesehenen Verriss komme ). Es wird also das Sehnen nach einer Person (die man liebt) aus der Perspektive eines „Kindes“ beschrieben.

    Was mich nun etwas unsicher macht ist folgendes:
    Ich kann doch nicht bei „sweetlittlecindy95“ oder „thedarksideofmydamnedlive94“ in gut gemeinten und leicht ironisierten Kommentaren schreiben, ihr Gedicht sei (aus den ganz oben genannten Gründen) schlecht, um dann bei „olaja“ zu sagen es sei ganz hervorragend, da sie die Perspektive des lyr. Ichs mit der Sprache zur Deckung bringt - und dies nur, weil ich weiss, dass olaja „absichtlich“ so schreibt. Ein Gedicht soll unabhängig vom Autor wirken. Wenn ich mich aber nun „dumm“ stelle und so tue, als hätte ich nie etwas von „olaja“ gelesen: wie kann ich dann ihr Werk von demjenigen von „sweetlittlecindy95“ unterscheiden?
    Hmm, weil das Werk Teil eines Zyklus ist und weil man denjenigen (mit Motiv der Perspektivenwechsel) im Gesamtzusammenhang sehen muss?

    Sorry, für einen Totalverriss bin ich mir nun gerade zu unsicher

    PS: Das erinnert mich daran, dass ich auch mal was aus der Sicht eines Kindes geschrieben habe Deine Fragen. Wenn ich’s mir recht überlege, stellen sich mir dieselben Probleme auch dort.

    Freundliche Grüsse

    Andvari
    [Geändert durch Andvari am 11-07-2005 um 23:36]

  3. #3
    Registriert seit
    Jan 2003
    Ort
    Schweiz
    Beiträge
    2.865
    Sälü.

    Erst einmal möchte ich mich für deine Kritik bedanken.

    Ich kann deine Überlegungen und den daraus resultierende Zwiespalt gut nachvollziehen. Als Kritiker will man das vorliegende Gedicht analysieren und sollte nicht verpflichtet sein auf Hintergründe des Autors oder bereits veröffentlichte Werke einzugehen.
    Wie du schon bemerkt hast ist dieses Werk Teil eines Zyklus. Ausserhalb von ihm hätte ich es auch nicht veröffentlicht, weil ich dir in deinen Kritikpunkten absolut recht gebe.

    Welche Funktion erfüllt es aber - zum Beispiel nebst einem Sonett - in einem Turnus? Du lieferst eine mögliche Erklärung ab: "Hmm, weil das Werk Teil eines Zyklus ist und weil man denjenigen (mit Motiv der Perspektivenwechsel) im Gesamtzusammenhang sehen muss?"
    Nun kann man sich fragen, ob ich nicht grundsätzlich zu hohe Ansprüche an den Leser stelle, wenn der sich zuerst alle (bisher) fünf Gedichte des Zyklus durchlesen und darüber reflektieren muss, um sie in einen Zusammenhang zu verknüpfen. Deine Antwort beweist mir das Gegenteil.

    Die Idee mit dem Perspektivenwechsel finde ich sehr gut und sie lässt sich durchaus begründen. Meine Intension zieht teils mit deiner Idee mit, wenn meine Grundgedanken auch eher in eine andere Richtung gehen.

    Um auf deine Kritik zurückzukommen: Am "tu nur noch Schmerzen sehn" hatte ich selbst meine Freude, wenn ich ehrlich bin. Diese Formulierung, wie auch die schlechten Reime, der stockende Lesefluss und die Naivität waren beabsichtigt. Übrigens muss an dieser Stelle erwähnen, dass es für mich doch noch schwierig war die Zeilen zu schreiben; so unverständlich es auch klingen mag.

    P.S: Dein Gedicht fokussiert deutlich auf die Perspektive eines Kindes (bestes Indiz: Mami ) und damit klärt sich im Endeffekt auch (beinahe hätte ich gesagt Idealismus) die unschuldige Schlichtheit auf. Bei meinen Zeilen gestaltet sich das schwierig, wenn kein Vergleich anderer Werke von mir vorliegt.

    Mir fällt gerade auf: Im Prinzip hänge ich mich selbst mit meinen Worten auf. Da war deine Kritik fast noch harmloser.

    Lieba Gruess,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Zyklus
    Von Rudolf Junginger im Forum Japanische Formen
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 18.10.2011, 09:34
  2. zyklus
    Von Ors im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 27.09.2005, 22:44
  3. III - Zyklus
    Von olaja im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 09.07.2005, 17:32
  4. I - Zyklus
    Von olaja im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 04.07.2005, 23:21
  5. II - Zyklus
    Von olaja im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 04.07.2005, 23:02

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden