1. #1
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    Das Festival der chronisch Depressiven

    Ein buntbemalter Totenmond
    Bescheint das Idiotenfest
    Gezeugt aus blütenlosen Rosen

    Das Lustspiel hält den Geist verschont
    Nur treibt es uns zum Trauminzest
    Wir feiern in Konservendosen

    Ein blindgeschlag'ner Fuchs geht um
    Der flüstert euch die Liebe dumm
    In Gottes Namen, bleibt nur stumm!

    Das Leben wird doch ausgelost
    So hebt vergnügt das Glas zum Prost!
    Im Schlafe liegt der reinste Trost



    [Geändert durch Marocaine am 30-06-2005 um 15:33]
    "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun."
    Tyler Durden

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    Dein Leben ist langweilig? Dann komm' zum Basaar der Wunder!
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  2. #2
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    Nicht umsonst ist Depression einer der haeufigsten Krankeiten in der modernen Welt von heute.In frueheren Zeiten ist das nicht einmal als Krankheit sonder einfach als schlechte Laune abgetan worden,wenn einer sich dann mal deswegen umgebracht hat,war er halt ein Wahnsinniger.
    Verstehe mich nicht falsch,du hast mit interessanter Wortwahl das "Konservendosen gesellschafts-Dilemma" recht kurz und buendig und fluessig zu lesen beschrieben.Amrei-lyrics
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  3. #3
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    Hi
    so, habe noch die Reihenfolge der letzten beiden Strophen vertauscht (war gestern zu spät...)
    Zu deinem Eintrag:
    In dem Gedicht geht es nicht um die Krankheit Depression.Der Titel ist sarkastisch gemeint.Und was meinst du genau mit "Konservendosen-Gesellschaftsdilemma"?

    Mfg
    Bibedibu
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  4. #4
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    Guten Morgen Marocain!
    Wir leben heute in einer Konservendosengesellschaft. - das hat es vor der Erfindung der Konservendose nicht gegeben.Als man begonnen hat Nahrung in Konservendosen zu packen,um die Haltbarkeit zu steigern,den Profit zu steigern und geglaubt hat dass das eine gute SAche sei,ist auch die Beziehung der Menschen zur Nahrung veraendert worden.Ich habe einmal einen recht vernuenftigen Menschen hoeren sagen,beim Fruehstueck,als wir uns ueber Milch unterhalten haben,Qualitaet vom Bauern,Geschmack,Preis e.t.c.,dass wir eh keine Kuh braeuchten,denn die Milch kommt ja aus dem Supermarkt.
    Hier zeigt sich wie weit die Menschen von der Realitaet entfernt sind.Ohne Kuh hat auch der Supermarkt keine Milch!
    Es wird uns alles steril verpackt angeboten,manche wissen vielleicht gar nicht mehr,wie eine normale Karotte schmeckt,und auch kochen koennen viele nicht mehr,denn es gibt Fertiggerichte in Dosen,Bier in Dosen u.s.w.Wir essen dabei kleinweise Metall mit und das lagert sich in uns im Koerper ab.Ich will keinen Nahrungsvortrag halten,aber nur damit erklaeren,dass wir von der eigentlichen Natur und dem eigentlichen Leben weit weg gerueckt sind und daher auch unsere Beziehungen untereinander steril,profitbewusst und von den Wurzeln entfernt wurde und eben das sehe ich als Dilemma an.Man kann den eigentlichen Wert der Dinge nicht mehr Bestimmen.Ausserdem entsteht ein immenses Muellproblem u.s.w.
    Das Nahrungsproblem betrifft nicht nur den Koerper sondern auch die Seele und den Geist des Einzelnen - langsam - schleichend - unbewusst - negativ.Man erkennt den wahren Wert des Lebens nicht mehr.Und dann steigt langsam die Depression in der Gesellschaft so stark an,dass man es als Krankheit bezeichnen muss,man schluckt eben Pillen dagegen und braucht weiterhin an seinem Leben nichts aendern.Man feiert weiter und sogar der Mond wird zum bunt bemalten Totenmond......man schlaeft einfach weil man bewusst-los sich mit dem Leben nicht konfrontieren muss.
    In diesem Sinne.Amrei-lyrics
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  5. #5
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    Also wenn man nicht weiß, dass die Milch aus der Kuh kommt, dann ist sowieso alles zu spät.
    Diese Realitätsferne, die du da beschreibst, ist jedoch weniger Produkt der Distanz zu den Ursprüngen der Dinge als eher die vorgegaukelte, neue Welt die allen Menschen durch Medien aller Art vermittelt wird und der elektronische Ersatz von Menschennähe durch das Internet (Chat, Depressions-Foren etc).
    Sicherlich ist das Erkennen der Wurzeln ein Aspekt, der zu einer toleranteren und tieferen Art der Lebenssicht führt,
    jedoch ist nicht die allgemeine Konservierung der Schuldige am Dilemma der Depression als viel mehr der panikerfüllte Mensch, der den Verführungen der anonymen elektronischen Therapiegruppe nicht zu wiederstehen mag, süchtig wird und nur noch lebt, um sich Nachmittags seinen imaginären Schulterklopfer abzuholen und seinen Tag mit einem "Oh das kann ich verstehen, ich fühle auch diese LEERE" zu versüßen.
    So verweichlicht er , wird immer realitätsfremder doch besser wird es nie.Da kann er sich auch gleich Heroin spritzen.

    So und nun zum eigentlichen Gedicht: den Bezug den du herstellst finde ich teilweise ein bisschen abstrus. Zwar ist eine Ausführung sogar teilweise treffend, was zum Beispiel die Blindheit für den Ursprung angeht, dabei lässt du jedoch die anderen Zeilen schlicht außer acht.
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  6. #6
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    Zur ersten Strophe:Hat fuer mich eine recht negative Aussage - vielleicht ironisch gemeint,aber was ist das fuer ein Fest - ein Totenfest? Warum dann Idioten?
    Fuer mich drueckt es eher aus,den Verlust der Unschuld(bluetenlose weisse Rosen) - man sollte vielleicht mehr mit dem Herzen denken,um nicht als Idiot dazustehen,Rosen ohne Blueten bestehen nur aus Stengel Dornen und Blaetter -
    Der bunt bemalte Totenmond sind fuer mich die Illusionen,die Sachen,die man sich vormacht und als toll sieht,doch alles geht nur zum Tod hin.

    2.Strophe:Ein Lustspiel sollte doch den Geist anregen,die Dinge mit Humor zu sehen,doch hier bleibt der Geist verschont - geht irgendwie in die Irre(Trauminzest) - man verliert den Wert des Erlebens - einoed,steril,konservendosenmaessig,s.w.o.

    3.Strophe:Ein Fuchs drueckt die Schlauheit aus,mit der man versucht die "Dummen" zu fangen,doch,"Haltet still - bleibt stumm,damit euch der Fuchs nicht entdeckt,und frisst!" (Ein Casanova,der den unschuldigen Maedchen nachstellt?)

    4.Strophe:Glaubst du wirklich,dass das Leben ausgelost wird? Wer das so sieht saeuft sich einfach an,und schlaeft sich den Rausch aus,indem er wieder einmal - Gott sei Dank! - nicht dazugelernt hat,nichts dazu hat lernen muessen,gluecklich darueber, wieder einen sinnlosen Tag gehabt zu haben,in dem einem das Leben nicht herausgefordert hat und man auch selbstueberzeugt und bewustlos gar nicht die Initiative ergreifen musste.

    Diese Aussagen sind wirklich Depression-erzeugend.Der Titel daher fuer mich ganz klar;"Das Fest der Depressiven"

    Konsumdenken will die Menschheit abhaengig machen zum Nutzen einiger weniger,sich sehr schlau fuehlenden Leute.
    Mein Rat an alle:Sucht das innere Licht - gebt euch nicht bewusstlos hin!

    In diesem Sinne hoffe ich,dass Du meine Gedanken zu Deinem Gedicht jetzt besser verstehst.Amrei-lyrics
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  7. #7
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    Weißt du, Amrei:
    Du begehst den schweren Fehler, den Inhalt des Gedichts immer mit meiner Überzeugung oder meinem Erlebten gleichzusetzen, wie du es auch bei "mechanisch" getan hast.Nein, ich denke eben NICHT, dass das Leben ausgelost wird und das ist auch einer der wichtigsten Punkte im Gedicht.Meine Gedanken, die ich hier niederschreibe, sind sind keinesfalls ein Schwenken der weißen Fahne vorm Leben, sondern viel mehr eine Kritik und Auseinandersetzung damit.

    Zu deiner Interpretation:
    Entspricht nicht wirklich meiner Absicht der Aussage, allerdings stehst du mit dem Verlust der Unschuld durch die Rosen schonmal richtig, wobei sie noch als Metapher für etwas anderes stehen.
    Der Fuchs soll hier nicht die ausnutzende, "schlaue" Klasse darstellen sondern viel mehr etwas, dass alle Schuldigen schleichend heimsucht; mehr sag ich mal nicht.

    Aber danke dass du dich so mit dem Werk befasst!

    Mfg
    Marocaine
    [Geändert durch Marocaine am 02-07-2005 um 13:11]
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  8. #8
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    Ich bin zur Zeit sehr verwirrt wo die Grenzen liegen zwischen lyr.Ich,lyr.Du,Allgemeinheit und dem Verwirklichen der eigenen Ideen im Gedicht.

    Ich koennte nicht ueber etwas schreiben,was ich ablehne,ohne es im Gedicht irgendwie kundzutun.

    Falls Du Dich durch meine Kritik persoenlich negativ angesprochen gefuehlt hast,moechte ich mich entschuldigen,denn das war nicht so gemeint,ich dachte anfangs,dass das hier sowieso klar waere.
    Wenn es Dich interessiert lies mal "An die Dichter".
    Vielleicht kannst Du mich dann besser verstehen,was ich meine.Amrei-lyrics
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  9. #9
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    Du solltest einfach nicht davon ausgehen, dass bestimmte Sätze oder Zeilen tatsächliche Gedanken des Menschen hinter dem PC sind, das ist unüberlegt und auch nur Spekulation; vielleicht steckt ja Ironie in den Zeilen oder die Aussage wurde von anderen übernommen.
    Deshalb würde ich einfach grundsätzlich so schreiben, als würde dies alles eine imaginäre Person denken und tun, auch wenn man selbst denkt oder es offensichtlich erscheint (SVV-Gedichte), dass lyr.Ich und der Dichter diesselben Persönlichkeiten sind.So hat man in der Beziehung nie Probleme.

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