1. #1
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    wir sind spät geworden.
    und alle jahre sind vergangen,
    sie waren gefüllt mit kerosin
    und wegweisern
    in alle richtungen.

    wir sind spät geworden.
    und müde drücken wir unser antlitz
    der zukunft entgegen.
    dort, in der überragenden ferne der jugend,
    warten bereits die bilder,
    die wir für immer in unseren köpfen
    und herzen verankert haben.

    wir sind spät geworden.
    denn es sind die bilder
    der nacht und des lichts,
    des sommers und der wärme,
    es sind schmetterlinge und
    wirbelstürme.

    wir sind spät geworden.
    und wir stehen nicht mehr oben,
    wo einem das lichtermeer gehört
    und der mond sich
    in der tragischen ruhe
    des sees spiegelt.

    die maulbeerbäume
    haben ihre blätter geworfen
    und ohne zu zögern
    schlingern sie durch den staub,
    vertrocknet und
    welk.

    wir kommen zu keinem ergebnis,
    dürsten nach keinem ergebnis im staub der
    zeit.
    [Geändert durch wasfüreingefühl am 05-07-2005 um 23:20]
    donnerstag - nie wieder
    fernsehzimmer

    Ahora soy un axolotl. Julio Cortazar

    Malgré soi, on est de son siècle. Auguste Comte

  2. #2
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    Gestattest du mir, dass ich ein paar Änderungen vornehmen? Besonders, was deine Zeilenwechsel betrifft.

    wir sind spät geworden
    und alle jahre sind vergangen,
    sie waren gefüllt mit kerosin
    und wegweisern
    in alle richtungen

    wir sind spät geworden
    und müde drücken wir unser antlitz
    der zukunft entgegen.
    dort, in überragender ferne der jugend
    warten bereits die bilder,
    die wir für immer in unseren köpfen
    und herzen verankert haben.

    wir sind spät geworden,
    denn es sind die bilder
    der nacht und des lichts,
    des sommers und der wärme
    es sind schmetterlinge
    und wirbelstürme.

    wir sind spät geworden
    und wir stehen nicht mehr oben,
    wo einem das lichtermeer gehört
    und der mond sich
    in der tragischen ruhe
    des sees spiegelt.

    die maulbeerbäume
    haben ihre blätter geworfen
    und ohne zu zögern
    schlingern sie durch den staub,
    vertrocknet und welk.

    wir kommen zu keinem ergebnis,
    dürsten nach keinem ergebnis
    im staub der zeit.


    Inhaltlich gefällt mir dein Werk relativ gut. Es gibt einzelne, teils auch sprachliche Mängel, die man aber verbessern könnte. Zum Beispiel die zweifache Verwendung von "Licht" und "Staub". Ansonsten würde ebenfalls eine Verfeinerung deiner Wortwahl und ihren Wirkungsraum deine schon teils wirklich überzeugende Metaphorik noch mehr hervorheben.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  3. #3
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    Ich mag das.
    Auch wenn ich ne Weile gebraucht hab um mit den Bildern was zu verbinden. Vielleicht gerade deswegen. Ich mag den Platz den es lässt.
    Warum das alles klein geschrieben ist, versteh ich net so wirklich.
    Ich suche noch!

  4. #4
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    "Wir sind spät geworden" diese Formulierung finde ich sehr interessant.
    Olajas Änderungen an den Zeilenwechseln machen dein Werk wirklich übersichtlicher und ein kleines Bisschen weniger anstrengend zu lesen.

    Was mir am meisten gefällt sind deine Metaphern, die meiner Meinung nach eine schöne Stimmung erzeugen.
    Außer den bereits genannten Wortwiederholungen fiel mir eigentlich kein Kritikpunkt auf. Außer dass ich vielleicht nach dem Satz "Wir sind spät gerworden" einen Punkt gesetzt hätte, um ihn etwas mehr herauszuheben.
    lg, Janny
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    fucking for virginity

  5. #5
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    hallo ihr lieben

    vielen dank für die konstruktive kritik.

    @olaja
    die gliederung werde ich wohl noch ein wenig überarbeiten und die sprachlichen unachtsamkeiten abenfalls verbessern. wie dir vielleicht aufgefallen ist, endet jede strophe mit einem einzelnen wort. dadurch wollte ich diese worte etwas hervorheben und stärker gewichten, auch wenn es nicht in jedem fall passen mag.
    die wiederholung von staub ist beabsichtigt, diejenige von licht nicht. beim staub ist dir sicherlich die analogie in den letzten beiden strophen aufgefallen. das war durchaus beabsichtigt.

    @Chrysa
    danke für das lob. ich schreibe oftmals alles klein. ich finde es wirkt harmonischer als die gross-klein-schreibung. und es ist einfacher

    @Janny
    auch dir danke ich für das lob. deinen verbesserungsvorschlag mit dem punkt muss ich mir noch überdenken, aber wahrscheinlich werde ich das gedicht in deinem sinn überarbeiten.

    mfg
    donnerstag - nie wieder
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