(Ich hoffe der Text ist hier nicht allzu deplaziert)

Die alten Amsiwaren
Eine Stammesgeschichte

Der Emsländer kommt ursprünglich aus dem Norden Deutschlands, dem Emsland.
Emsländer haben sehr viel Geld oder meinen dies zumindest. Sie legen viel wert auf ihr Äußeres und haben bereits von klein auf eine sehr große Lebenserfahrung. Das ist ja logisch, da der Emsländer schon mehrmals lebte und dabei unwahrscheinlich litt. Er bringt daher eben diese große Lebenserfahrung mit und weiß somit viel zu erzählen.
Der Emsländer weiß natürlich was gut ist. Er baut sich deshalb oft ein protziges Haus, obwohl er kein Geld hat, und wundert sich dass er nach ein paar Jahren Pleite ist. Zwei Autos dürfen selbstverständlich nicht fehlen, denn man gönnt sich ja sonst nichts und man sollte schließlich 24 Stunden am Tag mobil sein.
Der echte Emsländer hat keine Lust sich um sich selbst zu kümmern. Darum ist er sehr interessiert an anderen Menschen. Ihn interessiert besonders wie der andere aussieht und was er jetzt wieder eigenartiges gemacht hat. Dann geht der Emsländer zu seinen Freunden oder Verwandten, bei Kaffee und Kuchen und berichtet darüber so dass es jeder weiß. Er selbst würde so etwas ja nicht machen denn er ist ganz einfach ein richtiger Emsländer.
Ein immer wieder spannendes Thema sind die Krankheiten in verschiedenster Form, die den anderen wieder mal befallen haben. Ausführliche Krankenhausgeschichten und Unfälle mit Todesfall dürfen selbstverständlich nicht ausgelassen werden.
Der Emsländer als solches interessiert sich auch nicht gerade sehr für Politik, denn wenn man CDU wählt gehört man dazu. Die CDU macht sowieso immer das richtige und man braucht sich so auch keine Sorgen machen.
Zu einem richtigen männlichen Emsländer gehört, dass man in einem Fußballclub „tätig“ ist. Auch wenn man Fußball eigentlich langweilig findet, gehört dieses zum A und O, ansonsten gehört man auch in diesem Falle nicht dazu.
Weibliche Emsländer sind den Männern untergeordnet. Sie haben keine Rechte und müssen zuhause sein, Kinder kriegen, einkaufen und das Haus sauber halten. Aber ein Recht steht ihnen frei: Sie dürfen über ihre Männer lästern. Das hält sie fit und macht selbstverständlich großen Spaß.
Wenn man ein richtiger Emsländer werden will, sollte man die wöchentlichen Kirchgänge nicht vergessen. Hierbei muss man besonders auf seine Kleidung achten und darauf wie man sich in der Kirche verhält. Wehe man macht etwas in irgendeiner Form anders. Dann ist man das große Gespräch im Ort und wird wohl auch nicht dazu gehören können.
Der Garten des Emsländers ist auch sehr wichtig. Es muss alles sehr künstlich und steril gehalten werden, auch wenn einem es nicht gefällt, man will ja dazugehören und bloß nicht auffallen!
Der Kaffeeklatsch der Emsländer ist ein sehr anstrengendes Ereignis. Er findet meist an Sonntagen statt. Hierbei werden die neusten Informationen ausgetauscht, die für die Emsländer entscheidend wichtig und weltbewegend sind. Wie z.B. wer geht mit wem, wer ist gestorben und woran, wer hat sich wieder geschieden. Aber auch Politik ist ein Thema, das man nicht gerne auslässt. Man freut sich, dass jeder die Meinung des anderen teilt: Denn der Staat macht ja alles immer viel zu teuer und falsch. Gefährlich ist es dann, wenn jemand mit am Tisch sitzt, der kein echter Emsländer ist und nicht die Meinung der anderen teilt. Dieser wird nämlich schnell abgelehnt und es wir nicht mit ihm gesprochen.
Der Spaziergang am Sonntag ist für jeden Emsländer überlebenswichtig. Hierbei trägt er eine bestimmte Tarnkleidung, die sog. „Sonntagskleidung“. Es gehört nicht zum guten Ton sollte hierbei diese Kleidung verdreckt werden. Es darf keine unmoderne Kleidung getragen werden, denn nur ein Mensch oder Emsländer der mit dem Trend geht ist normal und gehört dazu.
Ein großes Fest für die Emsländer ist das Schützenfest. Es ist heilig und hat hohes Ansehen. Was aber mehr für Männer geeignet ist. Frauen sind grundsätzlich nicht mit den Männern auf dem Fest zusammen. Männer können an diesem Tag ihre Männlichkeit unter Beweiß stellen und sie endlich mal allen zeigen. Sie dürfen sich sogar wieder in eine ganz andere Zeit zurückversetzten wo Männer das größte Sagen hatten, in die Monarchie.
Dann ist der große endlich Tag gekommen. Alle Männer tragen Uniformen und stellen sich wie beim Militär reihenweise auf und marschieren quer durch den Ort. Nun kann jeder sehen wie toll die Emsländer, besonders die Männer, doch sind. Frauen und Kinder rennen dem Marsch hinterher. Aber eigentlich bräuchte ich diese Gruppe der Emsländer nicht erwähnen, denn wie wir wissen sind wir hier bei den Emsländern. Später dann wird der Vogel abgeschossen. Das ist das größte der Ereignisse für die Männer. Frauen sind hierbei nicht gestattet. Jetzt können sie endlich richtig zeigen was sie drauf haben. Wer den Vogel runterholt wird dann der König und darf jede Menge Geld ausgeben denn er muss den Alkoholdurst vieler Emsländer stillen. Der König darf sich auch seine Königin aussuchen und hat eine Herrschaftszeit von einem Jahr.
Das Schützenfest teilt sich in insgesamt drei Tage auf. Am zweitem Tag ist das sog. Kinderschützenfest. Hier sind die Frauen und die Kinder besonders gestattet. Endlich ist es soweit; nun sind alle emsländischen Frauen auf dem Fest versammelt. Jetzt geht die Tratscherei über Ihre Männer erst richtig los...
Wir sehen was für ein tolles Fest doch das Schützenfest ist. Es sollte auf der ganzen Welt eingeführt werden!
Sie, lieber Leser, Fragen sich bestimmt wie konnte ich, der Autor dieser wissenschaftlichen Untersuchung, nur so viele Informationen über die Emsländer verschriften? Als erstes muss ich zugeben: Ich gehöre auch zum Stamm der alten „Amsiwaren“, wie man sie noch vor langer Zeit nannte, und so bringe ich viel Erfahrung über dieses mystische Phänomen der Menschheit mit. Und zweitens fällt mir es sehr schwer die Stammesregeln einzuhalten und so konnte ich distanziert über dieses Thema schreiben.
Eine Warnung sei noch gesagt: Seien Sie vorsichtig das Emsland sitzt überall. Vielleicht auch bei Ihnen im Ort oder Wohnzimmer...