Thema: Augenblick

  1. #1
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    Augenblick

    Ich wache dem rhythmischen Drängen
    ekstatischer Seelen in flirrendem Licht -
    die müden Pupillen verharren
    auf tanzenden Sphären und nachtschwarzem Haar

    Da bricht der Schlag deines Auges
    durch düstere Schwaden
    und brennt mit gebündeltem Strahl
    dein Herz mir auf adrige Haut

    Verewigt verbleibt dein Gesicht
    im zyklischen Traum

  2. #2
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    Guten Abend andvari!
    Das Gedicht gefaellt mir gut ist irgendwie beeindruckend - ich weis nicht ob beabsichtigt - aber es erzaehlt,wie es ist,wenn ein bestimmter Augenblick,ein bestimmtes Gesicht,die Seele so direkt anspricht,beeindruckt,dass man es nur schwer vergessen kann.Amrei-lyrics
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  3. #3
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    Hallo Andvari,


    Deine Bilder haben mich stark beeindruckt und ich lese Deine Verse immer wieder. Ich habe bisher mehrere Deutungen für mich gefunden, in denen ich die Worte ansiedeln kann. Am häufigsten jedoch denke ich an Tanz, nachts in einer Diskothek, wo in der, es ermüdenden, doch immer noch die ekstatischen Seelen beobachtenden, Halbwirklichkeit das lyr. Ich diesen unnachahmlichen Blick empfängt. Wunderschön!

    Dein Rhythmus ist sehr intensiv, an einer Stelle (jetzt nicht mehr) bin ich immer durch den fehlenden Auftakt gestolpert. Inzwischen lese ich "Da! bricht der Schlag...". Vielleicht könntest Du das sogar so schreiben, damit es klarer wird? Obwohl auch ein xXxXxxXx mich nicht wirklich stört, da das meine Lieblingszeile in Deinem Gedicht ist.


    Sehr gerne gelesen und immer wieder genossen,
    liebe Grüße
    Anke

  4. #4
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    Hallo,

    @Amrei
    Danke für deine Rückmeldung. Man kann natürlich einiges darin sehen und alles, was sich für den Leser persönlich schlüssig daraus interpretieren lässt, ist auch beabsichtigt .
    Aber auch ich sehe genau wie du darin die Beschreibung eines intensiven "(Augen)-Blickes", der sich in die Seele des lyr. Ich und in seine/ihre zyklischen Träume brennt.

    @therzi
    Also ehrlich gesagt ging das jetzt runter wie Öl – danke

    Zur Verdeutlichung meiner Intention beim angesprochenen V1S2 nehme ich mal deine Interpretation zu Hilfe (die mir übrigens sehr gut gefällt): ein lyr. Ich in der „Disse“ (wie ihr wohl bei euch drüben sagt ) es geht schon gegen den Morgen zu und der Rhythmus und die Stimmung sind am kochen (wenn’s denn sein muss, stell dir Technobeats vor – ich denke derweil mal an Losing my Religion von REM ). Eine Menschenmenge in Ekstase, im Rausch, im baren Sein. Das lyr. ich jedoch tritt in eine Metaebene zurück und beobachtet die Dinge von „aussen“. Es lässt seinen Blick schweifen und lässt sich treiben (bei dir "Halbwirklichkeit"). In diesem Moment wird es vom „Augenschlag“ des lyrischen Du getroffen. Es ist wie ein Blitz/Laserstrahl, der plötzlich auf die
    “adrige Haut“ (Netzhaut) und auf das lyrische Ich trifft. An dieser Stelle wollte ich auch den Leser ein wenig aufschrecken und ihn inne halten lassen. Deshalb habe ich die übliche daktylische Metrik bei dieser Zeile verlassen (zumindest beim ersten Lesen wird man zwangsweise „bricht“ und „Schlag“ betonen, was die Metrik bricht). Genau wie das Herz des lyr. Ich, soll hier der Rhythmus des Gedichtes springen, bevor es „weitertickt“.

    Soweit meine Intention. Deine Idee, durch die Betonung des „Da“ den daktylischen Rhythmus weiterzuführen fand ich sehr interessant. Dann wird der Vers dadurch hervorgehoben, dass er betont beginnt.

    Noch mal herzlichen Dank für deine Rückmeldung

    Gruss Andvari

  5. #5
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    Salut Andvari.

    Wie angekündigt, folgt hier nun ein ausführlicher Kommentar von mir. Die anderen Antworten habe ich bewusst nur überflogen. Ich will mir selbst ein Bild von deinem Gedicht machen.


    Ich wache dem rhythmischen Drängen
    ekstatischer Seelen in flirrendem Licht -
    die müden Pupillen verharren
    auf tanzenden Sphären und nachtschwarzem Haar


    xXxxXxxXx, 9
    xXxxXxxXxxX, 11
    xXxxXxxXx, 9
    xXxxXxxXxxX, 11

    Da bricht der Schlag deines Auges
    durch düstere Schwaden
    und brennt mit gebündeltem Strahl
    dein Herz mir auf adrige Haut


    xXxxXxXx*, 8
    xXxxXx, 6
    xXxxXxxX, 8
    xXxxXxxX, 8

    Verewigt verbleibt dein Gesicht
    im zyklischen Traum


    xXxxXxxX, 8
    xXxxX, 5

    *Mehrere Möglichkeiten sind möglich, da sich diese Zeile nicht klar dem sonstigen zugrunde liegenden Rhythmus deines Werks unterwirft

    Ansonsten gestaltest du ein relativ anspruchsvolles Metrum in Daktylen. Aber: Erst bei der formellen Aufschlüsselung fielen mir die Regelmässigkeiten genau auf. Beim ersten Lesen hatte ich eher das Gefühl, du würdest mit einem freieren Schema arbeiten. Die Schuld daran teilen sich wohl mein Sprachgefühl und deine doch z.T. sehr unterschiedlich in der Anzahl gesetzten Hebungen.

    Sprachlich überzeugt mich dein Gedicht insgesamt. Allerdings gibt es zwei Stellen, bei denen ich eventuell nach Alternativen suchen würde:
    "in flirrendem Licht"; natürlich eine Geschmackssache. Vorschlag: in flimmerndem Licht oder in flackerndem Licht
    "dein Herz mir auf adrige Haut"; klingt eher altmodisch in deinem sonst modernen Gedicht. -> mir dein Herz auf adrige Haut, wobei bei dieser Alternative dein Metrum zu leiden hätte: XxXxXxxX würde ich es dann eher betonen

    Inhaltlich kann ich dir nur meine Begeisterung aussprechen. Ein sehr solides Werk, für welches ich persönlich keinen Autoren-Schlüssel brauche, um es zu öffnen. Der Inhalt erscheint mir sogar sehr klar, aber das schadet deiner Metaphorik meines Erachtens nicht.
    Kurzversion meiner Interpretation: Das lyr. Ich sitzt in einer Bar oder Disco, in der heftig getanzt wir. Das lyr. Ich betrachtet das Geschehen von aussen und erblickt das lyr. Du und ist hin und weg. Ein Augenblick, welcher dem lyr. Ich noch lange in Erinnerung bleiben wird.
    Wer kann schon (polnischem *hust* Das hätte ich jetzt nicht sagen dürfen ) nachtschwarzem Haar widerstehen?

    Das Lämmchen verbleibt schmunzelnd und möchte noch einmal betonen, wie sehr ihm dein Gedicht zugesagt hat.

    Lieba Gruess ù btw: schöni Ferie,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  6. #6
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    Hallo olaja,

    Zunächst mal ontopic:

    Deine Gedanken zur Form sind mir eine sehr gute Reflexionshilfe. Tatsächlich hatte ich die erste Version des Gedichtes in freier Form gestaltet und mich dann für diese (mit der genannten Ausnahme) daktylische Ausarbeitung entschieden, um den Rhythmus und den Fluss der Szenerie zu unterstreichen. Es scheint so, als ob dies – äh sagen wir mal „passabel“ gelungen ist ...
    Vielleicht wäre sogar die radikalere, freiere, sozusagen „olajaeskere“ erste Version besser gewesen – aber diese Frage will ich mir jetzt gerade nicht stellen, sonst mache ich nachher kein Auge zu

    Deine zwei Vorschläge stossen bei mir auf unterschiedlich viel Gegenliebe:
    1. „in flirrendem Licht“ hat bei mir irgendwie einen Stein im Brett. Ich finde es passt klanglich (sozusagen durch das überstrapazieren des hellen „i-Themas“ in der gesamten Zeile) sehr schön zu meiner Vorstellung der hellen Lichtblitze und zum (flirrenden?) Geisteszustand des lyr. Ich. „flackerndes Licht“ würde der Zeile einiges an der i-Helligkeit nehmen und sie ziemlich „abdunkeln“. „flimmerndem Licht“ wäre natürlich nahe liegend und etwas konventioneller. Zudem hat es genau so viele „i“ und „e“ wie mein „flirrendem“ – ähem langsam gehen mir die rationalen Argumente aus – ich find’s halt irgendwie schön und verträgt sich in meiner Vorstellung gut mit den flirrenden und tanzenden Lichtsphären, die auf dem nachtschwarzen Haar zu begutachten sind

    2. „mir dein Herz auf adrige Haut“ mmmh da hast du schon recht. „dein Herz mir auf..“ kommt natürlich ein wenig auf Stelzen daher... Hier geht’s rein um die Grundsatzfrage, ob man die Form wahren will oder nicht. Muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen – danke.

    Zur Interpretation: Klar, jeder gute Kryptograph ist auch ein guter Kryptoanalytiker . Deshalb findest du hier offensichtlich schnell eine schlüssige Interpretation. Nur das mit der Herkunft des nachtschwarzen Haares würde ich mir noch mal überlegen (siehe offtopic-Bemerkung unten).

    offtopic:
    Deine Anspielung bez. der Herkunft des nachtschwarzen Haares liess mich nun doch etwas verwirrt (und schmunzelnd) zurück. Würde mich nur zu sehr interessieren, wie du darauf kommst (ich habe da eine nicht „postfähige“ persönliche Theorie). Wär’s möglich mich mit einer PN kurz aufzuklären (kann nur ein Satz sein)? Wäre nett und liesse mich nicht im Dunkeln tappen...

    Gruss und schöne Ferien auch dir

    Andvari

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