1. #1
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    Oh seht her, ein Schmetterling.
    Flattert umher, im Kreises Ring.
    Er schlägt seine Flügel immerzu,
    fliegt ganz schnell ohne ruh.
    So erstrahlt er in den Farben rot.
    Er wirkt ganz schwach, er ist bald tot.

    Oh seht her, da ist der Mond,
    so sanft das Licht was in ihm innewohnt.
    Er zieht seine Bahnen, gibt auf uns acht.
    Er scheint so hell, wie in jeder Nacht.
    So schwebt er umher, ganz froh und munter.
    Doch löst er sich auf, er geht bald unter.

    Oh seht her, da bin ja ich,
    freudig lachend, doch weinend innerlich.
    Von Zeit zu Zeit, da wächst das Glück.
    Tag ein Tag aus, Stück für Stück.
    Und doch vom Pech nicht verschont,
    bin ich ein Schmetterling, und auch der Mond.
    [Geändert durch Nico5 am 07-07-2005 um 00:41]

  2. #2
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    Hallo Nico5!


    Untersuchen wir mal Dein Gedicht, vielleicht erkennst Du ja so Dinge, die Dir bisher nicht bekannt waren.

    Es gibt etwas wie Silben und Gedichte verwenden oft die gleiche Anzahl derselben pro Vers, damit man sie gut lesen kann. Ausserdem lassen sich so die Regeln der Metrik, also der Lehre von betonten und unbetonten Silben, leichter einhalten.

    Untersuchen wir beides mal in Deinem Gedicht:

    Metrik und Silben (Anzahl)

    XxXxXxX (7)
    XxxXxXxX (8)
    XxXxXxXxX (9)
    XxXXxX (6)
    XxXxXxXxX (9)
    xXxXxXxX (8)

    Oh weh, oh weh. Frohgemut an dieses Gedicht herangegangen und nun das.
    Verzeih, dass ich nicht die Kraft habe, die Metrik weiter als bis zum Ende der ersten Strophe zu untersuchen. Aber ich habe irgendwie keine Hoffnung, dass es besser wird und schon jetzt habe ich Kopfschmerzen bekommen. Alles Weitere wäre reiner Masochismus.
    Dieses Gedicht ist, metrisch gesehen, eine Folterkammer – keine andere Bezeichnung möglich, sorry.

    Reimschema:
    aabbcc, für alle Strophen.
    Reimwiederholung und Wortwiederholung der S2Z1 und S3Z6 stoßen bitter auf, zumal das Reimschema extra schlicht gewählt wurde.
    Wenigstens sind nur echte Reime zu erkennen.

    Besonderheiten:
    Die Strophen werden jeweils mit „Oh seht her“ eingeleitet.
    Wenn ich das sagen darf, eine eher einfältige Formulierung, deren Sinn ich nicht zu erkennen vermag und deren penetrante Wiederholung mich daher eher langweilen würde, wäre da nicht dieser permanente Stich den sie auslöst.

    Der Inhalt:
    Ich wage kaum eine Interpretation, denn auch da fürchte ich erneute Qual.
    Aber was solls.
    Das lyr. Ich ist also ein roter Schmetterling.
    Wer sich also unbedingt auf die Suche nach Bildern begeben will, der findet hier vielleicht „flatterhafte Liebe“.
    Und wenngleich es kaum vorstellbar ist, dass es so gemeint wird, scheint in diesem Gedicht so ziemlich alles möglich.

    Ach ja, und das lyr Ich ist ein Mond – der jeden Tag „gleich hell“ scheint.
    Wer noch Denken will und vor allem kann und dem Gedicht eine Absicht in dieser Natur vergessenden Formulierung zutraut, der mag daraus lesen können, dass dieser spezielle Mond quasi eine eigene Energiequelle besitzt oder ist und so auch seiner Wächterfunktion gerecht werden kann.
    Eine vitale „Frohnatur“ also, die andere erfreut und ab und zu behütend eingreift?
    Doch in dieser Lesart richten sich sofort alle Hoffnungen eines Lesers, „weinend innerlich“, auf das Wort „bald“ und seine wechselnden Begleiter.

    Auf gut Deutsch, ich werd daraus nicht schlau und schlussfolgere als Leser dieses Gedichts:
    Es gibt einfach keinen Sinn.

    Das wiederum passt dann gut in das einzige eindeutige Bild:
    Ein grauenhaftes Gedicht, aber immerhin:
    ein Gedicht – das erkenn ich nicht überall an.
    Nimm’s also als positive Resonanz.
    Das, und dass nach allem was ich lesen musste, zumindest die Kategorie richtig gewählt wurde und nicht zuwenig verspricht.

    So kann das Fazit nur lauten:
    Kompliment. Du hast es geschafft den strahlenden Himmel der Lyrik zu verdüstern mit einem wirklich traurigen Gedicht

    Schönen Gruß

    bet
    [Geändert durch beteigeuze400 am 07-07-2005 um 12:15]
    Dir gefällt meine Kritik nicht?
    Dann mach’s doch besser!


    Heißes: Protasis
    Romantisches: Sinnenschranken - Schier Maßlose Sucht
    Düsteres: Purgatorium - Rote Rache
    Nachdenkliches: Der gute Mensch - ich bin
    Humorvolles: Der Pfau
    Natürliches: Haiku! (keine Diskussion) - Haiku (oder der 2. Versuch...) - Haiku (steckt an) - Schon mal gesehen?
    Experimentelles: k ö n i g s m o r d
    Kritisches: Jemand ne idee? - mal so richtig ausgekotzt
    Bewundertes: Sternstündlich - Ich bereue nicht - Der Kelch - Der Umzug - The Man II
    Außergewöhnliches : meine gedichte...

  3. #3
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    Hallo beteigeuze400,

    erst einmal danke für deinen langen Beitrag!
    Deine Kritik allein sehe ich schon als Kompliment.
    Ich will das jetzt nicht so in die Länge ziehen, also:

    -Ich bin der Meinung das die Metrik in Gedichten wichtig ist. Dennoch ist sie nicht ausschlaggebend für die Qualität.

    -ich habe bewusst ein schlichtes Reimschema gewählt, um die Interpretation nicht unnötigt zu erschweren.

    -In dem Gedicht ist Sinn und Logik enthalten. Ich weiß das sie schwer zu finden sind, aber sie sind da! Die Schwerpunke liegen dabei nicht in den einzelen Strophen.
    Um das Gedicht verstehen zu können, muss man sich nur mal die gesetzten Bilder anschauen und diese mit dem Schlussreim zusammen führen. Dann noch ein schneller Blick auf die Überschrift und schon müsste die Interpretation leichter werden (hoffendlich).

    Danke nochmal für deine Kritik.

    PS.: ich hoffe wir können den Konflikt von Gestern vergessen.

  4. #4
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    Hallo Nico5!

    Ich will nicht unerbittlich erscheinen, aber:
    Ich bin der Meinung das die Metrik in Gedichten wichtig ist. Dennoch ist sie nicht ausschlaggebend für die Qualität
    kann man über Reime sagen, und wird nur allzu gerne von jenen angeführt, die meinen keine feinen, reinen Reime reimen zu können. Aber Metrik ist nun ohne Zweifel sehr ausschlaggebend für die Qualität eines Gedichts.

    Und mindestens eine einheiltliche oder strukturierte Silbenzahl in den Versen kriegt wirklich jeder hin. Und wenn er dabei auch nur dann soviele sinnlose Füllwörter doch nun noch benutzen muss, bis es passt.

    Und was Bilder, Sinn oder gar Logik dieser Zeilen betrifft, die Interpretation also, wäre ich doch sehr dankbar, wenn Du diesbezüglich es doch etwas in die Länge ziehen wollen würdest.

    Schönen Gruß

    bet
    [Geändert durch beteigeuze400 am 07-07-2005 um 13:30]
    Dir gefällt meine Kritik nicht?
    Dann mach’s doch besser!


    Heißes: Protasis
    Romantisches: Sinnenschranken - Schier Maßlose Sucht
    Düsteres: Purgatorium - Rote Rache
    Nachdenkliches: Der gute Mensch - ich bin
    Humorvolles: Der Pfau
    Natürliches: Haiku! (keine Diskussion) - Haiku (oder der 2. Versuch...) - Haiku (steckt an) - Schon mal gesehen?
    Experimentelles: k ö n i g s m o r d
    Kritisches: Jemand ne idee? - mal so richtig ausgekotzt
    Bewundertes: Sternstündlich - Ich bereue nicht - Der Kelch - Der Umzug - The Man II
    Außergewöhnliches : meine gedichte...

  5. #5
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    Zur Interpretation:

    Die erste Strophe beschreibt einen wunderschönen Schmetterling der kurz vorm Tode steht.
    Viel gibt es da nicht zu interpretieren.
    Sie sagt lediglich aus das alles im Leben vergänglich ist.

    Die zweite Strophe beschreibt den Mond, der ebenfalls vergeht (im Sinne von untergehen).
    Auch hier gibt es nicht viel zu interpretieren.
    Die Bilder an sich sollen im Vordergrund stehen.
    Das ist wichtig, da sie auf die 3.Strophe einwirken sollen.

    Nun zur 3. und wichtigsten Strophe.
    Hier kommt das lyrische Ich ins Spiel.
    In der letzten Strophe wird das allgegenwärtige Glück in Szene gesetzt.
    Selbst das größte Glück vergeht einmal. Das selbe trifft auch auf das Pech zu.
    Dann kommt die Aussage ich bin ein Schmetterling und auch der Mond.
    Dieser Satz soll nur auf die gesetzen Bilder
    hinweisen.
    Zu guter Letzt: Alles im Leben ist vergänglich, und wir können nichts dagegen tun!
    [Geändert durch Nico5 am 08-07-2005 um 15:58]

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