Irgendwie sieht es ein bisschen aus wie ein Stück Käse -
Oder der Verstand im Einmach Glas

Es ist noch früh am Morgen, als sich das Licht in Dr. Messlers Zimmer automatisch anschaltet und langsam immer heller wird – heute würde ein guter Tag… das hat er so im Gefühl.
Sein Projekt hat im letzten halben Jahr unglaubliche Fortschritte gemacht und soll nun bald der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Das Projekt an dem er arbeitet wurde schon von seinem Vater betreut – und von dessen Vater – 200 Jahre akribische Genauigkeit und unermüdliches Forschen.
Aber die Mühe wird sich sicher lohnen, den „absoluten Verstand“ zu finden, welcher Wissenschaftler träumt nicht davon?!

Noch ist im Labor kein Licht zu sehen, wieder einmal ist er der erste – wie jeden Morgen… und wenn nichts dazwischen kommt, ist er auch heute ganz sicher wieder der Letzte der gehen wird.
Würde man ihn fragen, würde er vermutlich behaupten, dass er die morgendlichen Routine Tests genießt… würde behaupten, seine ganze Leidenschaft gilt der Forschung.

Vorsichtig öffnet er den Save, nimmt den Glaszylinder heraus, in der dieser gelbe weiche Klumpen schwimmt, hält ihn gegen das ungemütliche Neonlicht und murmelt etwas wie: „Naja das es einmal so aussieht hätte ich nicht gedacht – aber wichtig ist nur dass es funktioniert“.

Mit äußerster Sorgfalt setzt er das Röhrchen in eine Art Halterung ein, von der sich allerlei Drähte und Schläuche in die verschiedensten Ecken des Gebäudes schlängeln.

Auf der großen Bedienungskonsole bemerkt er eine kurze Notiz, die an einem der zahlreichen Monitore klebt: „Heute Analysefunktion testen“.

Dr. Messler drückt einen der vielen Knöpfe und spricht in einen kleinen Schlitz mit lauter und deutlicher Stimme: „Analyse Protokolle Laden. Zu Analysierender Begriff“ – er hält kurz inne, schaut sich ängstlich um und sagt dann mit merklich gedämpfter Stimme „Emotion“.

Nach einigen Sekunden zeigt der Bildschirm das Ergebnis:
- Psychische Befindlichkeit, meist im Gegensatz zur gegenständlichen Wahrnehmung.
- Die begriffliche Erfassung des Phänomens wird durch seine Uneinheitlichkeit erschwert.
- Oft stärker als der Wille – Ausgangspunkt für Ineffektivität.

Kurz kontrolliert er mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck das seiner Meinung nach logisch richtige Ergebnis, das der absolute Verstand aus Faktenwissen und Geschichtlichen Daten zusammengesetzt hat… nur selten gibt es so wenig Probleme wie heute morgen!

Gerade als er den Kopf wieder in Richtung des kleinen Schlitzes drehen will, hört er, wie hinter ihm eine Tür zufällt…

„Guten Morgen, Markus“

„Wer sind sie, wie sind sie hier rein gekommen?“

„Nun ja die Tür war offen… „
„Und was suchen sie hier wenn ich sie fragen darf?“

„… mein Name ist Dr. Sukram Relssem und ich bin hier um sie zu warnen“

„Wieso sollten sie mich warnen müssen?“

„Nun ja, ich habe letzte Woche glücklicherweise über ihr Projekt gelesen – niemand nimmt sie ernst - ich schon, und gerade deswegen habe ich am meisten Sorge.“

„Sorge? Wovor? Wenn alles nach Plan läuft, dann sind schon bald viele Probleme dieser Welt beseitigt.“

„Dr. Messler, sie müssen ihr Projekt abbrechen…“

„Unter keinen Umständen!“

„Bitte hören sie sich an, was ich zu sagen habe!“

„Machen sie sich keine Hoffnung, dass ich etwas auf ihre Phrasen gebe, aber meinetwegen… Sie haben 15 min Zeit, um mir ihren Standpunkt während meines Frühstücks zu erläutern… Soll ja keiner sagen können, ich würde nicht seriös arbeiten.“

„Ich danke ihnen vielmals – Ich hoffe so können wir in ein Gespräch kommen… Nun Markus, können sie mir ihre Vision in einigen kurzen Worten darlegen?“

„Für Sie immer noch Herr Dr. Messner, aber nun gut, ich möchte etwas erschaffen, das die Evolution beschleunigt, die Entwicklung der Menschheit in eine dauerhafte Revolution versetzt.“

„Man stelle sich also vor, dass die Menschheit heute nur noch wenige Jahre davon entfernt ist, ihre letzte leidige Pflicht abzulegen – das Denken wird in Zukunft Jemand anderes für uns übernehmen, Jemand, oder besser gesagt Etwas, das mit einer hundertprozentigen Effizienz an alle Probleme geht – ist das so richtig?“

„Sie formulieren das ein wenig Barsch… finden sie nicht?“

„Das ist Ansichtssache – was macht gerade ihre Maschine so besonderes?

„Nun… Sie lernt von der Geschichte, definiert sich ihre Ziele selbst, versucht dem Menschen Arbeit abzunehmen, analysiert Wissen um es neu zusammen zusetzen und mächtiger zu machen.“

„Schon immer war die Menschheit dazu gezwungen alles auseinander zunehmen – es in seiner Gesamtheit zu zerstören – und irgendetwas Hässliches aber nützliches daraus zu formen – was uns die Natur nicht gegeben hat, das holen wir uns eben selbst!
Generell stehen sich die Menschen nicht so gut mit der Natur wie es andere Lebewesen tun, ja man könnte fast meinen wir wären Feinde.
Es wird zu kalt? Wir heizen! Da ist Leben, wo es nicht sein soll – wir töten es! Der Wald da steht falsch – roden wir ihn!
Wir haben solange rumgetüftelt, auseinander genommen und wieder zusammengesetzt, bis wir Mächtig genug waren, all das, was wir hier unten kennen Mehrmals für immer auseinander zu nehmen…. PLANET GIB ACHT – wir, die Menschen, sind eine Atom Macht – lass dich ohne Widerstand anpassen oder geh unter!
Weder die Menschheit noch der Planet würde eine solch rasante Entwicklung verkraften…“

„Das ist doch absurd!“

„Hören sie mir zu:
Was haben sie heute Morgen gedacht als sie aufgestanden sind? Sie dachten doch: Bald kann ich etwas Handfestes präsentieren, das ist ein guter tag…“

„Woher…“

„Nun ja, es geht noch weiter, sie empfinden Freude an ihrer Arbeit, der Forschung? Was würden sie tun, wenn alles was man empfinden kann bald als irrational eingestuft und getilgt würde, auch ihr Verstand wäre nicht stark genug um das auszuhalten…
Das Volk braucht Brot - das Menschliche und der Charakter, die Spiele, die Kunst, den Kontakt zu anderen Menschen, wir würden in einer solch entfremdeten Welt nicht lange überleben – solche Dinge kann man nicht berechnen oder vorhersehen, sie können oft Irrational wirken oder völlig neue Züge annehmen… “

„Ich warne sie, gehen sie nicht zu weit“

„…Dr., Sie sehen, nicht nur der Mensch würde daran zerbrechen, auch unser Planet würde sich von einem derart schlagartigen Wechsel in Flora und Fauna, der bei ihrem Plan ohne Zweifel eintreten wird, nicht mehr erholen…
Wenn sie der Menschheit helfen wollen, dann versuchen sie bitte nicht gerade diese zu gut funktionierenden Robotern zu programmieren sondern erhalten sie das menschliche…“

„Ok das genügt… so etwas muss ich mir in meinem Büro wirklich nicht gefallen lassen… bitte verschwinden sie, hier muss alles nach Plan laufen!“
Der Dr. dreht sich um und der Besuch ist plötzlich verschwunden - ohne ein Indiz seiner Anwesenheit hinterlassen zu habe.

Kurz zwirbelt er an seinem Bart und denkt sich: „Von so einem Zwischenfall lass ich mich nicht aus der Ruhe bringen… das wird ganz sicher ein guter Tag… wahrscheinlich brauche ich einfach mal wieder etwas Schlaf… so was hab ich im Gefühl!“


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Hab das zu einem Bild des Illustrators Dekgwitz geschrieben, find es aber leider nicht im netz, würde es aber gerne dazu zeigen...

Ansonsten wird bestimmt jeder Bukowski Fan die einfach nur geniale und irgendwie lustige Idee den Verstand materialisiert als Stück Käse darzustellen entdeckt haben.... fand ich aber einfach zu lustig - musste rein

Naja, ich würd ich micht über Kritik und Meinung freuen.

Mit den besten Grüssen
Der Dicke Dude