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Thema: anomie

  1. #1
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    die finger schälen die nacht
    im takt des dröhnens der russfiltermaschine
    in den boden der tatsachen hinein.

    es blinkt ein leuchtturm, sorry,
    plastik bricht porzellan nicht,
    asphalt brennt, rennen, ein strassenkampf

    die roboterpackungen singen eine arie,
    subtil im spiegel, über dem fluss
    lauert die lerche, liebe, lie

    belanglosigkeiten stehen daneben, der
    norden dreht, die familie ist gesund, ter-
    ror, lasst uns spielen, die welt ist ein

    spielplatz, drei zeilen für
    jeden freund, fünf strophen
    für mich selbst, der rest ist

    stille


    nicht gewidmet

    donnerstag - nie wieder
    fernsehzimmer

    Ahora soy un axolotl. Julio Cortazar

    Malgré soi, on est de son siècle. Auguste Comte

  2. #2
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    hallo wasfüreingefühl
    .
    mit abstand das beste was ich seit langem gelesen habe.
    vollkommen neue wörter interessant zusammengestellt.
    das ist poesie nach meinem verständnis.
    da ist raum für interpretationen und überlegungen.
    die sprache fließt.
    schön finde ich auch :


    lie
    belanglosigkeiten


    super wortspiel.
    das thema ist insgesamt düster.
    das wird vom titel reflektiert.
    gefällt mir gut.

    grüße rudi

  3. #3
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    Salut wasfüreingefühl.

    Im Prinzip möchte ich mich rudi menter anschliessen. Es sind überzeugende Worte, die du präsentierst.

    Dennoch gibt es für mich Unstimmigkeiten oder nennen wir sie einen generellen Bereich, der sich für mich nicht erschliesst: Die zweite Strophe.
    Einerseits springst du vom Leuchtturm zu Plastikporzellan und Strassenrevolten, andererseits finde ich dieses "sorry" in deinem Werk grässlich. Warum lässt du es nicht weg? Und warum Plastik kein Porzellan bricht in diesem Zusammenhang verstehe ich auch nicht.

    nicht gewidmet dafür erntest du bei mir ein: und wenn ich nun deine Worte noch einmal überdenken (denn ausser der zweiten Strophe habe ich doch eine relativ klare Vorstellung vom Inhalt), passt diese bewiesene Anonymität am Schluss hervorragend.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  4. #4
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    hallo wasfüreingefühl, hallo olaja

    ich würde gerne auch noch ein wort zu : sorry
    sagen.
    also eigentlich empfinde ich jegliche art von englischen wörtern
    in deutschen gedichten als unpassend. auch fremdwörter klingen
    m.E. oft nicht schön, weil sie keine deutschen sprachwurzeln haben.

    aber im fall von deinem "sorry" mache ich eine ausnahme,
    weil du diesen anglizismus bewußt und sparsam benutzt.
    inhaltlich verstehe ich das so wie : der leuchtturm blinkt,
    tut mir leid, aber da kann ich auch nichts dafür.

    bleibt noch zu sagen, daß in deutschland "sorry" schon den status
    einer normalen entschuldigung hat. es ist m.E. fast schon kein fremdwort mehr.

    grüsse rudi

  5. #5
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    Was ist Deutschland?

    Umgangssprachlich meinetwegen, aber nicht in einem Gedicht. Sorry.

    Dass es sich dabei um ein "Entschuldigung, die Leuchttürme blinken nun mal" handelt konnte ich auch nachvollziehen, aber eben: Zum Rest der Strophe konnte ich keinen Zusammenhang herstellen.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  6. #6
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    hallo ihr beiden

    ich danke euch für das lob und möchte gern zur zweiten strophe stellung nehmen. der leuchtturm stellt einen kontrast zur in der ersten strophe skizzierten nacht dar. das sorry könnte man so interpretieren wie rudi menter oder als einfache entschuldigung des autors dafür, dass das bild des leuchtturms nicht ins gesamtkonzept passt und den leser verwirrt.
    du hast schon recht, olaja, die zweite strophe ist etwas zerfahren. aber das ganze gedicht ist in diesem stil geschrieben (die vielen kommas, abgehackten sätze etc.) und deshalb werde ich sie (vorläufig) so belassen, denn vom inhalt her passt sie durchaus ins konzept der anomie (=regellosigkeit, verlorenfühlen, abwesenheit von normen).

    mfg
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  7. #7
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    Hallo wasfüreingefühl,

    sehr nettes Gedicht, obwohl ich mich mit der Interpretation noch schwer tue. Aber die Wortwahl hat eine sehr schöne Bildlichkeit.

    Mal allgemein... Es ist doch eine "rußfiltermaschine" und keine "russfiltermaschine" und auch nicht "strassenkampf" sondern "straßenkampf". Oder ist das beabsichtigt? Ansonsten gilt doch, nach langem Vokal ein ß. Aber solche Sachen ließt man ja zu häufig, auch nicht den Medien. Da gab's doch zum Beispiel so einen Film, der hieß "Barfuss"
    "Der Gott, der mir im Busen, kann tief mein Innerstes erregen; Der über allen meinen Kräften thront, er kann nach außen nichts bewegen."

    Goethe, Faust

  8. #8
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    Mal allgemein... Es ist doch eine "rußfiltermaschine" und keine "russfiltermaschine" und auch nicht "strassenkampf" sondern "straßenkampf". Oder ist das beabsichtigt? Ansonsten gilt doch, nach langem Vokal ein ß. Aber solche Sachen ließt man ja zu häufig, auch nicht den Medien. Da gab's doch zum Beispiel so einen Film, der hieß "Barfuss"
    tja ja das ess-zett schleicht sich so an manchen stellen ein.
    da sag ich nur:

    grüsse rudi

  9. #9
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    Auweia... Da habe ich ja mal so gar nicht aufgepasst. Na hauptsache ich beschwere mich *schäm* Kann ich das noch als Versehensfehler bezeichnen? *weiter schäm*
    "Der Gott, der mir im Busen, kann tief mein Innerstes erregen; Der über allen meinen Kräften thront, er kann nach außen nichts bewegen."

    Goethe, Faust

  10. #10
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    hallo Eisstille

    auf die doppel-s fehler wurde ich hier schon mehrere male aufmerksam gemacht. das problem ist einfach: ich komme aus der schweiz und hier wird alles mit zwei s (ss) geschrieben, egal ob jetzt ein langer oder kurzer vokal davor steht. auch in der schule werden die entsprechenden regeln nicht gelehrt und dementsprechend nicht verinnerlicht.
    ausserdem gibt es auf meiner tastatur gar kein doppel-s zeichen. wo befindet es sich denn auf deutschen tastaturen?

    mfg
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  11. #11
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    @wasfüreingefühl

    Das tut mir leid, wusste nicht, dass du aus der Schweiz kommt. Entschuldige mich hiermit. Auf deutschen Tastaturen liegt das ß auf der gleichen Taste wie das Fragezeichen.
    "Der Gott, der mir im Busen, kann tief mein Innerstes erregen; Der über allen meinen Kräften thront, er kann nach außen nichts bewegen."

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  12. #12
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    ihr armen schweizer habt kein ß auf eurer tastatur

  13. #13
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    Dafür können wir é, è oder auch à schreiben, was wohl euch Deutschen nie gelingen wird.

    @wasfüreingefühl:
    "das sorry könnte man so interpretieren wie rudi menter oder als einfache entschuldigung des autors dafür, dass das bild des leuchtturms nicht ins gesamtkonzept passt und den leser verwirrt."

    Der Leuchtturm selbst verwirrt mich im Prinzip nicht, aber vor allem der Rest der zweiten Strophe. Ich bleibe dabei: Das sorry will mir nicht gefallen.

    "du hast schon recht, olaja, die zweite strophe ist etwas zerfahren. aber das ganze gedicht ist in diesem stil geschrieben (die vielen kommas, abgehackten sätze etc.) und deshalb werde ich sie (vorläufig) so belassen, denn vom inhalt her passt sie durchaus ins konzept der anomie (=regellosigkeit, verlorenfühlen, abwesenheit von normen)."

    Vielleicht zerfahren, ja; aber inhaltlich trotzdem einem Konzept folgend. So weit ich das zumindest beurteilen kann oder interpretiere. Genau damit habe ich in der zweiten Strophe Mühe.

    P.S: Wir veranstalten ab und zu kleinere und grössere CH-Treffen vom Forum aus (obwohl es immer schwer ist ein Datum zu finden). Wenn du Interesse hast werde ich dich nächstes Mal auch benachrichtigen. (Siehe auch im Wohnzimmer +CH+ Faden).

    Lieba Grues,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  14. #14
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    offtopic:
    @olaja
    schau mal her : è é à

  15. #15
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    Da ich immer mal wieder mit einer nicht deutschen Tastatur Deutsch schreiben muss, kann ich mal spontan einwerfen, dass das "ß" = ALT+225 ist.

    Nur so btw.

    Schönen Gruß

    bet
    Dir gefällt meine Kritik nicht?
    Dann mach’s doch besser!


    Heißes: Protasis
    Romantisches: Sinnenschranken - Schier Maßlose Sucht
    Düsteres: Purgatorium - Rote Rache
    Nachdenkliches: Der gute Mensch - ich bin
    Humorvolles: Der Pfau
    Natürliches: Haiku! (keine Diskussion) - Haiku (oder der 2. Versuch...) - Haiku (steckt an) - Schon mal gesehen?
    Experimentelles: k ö n i g s m o r d
    Kritisches: Jemand ne idee? - mal so richtig ausgekotzt
    Bewundertes: Sternstündlich - Ich bereue nicht - Der Kelch - Der Umzug - The Man II
    Außergewöhnliches : meine gedichte...

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