Thema: Fall

  1. #1
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    Fall

    Erkaltend liegt des Lebens alte Glut,
    Von der das rote Blatt noch traurig lügt,
    Zerstreut zu Aschen von der Stürme Wut
    Hat fahles Grau am Ende doch obsiegt,
    Wenn bricht und welkt, was früher grün und zart.

    Mag fallend Laub ein Leichentuch auch weben,
    Das frohes Treiben schweigend still erwürgt,
    Mag alter Baum die Äste klagend heben! -
    Doch Ioves Wort, das neuem Leben bürgt,
    Wird sterbend tief im Innersten bewahrt.

    Verblassend grau erscheinen ferne Tage.
    Was nicht vergessen, hat die Zeit gebleicht;
    Dem Alten bleiben Kummer, Schmerzen, Plage,
    Und lang bevor der Tod die Hand ihm reicht,
    Weiß er sich schon auf blindes Nichts gebahrt.

    Wo ist der Sohn? - Die Augen, trüb, gebrochen!
    Und seine Hand? - Ach, könnt ich meine heben!
    Vergessen, Tod! - Da kommen sie gekrochen! -
    So frisst bald Furcht, bald Hass des Alten Leben;
    Was bleibt, ist seine Seele, schwarz und hart.
    Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

  2. #2
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    48
    Hi MoE

    Verblassend grau erscheinen ferne Ta.ge.
    Was nicht vergessen, hat die Zeit gebleicht;


    Das sind zwei wirklich schöne Zeilen.
    Kann ich mir bildlich vorstellen

  3. #3
    Registriert seit
    Dec 2004
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    162
    Guten Tag verehrte Poetessen und Poeten, Anonym!
    Seien Sie gegrüßt geehrter MoE!

    Sehr gerne gelesen, was mich beeindruckt hier, ist die Anbindung Tod – Fall - Hass etc. Für mich Parallele zu den Nachkömmlingen des gefallenen Engels – nämlich zu seiner Tochter: der Sünde und ihrem Sohn: dem Tod.

    Die Vergänglichkeit wurde hier so nahe bildhaft dargestellt, dass man den Hauch des „verhaßten“ Anarchen förmlich im Nacken spürt...

    Dieser „Fall“ sowie mein Eigner wird mich persönlich noch weiter beschäftigen, bedanke mich für die Lesekost dieser Art,

    mit freundlichen Grüßen das Umstandswort.


    "Die Bläue meiner Augen ist erloschen in dieser Nacht,
    Das rote Gold meines Herzens. O! wie stille brannte das Licht.
    Dein blauer Mantel umfing den Sinkenden;
    Dein roter Mund besiegelt des Freundes Umnachtung."
    - Georg Trakl




  4. #4
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    Beiträge
    89
    Guten Morgen allerseits,
    Zunächst das obligatorische - hier einmal auch ernst gemeinte - Dankeschön für die Resonanz.

    Mein Allerverehrtester,
    Wie angemerkt, ist (der) "Fall" hier mehreren Lesarten zugänglich, wobei ich da ganz sicher Milton im Hinterkopf hatte (wie Ihnen ja nicht entgangen ist), mithin aber war die schlichte kontrastive Gegenüberstellung der Vergänglichkeit des Nichtbesselten und der des Menschen grundlegend wie strukturbildend.

    Freut mich, dass es gefallen hat.
    Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

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