1. #1
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    Zeit der Nacht

    Ich suchte die Ruhe als sich der Tag dem Ende neigte.
    Die Sonne senkte sich und der Bergeskamm kleidete seine Tiefen in das Gewandt der Nacht.
    Ein rötlicher Schimmer erwärmte mich ein letztes Mal, des Tages Gutenachtkuss auf meiner Wange, er nahm Abschied.
    Auf meinem Lager sah ich gen Himmel, und mit einer Träne schloss ich mein müdes Aug.
    Wenn ich wohl auf des Berges Gipfel stünd, könnt ich ihm nachsehen. Könnte sehen, wohin er geht, ohne einen Blick über seine Schulter.
    Vielleicht würde er noch einmal an mich denken. Aber aufhalten konnte man ihn nicht, seine Sehnsucht seinen Geliebten wiederzusehen machten ihn zu einem Kind des Weges.
    Nichts sollte seinen Lauf krümmen, noch sich entgegensetzen, so wollte der Liebende zum Zeichen seiner Liebe.

    Und als ich nun sah, war seine Schwester gekommen und bedeckte mich, auch wenn der Weinende seinen Schmerz des Tages verbirg, so verbirgt sie seine Tränen der Trennung. Sie kennt den Trauernden, wenn er in ihr sein Leid befreit, Sie kennt den Tröstenden, wenn er seine Boten sendet. Sie kennt den Liebenden und den Geliebten, wenn sie sich in ihr treffen, und hält ihr Geheimnis. Und hält man inne zu ihrer Stund, hört man aus ihrer Welt den Sang des Liebenden, ganz leis und fern.
    Ein sanfter Wind trug seine Melodie von Malakut, so stimmte ein das Zerbrochene und brannte. So schmolz und schmilzt das Unvollkommene mit den Fehlenden. So wollte der Liebende den Liebenden zum Zeichen seiner Liebe.

    In ihr besuchte ich die Leute von Yaqin, eines Tages würde ich sie wiedersehen.

    (Traum):

    Ich erschrak und war des Morgens von meiner Reise in mein Tal zurückgekehrt.
    Die Stadt, die Heilige, ich muss zu Ihr. ‚Was willst du in der Heiligen Stadt’, sprach es zu mir und ich antwortete: ‚Heilung von den Wunden meines Seins’, und bemerkte erst jetzt den Fragenden, ein alter Mann, fremd und seltsam gekleidet, aber kein Zeichen der Reise lag auf ihm.
    Er sah tief in meine Augen, stand auf und sprach: ‚Wenn du gehst, bist du deshalb noch kein Wanderer, wenn du siehst noch lange kein Sehender und wenn du mit deinem Schwert den Feind zur Flucht drängst, dann nenne dich nicht Krieger.
    Erst wenn . . .’ er stockte und begann zu weinen mit Augen der Sehnsucht. Er wendete sich ab und verschwand, ohne einen Blick über seine Schulter. Ich rief im nach ‚Erst wenn was, alter Mann?’ aber ich bekam keine Antwort.

    Ich erwachte, es sollte nur ein Traum gewesen sein, so echt seine Gestalt, so unwirklich sein Besuch.

    Ich sammelte meine Sachen und machte mich auf den Weg.
    Es war ein milder Herbstag und das Land hatte sein schönstes Kleid angelegt, Das Kleid der Hingabe. Es war die Zeit des Todes und der Geburt, es starb und gebar.
    Ich fühlte eine starke Verbundenheit mit diesem Land, das Herz sieht, was den Sinne verborgen bleibt.

    Am Abend erreichte ich am Ende des Tales eine große Stadt namens Kufur und fragte nach einer Bleibe für die Nacht.
    Ein Mann erklärte mir freundlich den Weg zum Gasthaus ‚Wiege der Hoffnung’. Überhaupt, so schien es, gab es hier nur gutgelaunte, freudige Menschen. Wohin man auch sah amüsierte man sich als wäre es die letzte Nacht, der man das letzte Glück entreisen wollte.

    Als ich einwenig durch die Strassen schlenderte, auf der Suche nach der ‚Wiege der Hoffnung’, schien ich ein anderes Viertel erreicht zu haben, in dem dieser Name wie blanker Hohn klang. Es waren ärmliche und kränkliche Menschen, düstere Gestalten und so seltsam es auch sei, ich sah bei ihnen Würde.
    Ich kehrte ein und fragte den Wirt, wie man in solcher Gegend auf solchen Name käme. Er zuckte nur mit den Achsel, brummelte etwas wie ‚So war es, so bleibt es’ und wischte teilnahmslos den alten verdreckten Tresen.
    Ich fragte nach einem Zimmer, wortlos warf er mir einen alten Schlüssel mit einem Pentagramm als Symbol zu und wand sich geschäftig ab.
    Nachdem ich vergeblich auf einen ‚gute Nacht Kuss’ wartete, beschloss ich mein Zimmer zu suchen, als ich die Treppe erreichte brummelte es wieder ‚kein Damenbesuch’.
    Plötzlich stand eine alte Frau vor mir, wie aus dem Nichts war sie aufgetaucht. Sie starrte mich an. Sie war sehr aufgeregt und ich vermochte nicht zu sagen ob sie große Freude oder großen Schmerz fühlte. Sie hob die Hand mit einer silbernen Brosche, die nicht zu ihrem ärmlichen Kleid passte, und deutete mir sie zu nehmen. Als ich die Brosche nahm, brachen die Tränen endlich hervor, erst jetzt sah ich wie schön und edel ihr altes Gesicht war. Sie wendete sich ab, mit einem leichten Lächeln ging sie langsam davon.
    Endlich fand ich mein Zimmer, ich öffnete die Tür und setzte mich auf das Bett, ich war sehr müde, diese Begegnung hatte mich völlig wehrlos und schwach gemacht. Als ich lag schlief ich sofort ein, halb im Traum, hörte ich mich flehend flüstern ‚Mama’.

    [Geändert durch at_tur am 11-07-2005 um 20:41]
    Schönheit brennt im Herzen

  2. #2
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    Vielen Dank DasG,
    dein Lob hat mich sehr gefreut , ich habe auch gleich deine Verbesserung eingetragen.'Existenz' klingt wirklich nicht passend.
    Ich habe schon weitere Teile fertig schreiben können, wollte aber erst mal sehen, ob der Text überhaupt gefällt.
    Also den 2.Teil widme ich also Dir.

    Danke nochmal für die (Lebens-)Zeit, die du für das Lesen aufgebracht hast.

    Ich hoffe der 2.Teil wird Dir auch gefallen.

    bis dann
    at_tur
    Schönheit brennt im Herzen

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