Thema: Protasis

  1. #1
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    289
    Protasis


    Als körperlose Macht, verfolgend Seelen Düfte,
    Naht Asrael heran – Erfriert Gesang der Grillen.
    Und Gottes Todesbann vollendet Satans Willen,
    Bringt blaße, starre Fracht, in ewig dunkle Grüfte.


    Die sanften Züge missen, Herzens steinern Klüfte,
    Der Liebe Glanz ersticken qualvoll Hasspupillen.
    Nun Tod geätzt in Blicken, lebend Tränen schrillen
    Zu spät: Ich hab Gewissen! – stumm verdampft in Lüfte.


    So wacht sie schweißgebadet auf und lacht denn nur
    Ein Traum sie Tod erahnen ließ mit starrer Angst
    und Leben kehrt dorthin zurück, wo Schnitter fuhr.

    Befreit vom Kreuz und Zwang des frommen Knechteschwur
    Spricht Spiegel Bild zu ihr: Bekommst, was Du verlangst! -
    Dann dringt durch wellenwerfend Glas Blick aus Ligur.



    .
    [Geändert durch beteigeuze400 am 16-07-2005 um 17:21]
    Dir gefällt meine Kritik nicht?
    Dann mach’s doch besser!


    Heißes: Protasis
    Romantisches: Sinnenschranken - Schier Maßlose Sucht
    Düsteres: Purgatorium - Rote Rache
    Nachdenkliches: Der gute Mensch - ich bin
    Humorvolles: Der Pfau
    Natürliches: Haiku! (keine Diskussion) - Haiku (oder der 2. Versuch...) - Haiku (steckt an) - Schon mal gesehen?
    Experimentelles: k ö n i g s m o r d
    Kritisches: Jemand ne idee? - mal so richtig ausgekotzt
    Bewundertes: Sternstündlich - Ich bereue nicht - Der Kelch - Der Umzug - The Man II
    Außergewöhnliches : meine gedichte...

  2. #2
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    89
    Vielleicht das Fazit vorwegnehmend,
    Die Etwicklung Deines Sonetts konnte ich auf anderer Site bereits verfolgen, dies nur sei zur (mittlerweile akzeptablen) Form gesagt: Metrik und Wortwahl bilden noch immer keine symbiotische Einheit, ab und an scheint es noch,
    als beherrsche die Metrik mit herrisch geschwungener Knute den Inhalt (S2Z4, S3Z1/2, S4Z3), was eigentlich schade ist.

    S1 wirkt hingegen souverän formuliert und weiß bildlich zu überzeugen, so hätte man sich das ganze Gedicht gewünscht.
    Der eigentlich erwünschte/überraschende Bruch nach den Quartetten wird durch den (hier ausnahmsweise vielleicht _zu_ guten) Titel vorweggenommen,

    Wenn ich das so sagen darf,
    In der ersten peripetischen Kurve von der Strecke geflogen,
    MoE
    Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht

  3. #3
    Registriert seit
    May 2005
    Beiträge
    289
    Hallo MoE!

    Ich nehme nicht ohne Verwunderung zur Kenntnis, dass Du die Entstehung dieses Sonetts bereits mitverfolgen konntest.

    Unabhängig jedoch davon, möchte ich Dich bitten, dennoch ein wenig aus der Defensive zu kommen und die Qualifizierung "akzeptable Form" näher zu bestimmen.
    V.a. natürlich den Teil des Wortes, der bedeutet "nicht gut".

    Ich fasse es durchaus als großes Kompliment auf, dass Dir die Metrik stellenweise gezwungen vorkommt. Denn bei 22 Reimwörtern in 14 Versen und des gewollten antithetischen Aufbaus der Quartette war die Metrik eigentlich die schwächste Knute, mit der dieses Gedicht auf mich einschlug.
    Dennoch nehme ich Deinen Einwand als durchaus richtig auf. Was wäre schöner als wenn sich alle Verse mit "souveräner" Formulierung einfach so dahin schreiben ließen.

    Das dies mir nur mit Hilfe von Kompromissen gelang, räume ich genauso gerne ein, wie ich Dich bitten würde, zu präzisieren, ob nun die Kunstgriffe ihre Rechtfertigung in einem "Kunstwerk" finden, oder ob sie einfach nur stören, weil das Gedicht nicht in die Ränge lyr. Kunst aufzusteigen vermag. Und natürlich wäre eine Begründung für Deine Meinung sehr schön.

    Allerdings, und wenn das eingangs Gesagte zutrifft, weißt Du es auch schon, die Terzette, bei denen Du Dich vor allem an ihrer Metrik stößt, finde ich genauso richtig, wie sie sind, und ein Zwang will sich mir beim Lesen nicht entgegenstellen. Bei der fraglichen Zeile des Quartetts lass ich es hingegen eher gelten.

    Der Titel mag dem Verständigen viel vorgeben, aber durch die Doppelwendung in den Terzinen, halte ich es dennoch für nicht zu viel Vorgabe, als dass es nun langweilig werden würde zu lesen. Er ist auch aus anderem Grunde nicht verhandelbar, denn er ist ein wahrer "Glücksgriff", noch mehr als es Ligur ist. Wenn Du die alten Versionen kennst, kennst Du auch den alten Namen. Und dieser Titel ist nicht nur was er offensichtlich ist, wenn man den Duden zur Hand nimmt, es ist auch immer noch der alte Titel. Was ihn aufgrund seiner Geschichte vollkommen unersetzbar macht.

    Vielen Dank, dass Du Dich überhaupt mit dem Gedicht auseinander gesetzt hast und noch mehr Dank im voraus, solltest Du es noch einmal tun.

    Schöne Grüße

    bet


    [Geändert durch beteigeuze400 am 19-07-2005 um 16:17]
    Dir gefällt meine Kritik nicht?
    Dann mach’s doch besser!


    Heißes: Protasis
    Romantisches: Sinnenschranken - Schier Maßlose Sucht
    Düsteres: Purgatorium - Rote Rache
    Nachdenkliches: Der gute Mensch - ich bin
    Humorvolles: Der Pfau
    Natürliches: Haiku! (keine Diskussion) - Haiku (oder der 2. Versuch...) - Haiku (steckt an) - Schon mal gesehen?
    Experimentelles: k ö n i g s m o r d
    Kritisches: Jemand ne idee? - mal so richtig ausgekotzt
    Bewundertes: Sternstündlich - Ich bereue nicht - Der Kelch - Der Umzug - The Man II
    Außergewöhnliches : meine gedichte...

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden