Thema: Weltende

  1. #1
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    Weltende

    Wovon ich träume, willst du wissen,
    Wie kann man nur etwas vermissen,
    Was mir völlig ungreifbar scheint,
    Mein Herz, das nach Verzehrung weint.
    Willst du sie spüren, diese Angst?
    Wenn du nicht weißt, wonach dir ist;
    Was machst du, dass du glücklich bist?

    Warum nur spür' ich diese Leere,
    Das allergrößte für mich wäre,
    Wenn sie nicht mehr in mir gähnt,
    Hast du dich schon danach gesehnt:
    Lieber sterben als zu leben?
    Falls nicht, dann hör' mir bloß nicht zu!
    Denn eins, das lässt mir keine Ruh':
    Die Gewissheit, dass dort in mir drin
    Ich selber steck' und schuld dran bin,
    Dass ich ihm strotze, diesem Gang,
    Der mich letztendlich dazu zwang,
    Die Nacht zu suchen.

    Willst du wissen, was ich träume?
    Ich seh' den Wald und keine Bäume,
    Sieh, das Tal! Die Senke fehlt,
    Mein Geld und hab' nicht nachgezählt.
    Das alles ist Realität.
    Nicht zu ändern: Viel zu spät!
    Die Haut löst sich vom Körper ab.
    An einem Tag, wirst schon seh'n,
    Wird urplötzlich dann das gescheh'n,
    Was du nicht zu träumen wagst,
    Weil du am Ende zu mir sagst:
    Das habe ich nicht kommen seh'n.
    Endlich beginnst du zu versteh'n!

    Kein Krieg, kein Hunger oder Pest
    Gibt uns an diesem Tag den Rest.
    Die Luft wird voller Gifte sein,
    Leben weiter, nur zum Schein.
    Am dritten oder vierten Tag,
    Du denkst, dir würde gar nichts fehlen;
    Wirst dich aus deinem Körper schälen.
    Du siehst viel Blut an deiner Hand,
    Hast allerdings noch nicht erkannt,
    Dass deine Haut langsam aufplatzt,
    Von innen was dein Fleisch zerkratzt.
    Kein Gott wird das mehr aufhalten;
    Du siehst dein Körper sich aufspalten.
    Du hältst dich noch auf Gummibeinen,
    Fängst ganz langsam an zu weinen.
    An allen Stellen reißt du auf,
    Das Übel nimmt sein vollen Lauf:
    Du japst nach Luft, doch kriegst sie nicht;
    Ein Überleben ist nicht mehr in Sicht.
    Jedem wird das so ergeh'n,
    Am Ende wird kein Mensch mehr steh'n.
    Damit ihr mich nicht falsch versteht:
    Ihr müsst zum Licht, nicht umgedreht.
    Falls ihr Licht seht, rennt dorthin.
    Wenn nicht, ergibt das auch ein Sinn.
    Was mich jetzt schon so erfreut:
    Die Körper überall verstreut;
    Niemand, der sie euch vergräbt -
    Wonach habt ihr nochmal gestrebt?
    Dem Wahn, Gottesspuk hier Herr zu sein.
    Ihr Götter, eures Gleichen:
    Dort liegen sie, bis and're komm.

    Die Schuld, die ihr zu erben habt,
    Bis das Fass fast überschwappt,
    Habt ihr einfach angenommen,
    Nun ist die Zeit dafür gekommen,
    Dass ihr eure eig'ne sühnt!

    (Alexius)

  2. #2
    Taurus ist offline L' Héautontimorouménos
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    Hi Alexius!
    Im großen und ganzen find ich dein Gedicht super, es sind die kleinigkeiten die es aber dann sind, die ein wenig den lesefluss behindern.
    so deine Rhythmischen sprünge. z.B S.2;Z.8
    wo du plötzlich vom Jambus in den Troheus springst.
    Mich verwirrt ein wenig das die letze Zeile, sich zu nichts Reimt.
    ansonsten hat du bei mir ein (teilweise Ekliges) Bild, von deinem "weltende" erzeugt, was ich aber im Endefekt recht klasse fand.
    wie gesagt:
    Im großen und ganzen super nur an den kleinigkeiten musst du feilen.
    ..........(___)...............................Im Moment ist mir aber diese Masse von Dichtern zuwider,
    ...........|Oo|...............................die weder Innovatives noch Attraktives produziert
    .... /```` OO)...Tauri are fine!........und wo sich hinter jedem Satz ein
    .../ |____-- ................................"Was mach ich hier eigentlich?" versteckt.
    .*...L....L....................................-AiAiAwa-

  3. #3
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    Ich moechte mich der Meinung von Taurus anschliessen.
    Wirklich gut gemacht.Mit einigen wenigen Korrekturen eine runde Sache.Vielleicht solltest du auch versuchen den Text etwas regelmaessiger zu unterteilen,oder es nicht sooo lange zu schreiben,trotzdem man gut mitschwingt ermuedet es am Ende etwas durch die Langatmigkeit.
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  4. #4
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    hi also ich find das gedichst auch seht gut auch wenn es etwas lang ist man muss sich etwas dazu aufraffen weiter zu lesen ansonsten aba sehr schön...

    Wie kann man nur etwas vermissen,
    Was mir völlig ungreifbar scheint

    hier hängt es irgendwie ein bissel mit der metrik...irgendwie kommt man hier ins stoppen
    (nicht bös gemeint)
    nen vorschlag:
    Wie kann man nur etwas vermissen
    was mir völlib unbegreiflich scheint

    ich finde dann passts vom lesen auch mit der nächsten zeile her besser....

    aba ansonsten wie gesagt sehr gut
    ~~~*einfach lächeln und winken*~~~

    traue keinem lächeln denn ich habe schon oft gelacht und nicht weinen zu müssen....

  5. #5
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    Ich denke auch, dass der Lesefluss dadurch ein wenig ins Stocken gerät, weil eben dieser stetige Wechsel zwischen Jambus und Trochäus vollzogen wird.

    Das zieht sich, nicht ohne Grund, derart in die Länge, das Gedicht trägt zumindest balladesten Charakter.

    Die zweite Verszeile der ersten Strophe, richtig, droht schon früh das Metrum zu zerbrechen. Am besten kommt man durch diesen Vers, indem man die Betonung auf zwei hintereinanderfolgende Worte setzt:
    ______X___X
    Wie kann man... (Meines Achtens die beste Lösung.)

    Im dritten Vers setzt wieder der Jambus ein.
    Ab der zweiten Strophe, ebenso dritter Vers, misch sich der Trochäus dazwischen. Dominantes Versmaß bleibt aber weiterhin der Jambus. Ebenfalls richtig erkannt von euch.
    Freut mich übrigens, dass euch mein Weltuntergangsszenarium gefällt.

    Gruß, Alexius.
    [Geändert durch Alexius am 14-07-2005 um 01:31]

  6. #6
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    Gedicht is sehr gut aber guck nich so trübe in die Dose als ob du drinnen Fleisch in Kräuterbuttermarinade erwarten würdest obwohl sie leer ist. Freu dich an jedem scheiss den du siehst, auch wenn es irrational klingt: es bringt was.
    "Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt."

  7. #7
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    Merke: Autor und lyrisches Subjekt sind nicht immer eins.

  8. #8
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    Doch jeder Autor wuerde zum gleichen Thema sich anders,eben individuell ausdruecken.Sogar,wenn man alle Hauptwoerter vorgeben wuerde,die verwendet werden sollen,wuerde ein anderes Geedicht entstehen.Das geschieht einfach aus innen heraus und ist eine Art persoenliche Signatur.
    Oder willst du das abstreiten?
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  9. #9
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    Natürlich drückt sich jeder auf seine ganz eigene, individuelle Weise aus. Darum geht es meines Achtens nicht, mir scheint zu einfach, das lyrische Subjekt mit dem Autor gleichzusetzen. Das funktioniert nicht.

  10. #10
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    Es funktioniert nur auf analoger psychologischer Ebene.

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  11. #11
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    Wer einen künstlerischen Text analysiert und interpretiert, fängt nie damit an: "Der Autor erzählt...", sondern: "Das lyrische Subjekt, in diesem Fall das lyrische Ich, stellt dar, beschreibt und so weiter". Nicht umsonst beziehen sich sachliche Analysen nie unmittelbar auf den Autor und sein Leben. Höchstens Spekulationen sind erlaubt, wenn kein Hintergrundwissen über biografische Aspekte des Dichters besteht. Ich möchte mich auf keinen Fall von meinem Geschriebenen distanzieren, zugegeben, die düstere, erdrückende Stimmung 'frohlockt', diese auf das Wesen des Autors zu projizieren. Dabei sollte man jedoch mit Vorsicht und Bedacht vorgehen.

    Zumal ein solcher Beitrag natürlich nicht ungesühnt bleiben darf.

    Gruß, Alexius.

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