1. #1
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    where soul meets body.
    Beiträge
    526
    Hallo ihr Lieben,

    ich habe mal eine Frage. Eigentlich ist sie wohl nicht sehr wichtig, aber ich habe mir schon öfters darüber gedanken gemacht und wollte gerne mal eure Meinung dazu hören. Und zwar geht es um Ausrufezeichen in einem Gedicht. Ich finde nämlich, dass sie eher nicht verwendet werden sollten. Sicherlich gibt es keine feste Regel dafür, es ist wohl eher eine Geschmacksfrage. Deshalb interessiert mich, was ihr davon haltet
    Ich schreibe diesen Eintrag hier, nachdem ich das Gedicht "Es tut mir Leid!!" in der Rubrik "Trauer und Düsteres" gelesen habe, denn da haben mir die vielen Ausrufezeichen am Versende besonders missfallen.
    Also, was sagt ihr dazu?

    LG Ashtray
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

  2. #2
    Registriert seit
    Sep 2002
    Beiträge
    7.916
    Ich habe zu Satzzeichenorgien eine sehr definierte Ansicht, die sich ausgezeichnet in folgenden Zitaten ausdrückt:

    "Die Verwendung von mehreren Ausrufezeichen macht die Aussage
    nicht ausrufender sondern ausufernder."
    - Michael Bauer

    "Multiple exclamation marks, he went on, shaking his head,
    are a sure sign of a diseased mind."
    - Terry Pratchett in "Eric"

    "Five exclamation marks, the sure sign of an insane mind."
    - Terry Pratchett in "Reaper Man"

    "And all those exclamation marks, you notice? Five?
    A sure sign of someone who wears his underpants on his head."
    - Terry Pratchett in "Maskerade"


    "Multiple Fragezeichen machen eine Frage nicht fragender,
    sondern allenfalls lächerlicher."
    - Hajo Pflueger

    Einzelne Interpunktionen sind teilweise unumgänglich, wenn der Inhalt entsprechend akzentuiert ist und dies erfordert. Aber durch die exessive Verwendung von solchen Komikern, die versuchen, ihre inhaltlichen Mangelerscheinungen mit Interpunktionen aufzuwiegen, taugen Ausrufezeichen und Fragezeichen mittlerweile eher und bestens für Satieren.

    vgl.:
    http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=43540
    http://www.gedichte.com/showthread.php?threadid=44012

  3. #3
    Registriert seit
    Mar 2002
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    3.530
    Kurz gesagt- einzelne Satzzeichen können sehr zweckdienlich sein, weil sie die Endsilbenbetonung verändern. Mehrere gleichen Typs sind schlicht und einfach keine anerkannte Interpunktionsform in der deutschen Sprache, außer der von mir heißgeliebten Methode, einen Satz ausgleiten zu lassen...

    es grüßt
    kurushio

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    where soul meets body.
    Beiträge
    526
    Generell gesehen habe ich natürlich nichts gegen Interpunktion, nur mit dem Ausrufezeichen kann ich mich nicht anfreunden. Sogar wenn nur eins steht, missfällt es mir manchmal schon Aber ich habe mir eben nochmals Gedanken darüber gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich wahrscheinlich die Einzige bin, die sich an einem Ausrufezeichen stört. Ich weiss noch nicht mal genau warum dies so ist, aber ich assoziiere es immer mir erzwungener Betonung eines Wortes/Satzes. Das widerum nimmt, meiner Meinung nach, ein bisschen die Interpretationsfreiheit des Lesers, denn mit einem Ausrufezeichen ist die Betonung, wie ich schon erwähnte, eben schon vorgegeben. Und die Art des Betonens ist auf jeden Fall ein Maßstab für die Interpretation. Oder liege ich da falsch?

    B.s: Komm mit mir (!)
    oder: Komm mit mir (...)

    Ist ein banales Beispiel, ich weiss. Aber ich denke, man kann erkennen, was ich meine, oder? Also, ich will damit sagen, ohne Satzzeichen könnte man ein Gedicht sehr verschieden interpretieren. Aber andererseits ist das ja auch wieder nicht so toll, denn meistens soll ein Gedicht ja etwas eindeutiges aussagen, bzw. eine klare Stimmung übermitteln und das geht eben nur mit Interpunktion. Ach mein Gott, ist das kompliziert...

    Ok, ich hoffe ihr habt verstanden, was ich versucht habe zu erklären (ist etwas verworren).

    LG Ashtray
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

  5. #5
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    1

    HILFE

    sorry dass ich mich hier einfach reinklincke awer ich find das hilfsforum net!
    kann mir bitte jemand helfen ich bin gant neu hier!
    danke im voraus

  6. #6
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    where soul meets body.
    Beiträge
    526
    Hallo camryn,

    ich glaube, wenn Du das Hilfsforum suchst, bist Du hier genau richtig
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

  7. #7
    Registriert seit
    Sep 2002
    Beiträge
    7.916
    Ich glaube nicht, daß es camryn um fachliche Hilfe geht...


    camryn,
    Allgemeine Fragen kannst Du hier stellen:
    http://www.gedichte.com/forumdisplay.php?forumid=35


    Fachliche Fragen zur Lyrik in diesem Board:
    http://www.gedichte.com/forumdisplay.php?forumid=41

  8. #8
    Registriert seit
    Feb 2004
    Ort
    Berlin, PrenzlBerg
    Beiträge
    1.812
    Nun, dass ein Interpunktionszeichen Vorgaben zur Intonation eines Satzes macht, ist sicher richtig. Ursprünglich sind die Dinger aus genau diesem Grund entstanden.

    Früher, also grob geschätzt vor 1500, wurde vornehmlich ohne Interpunktionszeichen geschrieben. Da die Betonung eines Satzes aber zur rhetorischen Schulung gehörte und ebenso auswendig gelernt wurde, wie der Inhalt einer Rede selbst, geschah es in den privaten Notizzettelchen zunehmend, dass Hinweise auf die Interpunktion eingezeichnet wurden. Auch wurden bei von der Lautlichkeit abhängigen Texte, wie metrischer Dichtung, so genannte Reimpunkte gesetzt.

    Bei einer Frage bspw. fand man es schick, am Ende die Stimme etwas zu heben, um die Erwartung im Hörer zu steigern. Also malte man sich ans Satzende eine Tilde ~, die die Richtung der Stimme (nach oben) anzeigte. Die wurde dann irgendwann gedreht, so dass daraus das Fragezeichen entstand. Ähnlich ist es mit dem Ausrufezeichen -, das anzeigen sollte, dass hier hart und gerade intoniert wird. Kommata waren kurze Pausen.

    Ein Ausrufezeichen wird heutzutage meist mit einer Aufforderung, einem Befehl in Verbindung gebracht. Daher vielleicht dein Mißfallen. Du hast als Dichter natürlich die Möglichkeit, eine Aufforderung durch einen Punkt zu kennzeichnen oder gar kein Zeichen zu verwenden. Auch das kann aber wiederum die Betonungsvorstellung eines Lesers zum Negativen beeinflussen, wenn er bspw. der Meinung ist, dass dieser Satz herausgeschrien werden sollte und er sich nun nicht traut, da kein Ausrufezeichen dasteht.

    Ich persönlich bin ein großer Freund der Interpunktion, weil ich sie als Hilfsmittel betrachte. Ich will, dass der Leser den Satz hinausbrüllt - auch wenn er es nicht will - oder dass er eine Pause macht oder die Stimme hebt, senkt oder schlenkern läßt.

    Zeichenakkumulationen wie ??? oder !!! bewirken aber nichts in Bezug auf die Intonation, wohl aber das von kuru geliebte ...

    Ich verwende ab und zu auch gerne die Doppelkombi ?! für Sätze, die rein grammatisch Fragen sind, aber aus einem Entsetzen heraus entstehen. Gedankenstriche und Kommata finde ich ebenso wirksam. Im Gegenteil finde ich es oft sogar unvorteilhaft für das Satzverständnis, wenn die Interpunktion gänzlich fehlt.

    Letztlich bleibt dies aber eine Entscheidung des Autors. Er sollte zumindest die Konsequenzen bedenken, z.B. für ein aufmerksamkeitheischendes Grünohr gehalten zu werden, wenn er ??? oder !!! oder gar !?~!?#@+*3!! schreibt.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  9. #9
    Registriert seit
    Nov 2004
    Beiträge
    548
    Wobei diese Zeichenfolge: !?~!?#@+*3!! sicherlich ein gutes Passwort ergäbe

  10. #10
    Registriert seit
    Feb 2004
    Beiträge
    143
    oder die gedankliche Beschreibung einer Situation:
    !?(nach dem Lesen: Hä?)
    ~ (nochmaliges Lesen)
    !? (Wiederholung: Hä?)
    # (Wutanfall)
    @ (Fehlersuche)
    +*(und "ping":Fehler gefunden)
    3!!(richtige Lösung hingeschrieben, sich dabei einen Idioten schimpfend)

    Zur Akkumulation von Satzzeichen: Ich finde sie fast immer unnötig und wie schon von anderen gesagt wurde, penetrant sich aufdrängelnd. Sie zeugt meist davon, dass der Schreiber nicht in der Lage ist, die Dringlichkeit seiner Mitteilung mittels expliziten Worten darzustellen und sich der Akkumulation von Interpunktionszeichen (analog lev) als bekräftigendes Hifsmittel bedienen muss. Die meisten Leser werden dem Kode folgen können, aber dem Schreiber gegebenenfalls eine infantile Attitüde unterstellen. Wobei ich Interpunktionszeichen auch für die Interpretation von Texten nicht ihren Wichtigkeit absprechen will, dazu brauch ich sie selbst zu sehr, um dem Text eine eindeutige oder mehrdeutige Richtung zu geben. Die Frage ist eben nur, in welcher Konzentration sie eingesetzt werden. Ich werfe in dem Zusammenhang mal die These in den Raum, dass wir in dieser Hinsicht konditioniert sind. Dass von den meisten Leuten, die wir bisher gelesen haben, die eine solche Zeichenakkumulation verwenden, keine greifbaren Inhalte innerhalb der Texte oder Argumentationen geliefert wurden, sondern nur Schaum. Daher übertragen wir das dann auch auf Situationen und Texte, die tatsächlich Inhalte liefern aber plötzlich tierisch infantil wirken. quod erat demonstrandum !!!

    Gruß,
    xipulli

    [Geändert durch xipulli am 16-07-2005 um 19:03]
    without contraries is no progression (Blake)

  11. #11
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    where soul meets body.
    Beiträge
    526
    Erstmal danke schön, für eure Rückmeldungen!

    Nach nochmaligem Gedankenmachen und dem Lesen eurer Einträge bin ich zu dem Entschluß gekommen, dass es wohl auf das Gedicht ankommt, ob Ausrufezeichen stören oder nicht. Wenn der Inhalt des Gedichtes "Ich liebe Dich! Warum vergisst Du mich? usw..." ist, sind sie eher fehl am Platz. Wenn ein Text aber Inhaltlich mit Worten viel sagt und nur die Betonung mit dem Satzzeichen angegeben werden soll, ist es wahrscheinlich sogar gut, sie zu setzen, wie das xipulli und levampyre schon treffend beschrieben haben. Ich finde es nur gut, dass in der Lyrik keine genauen Regeln zur Interpunktion herrschen, so dass jeder Autor, je nach Geschmacksache, frei entscheiden kann, wann und ob er Satzzeichen nutzt.

    LG Ashtray

    P.S: Danke Dir, levampyre, für die Aufklärung über die Entstehung von Satzzeichen. Wieder was gelernt
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Ausrufezeichen
    Von Medusa im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 15
    Letzter Beitrag: 11.04.2008, 19:50
  2. Ausrufezeichen
    Von Volker LL im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 12.04.2007, 22:17
  3. Das unsichere Ausrufezeichen
    Von Rain Drop im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 01.08.2006, 16:33
  4. Ausrufezeichen und Fragezeichen
    Von Picatrix im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 31.05.2005, 06:02

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden