1. #1
    Registriert seit
    Oct 2004
    Ort
    Berlin, wo sonst?
    Beiträge
    6.589
    Dich gibt es ja nicht. Das erfüllt mich mit einem gewissen Gefühl von Bedauern , denn gäbe es Dich, würde ich Deine Dienste gerne in Anspruch nehmen.
    Du könntest mir ein paar Worte und Sätze geben, die beschreiben können. Ein Wort, das beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn Wind über Haut streicht. Das es so gut beschreibt, das man es nachfühlen kann, ohne es selbst erlebt zu haben.
    Denn niemand hat Worte, die das vermögen. Nicht ich, noch irgendjemand, den ich je getroffen habe. Ich hatte immer ein klein wenig auf Dich gehofft, was diese Angelegenheit betrifft. Aber bis jetzt bist Du noch nicht hier aufgekreuzt. Also habe ich es aufgegeben auch noch Dich zu suchen.
    Ich suche nur noch Worte, die Dinge beschreiben können. Und weil ich keine geeigneten in den alten finde, die das vermögen, denke ich mir neue aus. Alberne Neologismen wie Flexibilimente. Ich habe nichts gefunden, was sonst auch nur ansatzweise fassen könnte, was ich hier mache und wie es sich in meiner Haut anfühlt. Wenn ich raus gehe und Worte suche. Und überprüfe wie die alten funktionieren.
    Ich habe herausgefunden, daß Worte wie "Liebe", "weich" und "Schmerz" nichtssagend sind. Sie haben sich selbst überlebt. Irgendwann hatten sie einmal Macht. Aber seitdem ist viel Zeit vergangen. Sie wurden zu oft gebraucht, falsch gebraucht. So daß man sich nicht sicher sein kann, was gemeint ist, wenn einer Worte wie "Liebe", "weich" und "Schmerz" gebraucht.
    Deshalb probiere ich die Dinge aus, mache meine Flexibilimente. Ich gehe hinaus und versuche die Worte und meine Gefühle zu synchronisieren. Ich taste Liebe, atme Musik, lecke Lust. Berste in Schmerz, weine Hoffnung, tanze Angst.
    Und dann sitze ich meist nach getaner Arbeit auf meinem Bett und bin enttäuscht, weil meine Gefühle und Empfindungen nicht an die Bedeutung der Worte heranreichen.
    Warum redet einer von Liebe, wenn es mir nicht den Boden unter den Füßen wegzieht? Was ist Angst schon, wenn sie nicht lähmt? Der Schmerz vermag es nicht, mir Stücke aus der Seele zu reißen und die Lust hat nur salzig geschmeckt.
    Ich bringe Worte nicht mehr mit den Empfindungen in Verbindung, die sie beschreiben sollen. Denn die meisten Worte sind nur leere Versprechungen.
    Nur manchmal - ganz selten - aber es geschieht, ist das Gegenteil der Fall. Dann werde ich überwältigt und das Gefühl schleudert mich gegen jedes Hindernis. Und ich finde keine Worte, die dem Gefühl gerecht werden.
    Genau in diesen seltenen Fällen könnte ich Dich ganz gut gebrauchen. Und wenn es Dich doch gibt, meld Dich doch bei mir. Ich würde gerne mit Dir um ein, zwei Sätze feilschen. Du weißt ja, wo Du mich findest.

  2. #2
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    Starnberg
    Beiträge
    1.621
    Hallo gta,


    Dein Text hinterlässt mich mit einer großen Sehnsucht. Ich finde ihn überaus gelungen.

    Du schaffst es, einen wortschöpfenden Geist in seiner Suche nach Sinn und Ziel, hier personifiziert, zu beschreiben. Ich bin als Leser auf den Pfaden des Protagonisten unterwegs und kann mich (persönlich) gut identifizieren.

    Die geäußerte Bitte nach dem Gerufenen kommt so naiv und von Herzen, dass ich persönlich einstimme. Die Gedankengänge zur Sprache und ihrem Gehalt sind derart anspruchsvoll, dass der Weg zum Neuen, wie hier beschrieben, nur noch logisch anmutet, das ist ein Kompliment an den Leser, der mit Dir geht.

    Es sei außerdem erwähnt, das überaus erfreulicherweise keine formellen Fehler zu finden sind.

    Ein wunderbarer Text, für mich, Danke dafür,



    liebe Grüße
    Anke

  3. #3
    Registriert seit
    Oct 2004
    Ort
    Berlin, wo sonst?
    Beiträge
    6.589
    Hallo therzi!

    So eine Kritik geht natürlich runter wie Öl. Danke Dir. Außerdem freut es mich ungemein, bei wenigstens einem Leser den gewünschten Effekt erzielt zu haben. Das schaffe ich ja doch eher selten
    Das einzige: Ich würde die Bitte weniger als naiv, sondern mehr als unbedarft beschreiben. Wenn zwischen beiden auch nur ein geringer Unterschied herrscht, so doch ein entscheidener. Der Protagonist ist sich der Unmöglichkeit seines Rufes bewußt, aber das Festhalten an der Vorstellung dieser imaginäre Wortkünstler könnte doch existieren, hat für ihn geradezu essentielle Bedeutung. In seiner Suche nach dem fassbaren der Sprache nicht aufzugeben.

    alles liebe
    gott

  4. #4
    Registriert seit
    Feb 2005
    Ort
    Starnberg
    Beiträge
    1.621
    Hallo gott...,


    ich gebe Dir Recht , obwohl die Bewertung des Textes für mich an diesem einen Wort hängt. Beabsichtigt, aber nicht hingeschrieben - da wie immer in Eile und müde- , war auch eher, ein "unbedarft", vielleicht auch ein "bemüht naiv", in Ordnung. Auf jeden Fall ein willentliches Festhalten des "glaubenden" Zustandes. Ja, der Vergleich passt, und passt auch zu "Dich gibt es ja nicht".

    Immer wieder gern gelesen, ich werde wohl mal mehr von Dir rauswühlen müssen.

    Liebe Grüße
    Anke

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden