Welch harter Arbeitstag! Ermüdet von zeitaufwändigen Schreibtischtätigkeiten schloss ich die Fahrertür meines verbeulten Gebrauchtwagens auch heute wieder mit einem lauten Knall und begab mich anschließend auf die endlosen 10 m Fußweg zu meiner 3-Zimmer-Wohnung - wie immer verzweifelt suchend nach dem neongelben Schlüsselbund.
Ich habe bewusst diesen abstoßenden Farbton gewählt, um den Schlüsselbund aufgrund seiner alarmierenden Helligkeit inmitten nutzloser Gebrauchsgegenstände leichter aufzufinden.
Man konnte trotz dieser Maßnahme nur von Glück sprechen, wenn ich die Tasche mal nicht auf dem Hausflur ausleeren musste. Denn das nahm nicht nur Zeit in Anspruch, sondern zögerte auch meinen freudigstes Erlebnis unnötigerweise hinaus.
Keuchend öffnete ich die Tür. Natürlich hätte ich hierfür vorher den Schlüsselbund finden müssen, aber anstatt weiterhin Zeit in diese Tätigkeit zu investieren, verwendete ich einfach den Ersatzschlüssel unter dem Fußabtreter.
Ich zog die Schuhe aus, entkleidete auch den Rest meines voluminösen, einer Mondlandschaft gleichenden Schreibtisch-Körpers und begab mich schwerfällig wie müde ins Badezimmer.
Das schönste Tageserlebnis stand mir nun bevor. Langsam drehten meine zitternden Hände das Wasser auf, ein ganzer Schwall prasselte sogleich spritzend auf den Boden der Dusche. Ich glaubte die Kälte und Nässe schon von der Badezimmertür aus zu spüren. Ich atmete heftig. Ich spürte meinen Herzschlag bis in die Fingerspitzen.
Würde ich es auch heute wagen?
Ich wollte springen unter das kristallartig glänzende Nass, wollte umhüllt, berührt, umgeben werden, um anschließend zu beobachten, wie es vor mir in die ewigen Tiefen des Abflusses flüchtete.
Es war ein einziges Abenteuer. Ein schneller Schritt - schon wurden meine Füße umspült, ich bemerkte die ersten kalten Spritzer auf meiner Haut. Ich schauderte. Jetzt, jetzt musste ich es tun! Ich streckte beide Arme hinein. Dann folgte ich mit dem ganzen Brustkorb. Ich fühlte mich euphorisiert, unfähig zu atmen, mein Herz schlug, als wenn es sich nichts sehnlicher wünschte, als aus dem Brustkorb zu springen und dem Wasser in seiner Leichtigkeit und Freiheit in die unendlichen Rohre der Kanalisation zu folgen.
Gleichzeitig schmerzte es. Ich merkte, dass ihm dieser Wunsch vergönnt bleiben würde. Mit blauen Lippen und zitternd vor Kälte wickelte ich mich in mein Handtuch.
Wieder eimal fühlte ich mich wie eine Heldin.
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Ausnahmsweise mal kein kritischer Text....
Bitte schreibt möglichst viele Verbesserungsvorschläge!!!
[Geändert durch Shantala am 15-07-2005 um 16:15]