1. #1
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    Manchmal kommen sie wieder

    Was kein Andrer sehen kann,
    Im Dunklen glotzen sie mich an.
    In Schemen wandern sie umher,
    Als wenn so überhaupt nichts wär.

    Gaffend, hauchend und entstellt
    Durchlaufen sie die ganze Welt.
    Fratzen drehn sich nach mir um,
    Das einzig Gute: Sie sind stumm.

    Ihr denkt, sie kommen nur bei Nacht,
    Das hab' ich anfangs auch gedacht.
    Wieoft habt ihr sie nicht erkannt
    Und doch: Hinter euch stand jemand.
    Durch Licht werden sie völlig blass,
    Ihr sagt euch bloß: "Dort war doch was!".

    Von Geistern hab' ich nie erzählt,
    Wer für sich diesen Schluss auswählt,
    Dem lach' ich förmlich ins Gesicht:
    Gespenster, sowas gibt es nicht.

    Gestorben sind sie allemal.
    Klingt das töricht, manchem fahl:
    Ich glaub', dass sie sich überlappt -
    Die Zeit, dort irgendwas nicht klappt.
    Im Grunde führ'n sie nur ihr Leben,
    Denken sich, genau wie wir:
    Wer sind denn die? Was woll'n die hier?

    Von der Tür knarrt das Scharnier,
    Einer sitzt grad neben mir.
    Zeitversetztes Fleisch erklärt,
    Dass nach dem Tod nicht alles währt.
    Wo andre Sitten ihn umgeben,
    Führt er schlicht nochmal sein Leben.
    Dort sieht jeder aus wie er,
    Erinnern kann er sich nicht mehr,
    Daran, dass er einst bei uns war,
    Trotzdem wirke ich steif und starr;
    Stell' ich mir vor, dass er laut spricht?
    Sein Stöhnen meine Ruhe bricht.
    Ein Schauer fährt durch Mark und Bein,
    Leise summt er seine Lieder;
    Ist es möglich, kann es sein?
    Vielleicht kommen sie manchmal wieder.

    (Alexius)

  2. #2
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    Guten Morgen Alexius!
    Der Satz,wo die Zeit ueberlappt gefaellt mir sehr.Da kommt es gut zum Austruck,was unter "Astrslebene" zu verstehen ist. - Vielleicht Seelen,die ihren Weg zum Licht noch nicht gefunden haben,Seelen,die sich vom Irdischen noch nicht trennen konnten,Seelen mit ihren Wegen,verwirrt,verloren,teils auch lassen wir manche Seelen nicht los.....
    Ideen und Gedanken dazu gibt es viele.
    Du hast hier sehr schoen und treffend beschrieben,wie wir mit dieser Ebene konfrontiert werden.
    Die letzte lange Strophe finde ich nicht so klar,denn sie holpert ein wenig und durch die Laenge kommen die Aussagen nicht so deutlich rueber.
    Amrei-lyrics
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

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  3. #3
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    Guten Abend.

    Du hast im Groben erklärt, worauf das lyrische Subjekt anspielt. Nun gut, als "Seele" bezeichne ich ungern das, was dort übrig bleibt. Nenn wir es doch vorerst unser "Denkendes Dasein", dass, ohne Zweifel, einen anderen Weg einschlägt als unser Körper, der sich langsam daran macht, in seine ursprünglichen Bestandteile zu zerfallen.
    Vorab: Ich glaube nicht an das, was in der Bibel steht, so viel Fantasie habe ich nicht.
    Nach dem Tod ist noch nicht Schluss, in diesem Aspekt stimmt auch das lyrische Ich zu. Das Gedicht liefert keine genauen Ortsangaben darüber, wohin der Weg führt. Vielleicht führen manche am selben Ort ihr "neues Leben"; nur die Zeit ist anders - verschoben worden. An diesem Punkt breche ich besser ab, Weiteres wäre nicht nur spekulativ, sondern auch zu fantastisch.
    Das lyrische Ich führt seine Gedanken noch ein wenig weiter aus, wird von dem Gedanken befallen:
    Nicht völlig auszuschließen, dass sie manchmal sogar wiederkommen. hechel, keuch

    Gruß, Alexius.

    Kräfte walten Tag und Nacht
    Und in dessen Anbetracht
    Werde ich in meinem Leben
    Nie daran denken aufzugeben.
    - Alexius

    Worüber schreibt er?
    Trauer und Düsteres: In der Finsternis Liebe und Romantik: Außer mir
    Hoffnung und Fröhliches: Rügen heißt mein Domizil, Erinnerungen, die nie vergehen

  4. #4
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    Meine Gedanken dazu sind sicherlich nicht christlich zu verstehen,denn die wuerden das,was ich hier erklaerte,als - vielleicht sogar teuflisch - bezeichnen,zumindest in konservativen christl.Gruppen.
    Meine Gedanken beziehen sich eher auf Reinkarnationslehre,b.z.w.esoterische Gedankenformen.
    Haette ich im Mittelalter von "Astralebene" erzaehlt,waere ich wahrscheinlich am Scheiterhaufen verbrannt worden.
    Das nur,dass du mich nicht falsch verstehst.
    Amrei-lyrics
    Licht ist Nahrung fuer die Seele

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  5. #5
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    Nein, davon bin ich nie ausgegangen.
    Nur: Bevor ich von "Seele" oder Ähnlichem zu schreiben anfange, distanziere ich mich besser im Vorhinein von dem biblischen Aspekt. Die Bemerkung bezog sich also auf meine eigene Person.

    Gruß, Alexius.
    Kräfte walten Tag und Nacht
    Und in dessen Anbetracht
    Werde ich in meinem Leben
    Nie daran denken aufzugeben.
    - Alexius

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