Eine wohlhabenden Bäckerfamilie lebte einst in einem Dorf nahe des Schwarzwaldes. Die große Bäckerei war im ganzen Land für ihre guten Brote bekannt und genoss einen ansehnlichen Ruf. Das jüngste und attraktivste Mädchen der Familie, sie hatte kaum das zwanzigste Lebensjahr vollendet, führte aber ein unanständiges Doppelleben. In ihrer freien Zeit, abseits des Bäckerladens traf sie sich mit den Jünglingen des Dorfes, jede Woche ein anderer und vergnügte sich mit ihnen. Eines Tages bekam das Mädchen starke Bauchschmerzen und musste entsetzt feststellen das sie schwanger war. Wer der Vater war wusste sie nicht, da sie in letzter Zeit sehr viele Partner hatte. Ihr ausschweifendes Sexualleben wurde ihr also zum Verhängnis. Wenn ihre Familie erfahren würde, dass sie schwanger war und zudem noch nicht einmal klar war von wem, würde sie sofort verbannt werden und müsste auf der Straße leben.
Das Mädchen hörte von einem Gnom der tief im Wald leben soll und das Kind aus ihrem Bauch vertreiben kann. So backte sie in jener Nacht zehn Brote als Zahlungsmittel für den Gnom, packte ihre sieben Sachen und machte sich auf in dem Wald.


Nach stundenlangem Fußmarsch erreichte sie schließlich ein uraltes Haus, welches auf einer Waldlichtung stand. Sie klopfte an die Türe und ein kleines Wesen öffnete selbige. Das muss der Gnom sein, dachte sie und bat um Einlass. Nach ihrem Eintreten schilderte das Mädchen dem Gnom ihr Begehr. Sie bot ihm die zehn Brote an, wenn er das Kind aus ihrem Bauch entferne. Der Gnom nahm dankend an und lief in den Kräutergarten hinter seinem Haus, vom dem er einen Büschel übel riechender Gräser mitbrachte. Er warf sie in einen großen Kessel und braute ein schwarzes Getränk daraus, welches das Mädchen trank. Nachdem sie das Gebräu heruntergewürgt hatte, verabschiedete sie sich von dem Gnom und kehrte zurück in ihr Dorf. Am nächsten Morgen war ihr Bauch tatsächlich kleiner geworden und nach einigen Tagen vollends verschwunden. Sie war überglücklich das ihre Familie nichts von dem Kind mitbekommen hat und hatte vor, es mit den Kerlen aus ihrem Dorf nicht mehr so freizügig zu treiben.

Die Wochen zogen ins Land.

Eines Tages, an einem sommerlichen Morgen machte das Mädchen sich gutgelaunt auf, am Dorfbrunnen frisches Wasser zu holen. Als sie an diesem ankam, erschien auf einmal der Gnom, der ihr vor geraumer Zeit einmal geholfen hatte und bat sie um Hilfe. Er benötige hundert ihrer köstlichen Brote, ansonsten würde er totgeschlagen werden. Das Mädchen aber schämte sich mit solch einer abscheulichen, kleinen Gestalt zu reden. Zwerge und Gnome waren außerdem in den Siedlungen der Menschen nicht gern gesehen. Daraufhin vertrieb sie den Gnom aus ihrem Dorf um ihren guten Ruf nicht in den Schmutz zu ziehen.
Wegen der Undankbarkeit des Mädchens schwor der Gnom auf Rache, vergiftete das Brunnenwasser und verschwand wieder im Wald.


Zwei Tage vergingen und jeder der von dem vergifteten Wasser trank bekam eine schwere Krankheit mit hohem Fieber und starkem Erbrechen, was über Wochen nicht besser wurde. So auch das Mädchen.
Eines Nachts, als das Mädchen wieder in starken Fieberträumen wirres Zeug von sich gab, erzählte sie unfreiwillig vom dem, was ihr mit dem Gnom wiederfahren ist und wie er das Kind aus ihrem Bauch vertrieben hat. Ihre Familie war entsetzt, da das Mädchen Schande und Unheil über sie und das ganze Dorf gebracht hat. So wurde sie letztendlich nicht nur aus ihrer Familie verbannt sondern sogar aus der Gemeinschaft des gesamten Dorfes.