Ein recht dünnes Buch mit einer relief-artigen Verzierung die, nur mit den Fingern fühlbar, einen Wolf nachbilden soll liegt zugeschlagen auf einer kleinen Lichtung. Nach näherer Betrachtung erkennt man, dass dieses Buch hier schon länger liegen muss, denn der leicht gras-grün eingefärbte Umschlag und die schon abgenutzten Kanten zeugen von dem hohen Alter dieses Buches. Die Rückseite scheint ebenfalls von einem Relief verziert zu sein, die ebenfalls nur durch die Finger fühlbar ein Bild ergibt, nämlich die einer Panflöte. Nachdem der dicke Umschlag geöffnet wurde und etwas Staub entgegenwirbelt, die auf eine lange Reise des Besitzers oder einer langen ungenutzten Zeit in einer Bibliothek hinweist, erblickt man eine wunderbar verzierte elfische Schrift.

Das Licht der Welt, so unscheinbar für Viele, scheint nicht für jeden immerzu. Ein Fluch hängt wohl an jedem von uns, gesegnet wurde jeder aus dieser Welt ... Doch wer kann behaupten, durch Gottes Willen gesegnet worden zu sein und somit die Gabe zu besitzen, Dinge zu sehn, die niemand anderer zu sehen vermag, oder Dinge zu hören, die sonst niemand anderer zu hören vermag?
Gez. Eldarinar


Unter dieser Textpassage findet sich das elfische Alphabet. Erst bei genauerem Betrachten kann man feststellen, dass neben dem jeweiligen Zeichen ebenfalls leichte Erhebungen zu sehen sind. Es scheint eine Schrift für ein blindes Wesen zu sein, welches versucht aus diesem Werk zu lesen oder in dieses seinen Notizen zu hinterlassen.
Nachdem man die erste Seite zu Ende gelesen und gefühlt hat offenbart sich eine, wie schon zuvor, leere Seite. Mit einem Finger über die scheinbar vorhandenen Zeilen streichend bildet sich die Schrift gedanklich zu elfischen Buchstaben, Wörtern und Sätzen. Immer mehr scheint diese unsichtbare Schrift eine Form und einen Sinn zu erhalten. Scheinbar hat hier ein Wesen sein Tagebuch niedergeschrieben um seinem ... Leid? freien Lauf zu lassen.

Aneinander Reihen von Buchstaben, Wörtern und Zeichen ... Hintereinander Reihen von Wörtern und Phrasen ... Gereimte Verse, Zeilen und Sätze zusammenhängend verbinden ... Die Möglichkeit, Gedanken, Gefühle und Geschehnisse aufzuschreiben, in wohlklingende Verse zu packen und zu verbreiten ... Mein lyrisches Herz lodert wie nie zuvor!
Zwei Jahre langen Wanderns, langsamen Schrittes durch dunkle Wälder unter verdecktem Himmel, der hinter den tau- bedeckten Blättern sein Versteck vor gierigen Blicken nach dem schönen Bild sucht. Im warmen Licht der Sonnenstrahlen, die durch die heimische Natur von wunderbaren Lauten erhellt wird, von zwitschernden Vögeln die ihrer Triebe nicht Herr werden können... Die das Wunder des Lebens aufleben lassen wollen... Den Kreislauf der Natur immer und immer wieder durchdringen und fortführen.
Ein Gefühl des Wohlbehagens durchströmt meinen Körper mit jeder weiteren Bewegung meiner Hand, die unentwegt Satz für Satz, Zeile für Zeile niederschreibt. Die Wörter und Phrasen in Zusammenhang bringen, die aus den von Engeln geschaffenen Zeichen verbunden werden.


Es scheint auf dieser Seite so, als würde der Autor seine Feder nicht loslassen wollen, unentwegt seine Gedanken nieder zu schreiben, seinem Geist freien Lauf lassen zu wollen. Umso näher sich Zeilen sich dem Seitenende neigen, umso langsamer und sorgfältiger scheinen sie geschrieben worden zu sein, umso schöner sind sie verziert, umso mehr scheint die Sprache des Fühlens mehr ausdrücken zu wollen, als der Autor in reinen Text verpackt hat.
Blättert man um, gleicht diese Seite keineswegs den anderen. Spürbar werden die erschreckenden Bilder. Ein Bild voller Trauer umgibt diese Seite: Messer, Schwerter und Waffen. Verletzte, Tote und Leichen. Die gegenüberliegende Seite offenbart die Tragödie.

Gedanken an das Geschehen vor 2 Jahren. Die Brut die meine Familie, mein Dorf, mein Leben zerstörte. Diese elendigen Wesen die meine Mutter erstachen, meinen Vater erschossen und mein Augenlicht nahmen! Ein schmerzvolles Leben dieser Brut! Verdammt seien sie auf ewige Zeit, leiden soll sie, wie ich es vor Jahren tat. Doch jagen werde ich sie! Rache verüben! Sie leiden lassen! Weh denen, die mir begegnen und ebenso denken. Weh denen, die den Wölfen schaden!

Mit etwas Abstand finden sich darunter in tief spürbarer Schrift einige Zeilen. Scheinbar ein Gedicht, welches die Gedanken, die Rachelüste des Autors widerspiegeln soll.

Der Vögel zwitschern uns wohlklingend umgibt,
der Wald unsere Sünden vollends vergibt.
Doch weh, nicht unsere Sünden sind schuld!
Welch verrücktes Wesen gibt uns heute die Schuld?

Lautes Knallen durchschallt die Wälder,
laut lachend verschießen sie Gelder!
Die Reichen Leut' werden heut nur reicher,
unsereins wir zunehmend bleicher!

Fluch den Wesen, die uns hier vertreiben!
Segne die Wesen, die nun blutend leiden!
Hilf uns heut, Oh Mutter Natur!
So hilf uns doch, bei unserem Schwur!