Thema: Straßendieb

  1. #1
    Registriert seit
    Jul 2005
    Beiträge
    10
    Straßendieb

    Das arme Kind
    es rennt geschwind
    Die alte Dame
    hebt empört ihre Arme

    Der arme Junge
    spürt die trockene Zunge
    er spürt jeden Knochen
    sein Herz ist zerbrochen

    Überbringt das Geld
    an die Reichen der Welt
    ein kleines Stück Brot
    bewahrt in vorm Tod

    Er hat keine Wahl
    sieht sein Leben als Qual
    hat sein Ansehen verloren
    Angst in der Hölle zu schmoren

    Die alte Dame
    lässt sinken die Arme
    er hat alles genommen
    sie sieht nur verschwommen

    Nun muss sie verhungern
    auf der Straße rumlungern
    Niemand hat ihn noch lieb
    den gemeinen Straßendieb

  2. #2
    Registriert seit
    Dec 2001
    Ort
    Ultima Thule
    Beiträge
    421
    hallo lotus,

    das thema deines werkes finde ich sehr gut, allerdings gefällt mir die umsetzung nicht so ganz. ich will einfach mal versuchen dir zu erklären wieso.

    "Das arme Kind
    es rennt geschwind
    Die alte Dame
    hebt empört ihre Arme"

    die reime wirken hier ein wenig naiv, sie werden schon hier dem ernsthaften thema nicht wirklich gerecht. inhaltlich ist noch nicht ersichtlich worum es wirklich geht, was ich wiederrum als positiv empfinde.

    "Der arme Junge
    spürt die trockene Zunge
    er spürt jeden Knochen
    sein Herz ist zerbrochen"

    wieder finde ich das die wortwahl sehr ungüstig getroffen ist. die ganze strophe kommt mir etwas nichtssagend vor, auch wenn ganz offensichtliche dinge beschrieben werden, nur die art der beschreibung wirkt mir zu belanglos.

    "Überbringt das Geld
    an die Reichen der Welt
    ein kleines Stück Brot
    bewahrt in vorm Tod"

    nun wird offensichtlich das es sich um einen diebstahl handelt. aber warum überbringt er das geld an die reichen? an welche reichen denn? das hättest du auf jeden fall näher erläutern sollen, da es doch etwas unwahrscheinlich ist das reiche menschen einen kleinen jungen beauftragen alte frauen zu bestehlen. auch die entlohnung mit einem kleinen stück brot kommt mir eher unwahrscheinlich vor.

    "Er hat keine Wahl
    sieht sein Leben als Qual
    hat sein Ansehen verloren
    Angst in der Hölle zu schmoren"

    die ersten beiden zeilen wirken leider etwas floskelhaft. dann ist die frage welches ansehen er verloren hat, da wahrscheinlich ist das er in diese verhältnisse geboren wurde, hat er wohl nie ein echtes ansehen besessen.

    "Die alte Dame
    lässt sinken die Arme
    er hat alles genommen
    sie sieht nur verschwommen"

    diese strophe wirkt wieder etwas nichtssagend. die letzte zeile wirkt eher wie der versuch einer reimrettung.

    "Nun muss sie verhungern
    auf der Straße rumlungern
    Niemand hat ihn noch lieb
    den gemeinen Straßendieb"

    nun wird es sehr unlogisch. zuerst muss sie verhungern, was aufgrund eines diebstahls zunächst einmal sehr unwahrscheinlich ist, und dann ist sie plötzlich dazu verdammt auf der straße rumzulungern. das ergibt keinen wirklichen sinn. dann der plötzlich break und die etwas zu betroffen wirkenden letzten beiden zeilen.

    insgesamt finde ich es sehr schön das du dich mit so einem thema auseinandersetzt, allerdings hast du dich bei weitem noch nicht genung damit befasst und dies merkt man deinem werk leider an.
    dies ist allerding nur meine ganz persönliche sichtweise und ein andere wird womöglich hellauf begeistert sein von deinem gedicht. also nicht böse sein auf meine miesepetrigkeit

    alles liebe...
    See you in Tel Aviv

  3. #3
    Registriert seit
    Nov 2004
    Beiträge
    548
    Wie immer, finde ich den Paarreim bei "ernsteren" Themen unangebracht. Was den Rest der thematischen Aufarbeitung betrifft, muß ich Blutberührung teilweise widersprechen: Es gibt genug organisierte Diebesbanden, die ihre Kinder (eigene, gemietet, gekauft) stehlen schicken, da für diese Kleindiebe die Strafunmündigkeit gilt. Während die Organisatoren verhältnismäßig (zu den Dieben) im Wohlstand leben, auch wenn es ein kleiner Wohlstand sein mag, leben die Kinder und deren Familien in bitterster Armut, zum Großteil abhängig von den Organisatoren. Das Stück Brot sehe ich hier als Metapher auf den herablassenden Zynismus, mit dem die Typen in den Schatten mit den von ihnen angeheuerten Dieben umgehen.

    lg/Peter

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden