1. #1
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    Zerzauste Kluften klettern stumm
    Ihre kurze Leiter rauf
    Blind, benommen und so dumm
    Geht die Sonne für sie auf

    Der Architekt mit spitzem Beil
    Hackt die kleinen Krallen ab
    Das dumme Ding, es lächelt weil
    Es nie von IHM die Nahrung gab

    Das tote Tier, es trieft vor Blut
    In kalter, klarer Einsamkeit
    Die weiche Wolke weint vor Wut
    Döst im Winter -und es schneit
    Blöde Zitate.

  2. #2
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    Gefällt mir aufgrund dieser verworrenheit, also dass man drüber nachdenken muss, obwohl die worte relativ einfach sind
    Die vielen Alliterationen machen das ganze auch irgendwie schön klar und pregnant
    P€ace
    Nur einer
    ist größer
    als Du
    Dein Schatten...

  3. #3
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    Potzblitz!
    Und du sagst, ich würde verworren schreiben. Trotzdem werde ich eine Interpretation wagen.
    Im Allgemeinen betrachtet sehe im Text die Rolle des Einzelnen Massengängers in der Gesellschaft (worauf auch der Name hinweist) beschrieben.

    Strophe 1:
    Zerzauste Kluften klettern stumm
    Ihre kurze Leiter rauf
    Blind, benommen und so dumm
    Geht die Sonne für sie auf

    Die zerzausten Kluften stellen hier die Masse dar, die "stumm" (sie hat nichts zu sagen bzw. er spricht dabei ihre Gefühle oder Probleme, die es gibt, nicht an; sie "gehorcht") ihre "kurze Leiter rauf".Die Leiter stellt den Lebensablauf des Menschen dar, der mühsam nach oben klettert (siehe auch Karriereleiter), Schritt für Schritt sich einem Ziel nähert. Diese Leiter jedoch ist kurz, dass heißt die Menschen, die hier hoch klettern, erreichen auf ihrem Weg nicht viel.
    Als nächstes steigt die Sonne nun "blind, benommen und so dumm" für die Masse auf; sie ist wohl mit Freude und Zufriedenheit gleichzusetzen, die eigentlich garnicht in das Bild passt. Die Menschen sollten unglücklich sein, sind es jedoch nicht, weil sie die Lage verkennen bzw. "dumm" sind.

    Strophe 2:
    Der Architekt mit spitzem Beil
    Hackt die kleinen Krallen ab
    Das dumme Ding, es lächelt weil
    Es nie von IHM die Nahrung gab

    Der Architekt als Authorität (gleichzusetzen mit verschienden Anführern: Politiker, Gott, beliebteste Schüler, Eltern etc.) stoppt nun die Menschen, die für ihn wie Tiere sind (kleine Krallen), bevor sie aus ihren Klüften über die Leiter auf's Plateau steigen, indem er ihre Hände abhackt. Paradoxerweise lächeln jedoch die Klettere dabei,
    weil ihre "Nahrung" nie von ihm kam. Diese Zeile ist extrem verschwommen und klingt durch den Reim erzwungen; ich kann das nur so deuten, dass die Masse das nicht als schlimm erachtet, das sie auch ohne den Architekten leben kann, da das Lebensnotwendige nie von ihm kam, jedoch ist das als Aussage doch etwas seltsam.

    Strophe 3:
    Das tote Tier, es trieft vor Blut
    In kalter, klarer Einsamkeit
    Die weiche Wolke weint vor Wut
    Döst im Winter -und es schneit

    Nun, nach dem Fall, ist der Mensch gedanklich tot. Es erreicht nichts mehr neues, wird blutleer und verschimmelt einsam vor sich hin. Die "weiche Wolke" (die Träume, in denen er einst gelegen hatte) weint, da sie jetzt, durch die abgehackten Hände, nicht mehr erreichbar ist. Die Person fühlt Schmerz bei dem Gedanken, jedoch wird das Ganze wieder durch Schneefall (Depression/ von der Gesellschaft aufgespielte Blindheit) zugedeckt; innerlich leer fristet nun dieser Tote sein restliches Leben.

    Beim Abhacken der Hände bin ich mir nicht sicher, was du konkret meinst. Mir fiel dabei der Übergang vom Kind zum Erwachsenen ein; als Kind hat man noch die Hoffnung, seine Wolken zu erreichen, jedoch mit der Realität konfrontiert wird klar, dass der Gedanke naiv war.

    Als Kritiker schwanke ich bei deinem Gedicht sehr: einerseits hast du anregende Bilder benutzt, die vom Leser viel fordern, andererseits hast du langweilige Reime (einmal auch einen erzwungenen "Es nie von IHM die Nahrung gab") benutzt und den Lesefluss als Stilmittel überhaupt nicht eingesetzt. Von der Idee sicher nicht schlecht, doch mir fehlt bei deinem Gedicht eine schöne Struktur ( vielleicht auch ein kreatives Reimschema).

    So, hoffe geholfen zu haben!
    Marocaine

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  4. #4
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    Hallo Marocaine!
    Vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit dem Gedicht, ich fühle mich fast geehrt. Sei nicht böse wenn ich so etwas nicht bei Dir mache, ich kann's nämlich nicht. Naja, vielleicht irgendwann mal.
    Vor allem die erste Strophe hast Du fast genauso interpretiert wie ich es mir gedacht hab. Sehr gut!
    Über Details können wir ja persönlich sprechen.
    Blöde Zitate.

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