Thema: Sixteen

  1. #1
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    Der Regen schlägt hart auf meinen Kopf, da hilft keine Kapuze und kein Hoffen. Eine Zigarette hilft ein bisschen, so wie die Zigarette das immer tut.
    Es hört nicht auf zu regnen. Ich kann mich nicht mal mehr erinnern, wann es angefangen hat. Vor ein paar Stunden vielleicht oder waren es Tage? Ich weiß nicht. Wenn man alleine im Regen auf etwas wartet, was nie eintreten wird, dann ist es üblich, nichts zu wissen. Man wartet auf ein warmes Abendessen oder Post. Einen Liebesbrief vielleicht, wenn man noch Träume hat. Man wartet auf etwas, was nie eintreten wird. Es wird nie an die Tür klopfen und höflich den Kopf durch die Tür strecken und sagen: "Hallo, jetzt bin ich also da, jetzt freu dich doch bitte und lächel." Das wird nicht passieren.
    Was passiert, ist nicht erwähnenswert. Man wacht manchmal auf und dann weint man ein paar Stunden ( das variiert von Nacht zu Nacht) oder man zündet sich eine Zigarette an und schaut aus dem Fenster und hofft, im Haus gegenüber steht nun auch jemand und kuckt und hofft und sucht und hofft, aber da ist nie jemand. Man ist also immer noch alleine in seinem stinkenden Sumpf aus Hässlichkeit, Verrat und Übergewicht ( oder Akne).Ab und zu gelingt es einem, sich ein wenig hochzukämpfen, die Nase ein wenig aus dem Schlamm der verlogenen Menschheit und der eigenen Erbärmlichkeit zu stecken und den Duft all dieser süßen Leute in sich aufzusaugen; aber dann sinkt man tiefer und tiefer, tiefer als je zuvor, ganz so als solle man nie wieder auftauchen.
    Als der Regen hart gegen mich schlägt, befinde ich mich noch im Tiefersinken. Ich mache keinen Sinn mehr und die anderen auch nicht, weil sie verliebt sind oder tot. Leer fühle ich mich und kalt ist es geworden, die Glut des Tabaks wärmt nicht und an den Fingern hängen schon lange keine kuscheligen Fäden der Hoffnung und Zuversicht mehr. Ich bin vielleicht auch schon tot? Die anderen reden nicht mit mir und merken auch nicht, dass ich sinke. Aber sie merken, dass sie schön sind und alles alles haben können was sie nur wollen. Besonders dass sie haben können, was ich will. Das ist ein bisschen sehr schwer (der Regen schlägt mich noch immer viel zu hart), meine Liebe ist geplatzt wie das damals in Hiroshima und hat meinen Körper in tausend Fetzen gerissen. Und am schlimmsten hat es mein Vertrauen erwischt, es wurde entführt von Vermummten und manchmal ruft es an, aber die Verbindung ist schlecht und es rauscht und knackt und ich verstehe nicht, was das Vertrauen mir eigentlich sagen will und ich kann nichts tun. Kann nichts tun für mich und nichts gegen die anderen und kann nur stehen und hoffen, hört es vielleicht auch irgendwann mal auf zu regnen, kann nur hoffen, ein bisschen hoffen. Weiß nicht worauf aber es muss etwas Gutes sein, ein bisschen Gutes hat jeder mal verdient, mag ich auch noch so hässlich und verklemmt sein, ein bisschen Gutes will ich auch.
    Es regnet.
    I am just here to look good.

    Gaby:"Hol deine Großmutter aus der Kammer."
    Catherine:"Was macht Oma in der Kammer?!"
    Augustine:"Sie hält Siesta."
    -aus: 8 Frauen

    "Pour moi, tout est guerre." - Emir Kusturica

    "Manchmal habe ich das Gefühl, ich sitze in einem Zug, von dem ich nicht einmal weiß, ob er überhaupt in meine Richtung fährt." - aus Dr. Stefan Frank

  2. #2
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    Hallo CherryBlossomGirl!
    Als Kurzgeschichte,wie du es hier verfasst hast wirkt der Inhalt zu sehr,wie ein Tagebucheintrag,oder ein Gedankenbrief an den Psychiater.Ich weiss nicht,ob Leser so sehr daran interessiert sind ueber Probleme mit sich selbst und den Ablauf des Tages mit dieser inneren Haltung zu lesen.
    Im Rahmen eines "Romans" kann das als kurzer Teil der Gesamtgeschichte vielleicht seine Wirkung entfalten,doch gibt es hier keine andere Rahmengeschichte,als das eigene Dilemma,von dem du eben erzaehlst.Ein Tag im Leben einer Sechzehnjaehrigen,ihre Gedanken und Empfindungen zu ihrer imk Moment problematischen Veraenderungszeit.Ich weiss dass man in diesem Alter das Beduerfnis hat sich mitzuteilen und angenommen zu werden,jede Minite Warten auf Reaktionen der Umwelt erscheinen als Ewigkeit und die unerfuellten Erwartungen als Ablehnung.
    Ich weiss nicht,ob du in einem Forum fuer Schriftsteller die gewuenschte Kritik,oder Teilnahme erfahren wirst.
    Aber schreib weiter,es hilft einem selbst und der Konfliktloesung mit der Umwelt.Vielleicht entstehen daraus auch noch andere Geschichten,die auf die Leser faszinierend,oder anziehender wirken.Die Form des Schreibens,der Sprache war nicht so schlecht.
    Amrei-lyrics
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  3. #3
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    Hallöchen Amrei-lyrics,

    erstmal vielen lieben Dank für die Kritik.
    In einem Punkt stimme ich dir zu, es wirkt wie ein Tagebucheintrag, das wollte ich relativ bewusst. Ich fand es nicht so negativ, liegt es doch nunmal in der Natur der 16-jährigen, Gedanken meist in Tagebüchern niederzuschreiben.
    Aber: ich denke sehr wohl, dass Leser an den persönlichen Problemen und Gedanken des Verfassers interessiert sind - was sonst ist der Ansporn, etwas zu lesen? Ich für meinen Teil lese, um zu erfahren, wer der Verfasser ist, was er denkt, was er will, wohin er will. Der Schriftsteller verpackt doch im Grunde immer nur sich alleine in seinen Texten, ob sie wie meiner erscheinen oder komplett fiktive Geschichten über intimrasierte und verhaltensgestörte Emus sind ( ha, welch herrliches Beispiel!). Es ist immer nur er, der in den worten steckt, nichts anderes als sein Wesen und seine Gedanken werden zu einer Geschichte. Oder? Von daher halte ich deine aussage für wenig überzeugend.
    Und nun... mit 16 sind die meisten aus der gröbsten Sturm der Pubertät raus und meine Probleme sind weiß Gott nicht pubertätsbedingt ( zumindest geht das nicht von meiner Seite aus, vermutlich befinden sich die Menschen, die mich so traurig machen, noch immer in der Pubertät...).
    Trotzdem, vielen Dank für die Resonanz!
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  4. #4
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    Mein Respekt! Als Anfang einer Geschichte finde ich das sehr interesant, auch sprachlich wirkt es nicht nur eigentständig, sondern auch qualitativ gut.
    Aber wenn du es so nackt stehen lässt, verblasst der Gewinn.
    Also mach was draus.

    Gefällt mir sehr.

    MFG Willo
    Erkennen selber braucht einen Augenblick, die Erkenntnis auszudrücken ein Leben.

  5. #5
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    Hallo Cherry Blossom Girl!
    Du hast viel Selbstbewusstsein und das ist gut so.
    Wie ich schon sagte und Willo es dann auch wiederholte,als allein stehende Geschichte nicht so wirkungsvoll.Als Teil eines "Romans" aber kann es die Kraft entwickeln,die in dir und in dieser Kurzgeschichte steckt.Vielleicht hast du meine Kritik allzu negativ verstanden,nicht ganz so,wie ich es meinte.Ich habe auch nicht die Pubertaet selbst angesprochen,sondern einfach Veraenderungen in der eigenen Person,die in deinem Alter schneller vor sich gehen als bei z.B. fuenfzigjaehrigen.
    Viel Spass und Glueck noch beim Schreiben.
    Amrei-lyrics
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