1. #1
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    An einen Geliebten

    Wenn Liebe wie ein Unkraut wüchse
    und Wurzeln ewig sich vergrüben,
    dann lägen wir in reichen Wiesen
    und unsre Seelen schüfen Leben,
    es trüg' uns bis ans Weltenende,
    auf Schwingen in die neuen Sphären
    und wieder hin zur Lebensblüte
    Im Weizen würden Sinne nähren,
    's gäb' keine fahlen Silbenlaute,
    scheu käm' der Tod, uns unterwürfig,
    die Sonne würd' uns schlafend küssen
    und Liebe würd' uns neu gedeihen

    Doch auf dem kargen Wüstengrund,
    liegt sterbend unsre treue Saat,
    verirrt in Gängen dunklen Klangs
    Kein neues Morgen speist den Geist,
    und Trübheit grünt im Grabenfluss,
    denn hallend schwebt dein "sei mir fern"

    Lass' allen unsren Tau gebären,
    ihn wiegen bis zu deinem Keim
    und deine Blicke länger ruhen,
    dass deine Liebe uns erkennt
    und unsre Hände Knospen werden -
    sie reifen uns im Tageslicht

    - dir gewidmet -

    (22.07.05)




    [Geändert durch olaja am 23-07-2005 um 15:47]
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  2. #2
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    Hey olaja,

    Dein Gedicht gefällt mir sehr sehr gut. Die Bilder hast
    Du wunderschön beschrieben, "Kein neues Morgen speist den Geist," ich will ja nichts sagen, aber heißt es nicht "Kein neuer Morgen speist den Geist." ? Da war ich ein wenig am überlegen. Besonders Strophe drei mag ich gerne. Sie ist nicht so langatmig wie Strophe eins.

    Liebe Grüße

    Sara
    Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Mißerfolg zum anderen zu gehen,
    ohne seine Begeisterung zu verlieren.
    (Winston Churchill)
    _
    Arroganz ist die Kunst, auf seine eigene Dummheit stolz zu sein

  3. #3
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    Salut Sara.

    Danke für deinen Kommentar.

    Es gibt mehrere Bedeutungen für Morgen:
    1. Morgen, der; -s (Tageszeit)
    2. Morgen, der; -s (ein altes Feldmass)
    3. Morgen, das; - (die Zukunft)

    Ich bezog mich auf das dritte.

    Liebe Grüsse,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  4. #4
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    danke, dann hab ich wieder was
    dazugelernt
    Ich schreibe grad bewerbungen, und
    da muss ich ordentlich auf die Grammatik aufpassen.
    Tut mir leid Das Bild gefällt mir.

    Also nochmals Liebe Grüße
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  5. #5
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    Hallo Olaja

    wage mich mal an Dein Werk ran

    Mir gefällt die Idee,
    die Liebe mit der Natur gleichzusetzten bzw. sie in Bezug bringen
    schon der Anfang, d.h die ersten beiden Verse haben mir es angetan (das Gedicht hätte ab hier auch vollkommen grottig werden können mir wäre es egal ) zudem gefallen mir die Bilder die du erzeugst oder beschreibst
    Und auch die zweite Strophe ist sehr schön´geworden
    Zwar ist die Stiimung ins konträre gerutscht, aber das war eigentlcih klar
    Und dann der Stimmungsumschwung in der dritten Strophe ,
    einfach schön gefält mir sehr
    die Leichtigkeit der 3. Strophe ist durchaus schön


    Alles in allem gern gelesen _war auch nix anderes zu erwarten und auf wiederlesen


    nette Grüße aus Niergendwo LuKo
    WIEDER DA:

    http://www.gedichte.com/showthread.php?t=148330

    SO LANGE HER, HABE VERGESSEN WIE MAN DIE SIGNATUR MIT EINEM LINK BESTÜCKT DER AUCH EINEN TITEL TRÄGT

  6. #6
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    Salut ihr beiden.

    @überlebendesnichts:
    Danke, wenn ich auch an einer ausführlichen Begründung interessiert gewesen wäre.

    @LuKomotive:
    Man sollte sich nicht scheuen, meine Werke zu kommentieren. Dir und auch dem überlebendenichts gefallen besonders die letzte Strophe. An anderer Stelle wurde allerdings die dritte als schwächste bezeichnet. Eine Geschmackssache?
    Danke für deinen Kommentar.

    Liebe Grüsse an euch beide,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  7. #7
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    wahrscheinlich schon

    Mir gefällt sie wie gesagt, wegemn der Leichtigkeit


    naja werde michdemnächst nicht mehr scheueun und deine Werke kommentieren


    nette Grüé LuKo
    WIEDER DA:

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  8. #8
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    An einen Geliebten

    Wenn Liebe wie ein Unkraut wüchse xXxXxXxXx
    :
    scheu käm' der Tod, uns unterwürfig, xXxXxXxXx
    :
    und Liebe würd' uns neu gedeihen xXxXxXxXx

    Was für ein Satz! Ne Überdosis Kleist eingefangen? ? Gefällt mir.
    Formal alles vierhebige Jambenverse mit weiblicher Kadenz. Einzig bei „scheu“ bockt mein subjektives Leseempfinden etwas und will es auf Gedeih und Verderb betonen (es legt wohl einen extremen Sinnakzent auf dieses Wort).

    Zunächst habe ich bei V1,V3 leicht gestutzt, denn die gemischte Wiesen- und Unkraut-Metaphorik hat bei mir das Bild einer durch Unkraut übersäten Wiese entstehen lassen, die ich nicht unbedingt als „reich“ bezeichnen würde . Ist aber keine Kritik am Werk.

    Die schöne, durch den Konjunktiv getragene Sprache findet bei mir hier durchaus Gefallen. Durch die reinen Jamben fliesst die Verse entsprechend dem sinnieren des lyr. Ich.

    Doch auf dem kargen Wüstengrund, xXxXxXxX
    :
    denn hallend schwebt dein "sei mir fern" xXxXxXxX

    Hmm, also wenn’s so weitergeht, kannst du als Untertitel (Zyklus VI) oder so schreiben, denn schon wieder hallt hier das „sei mir fern“ zurück. Vom Grundthema also wieder sehr „Zyklushaft“ (auch das Wasser und der Klang sind wieder zugegen)
    Entsprechend dem Inhalt schlägst du auch Formal durch die männlichen Kadenzen eine andere Tonart an.
    Nach dem fliessenden Phantasieren des lyr. Ichs aus S1 folgt nun der Rückfall auf die (männliche ) Realität. Bums.
    Sehr, sehr gut gefällt mir hier: „Trübheit grünt im Grabenfluss“ – schönes Bild, Gleichklang und Alliteration in einem

    Lass' allen unsren Tau gebären, xXxXxXxXx
    ihn wiegen bis zu deinem Keim xXxXxXxX
    :

    Nun folgt inhaltlich ein in die Zukunft gerichtetes, fortschreitendes, auf Einigung strebendes (oder eher auf die Liebe des du’s hoffendes) Thema. Dies wird formal unterstützt durch den Wechsel aus weiblichen und männlichen Kadenzen.

    Inhaltlich steht das Ganze steht durchaus in der Zyklustradition würd’ ich sagen .

    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung: "An den anderen Geliebten"

    Sehr gern gelesen und Gruss

    Andvari

  9. #9
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    Salut Andvari.

    Einmal mehr und ich sage es immer gerne: Herzlichen Dank für deine Gedanken.

    Bezüglich der Unkraut-Metaphorik: Im Gedicht selbst liefert das lyr. Ich bereits einen Hinweis "und unsre Seelen schüfen Leben". Eine Wiese voller Unkraut betrachte ich durchaus als reich - aber vielleicht spricht da die Biologin in mir?

    Es war durchaus nicht beabsichtigt die VI des Zyklus zu schaffen und trotzdem muss ich dir recht geben: Es würde sich sehr gut in die Reihe einfügen.

    Durch das Schema, insbesondere die Kadenzen, den Inhalt zu tragen habe ich gehofft, trotzdem war ich mir nicht sicher, die Wirkung auf den Leser übertragen zu können.
    Ähnlich wie beim Zyklus war dies ein weiterer Versuch, formale Aspekte herauszuarbeiten. Die Lektüre meines schlauen, blauen Büchleins "Einführung in die Verslehre" oder genau genommen das darin enthaltene Gedicht "To His Coy Mistress" von Andrew Marvell (1621-78) bzw. die Übersetzung "An die spröde Geliebte" von Hans-Dieter Gelfert inspirierten mich. Kurz wird darin auch das "Drei-Schritt-Schema" erläutert: modus irrealis, modus realis und modus potentialis. Obwohl in der Übersetzung übers ganze Gedicht hinweg einen Paarreim verwendet und durchgehend starke* Kadenzen einsetzt, habe ich mir die Freiheit genommen, selbst formale Ideen einzubringen.

    *Ich bemühe mich seit Neustem die Kadenzen geschlechtsneutral zu bezeichnen (siehe Gedankengut von levampyre ).

    Fraglich, ob in Kürze eine Fortsetzung mit dem Titel "An einen anderen Geliebten" erscheint (schliesslich ziehe ich die begehrenswerten Männer nicht beliebig aus einer Schublade heraus - schön wär's! ). Momentan ist das Gedicht einem "dir" gewidmet, also alles ganz ordentlich in anständiger Einzahl...

    Lieba Grues,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  10. #10
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    Hallo,

    Aha, danke für den "Unkraut-Hinweis"

    Also ich bin gegen eine sprachliche und gesellschaftliche "Geschlechtsneutralisierung".

    Weisst du noch, wo levampyre die geschlechtsneutrale Form der Bezeichnungen für die Kadenzen "verteidigt"? Eine Begründung würde mich interessieren (auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich bekehrt werde, relativ gering sein dürfte ).

    Gruess

    Andvari

  11. #11
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    Aus biologischer Sicht wäre eine geschlechtsneutrale Gesellschaft auf lange Zeit gesehen auch nicht sehr effektiv, möchte ich noch anmerken.

    Trotzdem finde ich die Zuteilung stark = männlich und schwach = weiblich für unsere Zeit reichlich überholt.

    Siehe da:
    Kadenzen?

    Lieba Grues,
    olaja
    Ich kam am 3. Juni nach Hause mit dem Geruch, / den er nicht ertragen konnte, / er nahm das Fleischermesser und ich schrie, / ging zurück bis zur letzten Wand, / irgendwo in der Nachbarschaft hörte ich das Stöhnen, / von zwei, die sich liebten. Vera Piller

  12. #12
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    Hallo,

    Vielen Dank für den Link.

    Hä?

    Also ich finde die Zuteilung stark = männlich und schwach = weiblich auch nicht gerade sehr zeitgemäss.
    Deshalb werde ich die männlichen Kadenzen auch nicht "stark" nennen, da ich ja gerade dadurch den Bezug schaffe. Die weibliche Endung ist ja auch nicht "schwach", also sehe ich keinen Grund, sie nun schwach zu nennen und den Bezug "weiblich"<->"schwach" herzustellen.

    Also nenne ich sie einfach männlich und weiblich, da sie ja geschichtlich (grand, grande) bedingt sind und ich mir das so sehr schön einprägen kann.

    Sorry, so was ähnliches müsste ich wohl eher drüben posten.

    Gruss und danke nochmal

    Andvari

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