1. #1
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    Nächtliche Spiele

    Wenn sich Sonne und Mond begrüßen
    und nur sanftes Sternenlicht erhellt
    werden wir die bittre Nacht versüßen
    und erfinden unsre eigne Welt

    In der die Hände lustvoll malen
    auf meiner feuchten, weißen Haut
    befleckst Du mich mit bunten Qualen
    auf die sich mein Verlangen baut

    Kein Erbarmen kennt das Begehren
    raubst mir mit Fingern den Verstand
    und während wir uns ganz verzehren
    schickst Du Atemstürme übers Land

    Heute kennt die Nacht kein Ende
    erneut beginnt das Liebesspiel
    als wenn´s auf Haut geschrieben stände
    Wir sind noch lange nicht am Ziel

    Und wenn der Mond die Sonne begrüßt
    Muss nicht nur Sternenlicht verenden
    Wir haben uns die Nacht versüßt
    befrei´n uns nun von lustvollen Händen
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

  2. #2
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    wow... echt super gelungen

    lg Peramo
    Eifersucht ist ein Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schaft.

  3. #3
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    Danke dir!
    Aber wenn die Kritik ein wenig konstruktiver gewesen wäre, hätte ich mich sicherlich noch mehr gefreut

    Ashtray
    [Geändert durch AshtrayGirl am 25-07-2005 um 18:35]
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  4. #4
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    Hallo AshtrayGirl,

    Ich melde mich zum zweiten Mal auf ein Gedicht von dir, wobei ich erst jetzt beschämenderweise feststellen musste, dass ich dir beim letzten Mal auf deine Rückfragen nicht geantwortet habe. Sorry.
    Also hier lese ich erneut schöne Ansätze heraus. Ich denke du hast ein gutes Sprachgefühl, doch dir fehlt es offenbar ein wenig am nötigen theoretischen Rüstzeug, um deine Werke formal besser auszugestalten. Ich beschränke mich hier mal auf die Metrik.

    Sehr schön liest sich die zweite Strophe:

    In der die Hände lustvoll malen
    auf meiner feuchten, weißen Haut
    befleckst Du mich mit bunten Qualen
    auf die sich mein Verlangen baut

    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX

    Das liest sich sehr schön. Betonte und unbetonte Silben wechseln in schöner Regelmässigkeit ab (x=unbetont, X=betont) – sie alternieren (wechseln ab – damit habe ich eine Frage aus dem vorigen Post beantwortet ). Jeder Vers besteht aus vier Jamben (ein Jambus = xX). Der erste und der dritte Vers haben eine weibliche Kadenz (Endung) – sie enden unbetont. Der zweite und der vierte Vers haben männliche Kadenz – sie enden betont.

    Nun – leider hapert es an so manchen anderen Stellen mit der Metrik. Ich gebe dir mal ein Beispiel:

    Und wenn der Mond die Sonne begrüßt
    Muss nicht nur Sternenlicht verenden
    Wir haben uns die Nacht versüßt
    befrei´n uns nun von lustvollen Händen

    xXxXxXxxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxxXx

    Klar, du wolltest zunächst die Sonne den Mond begrüssen lassen und dann vice versa, aber es holpert dann an beiden Stellen (auch schon in Strophe 1 Vers 1: Wenn sich Sonne und Mond begrüssen XxXxxXxXx). Natürlich ist es nicht zwangsweise Pflicht (wie dies Martin Optiz 1624 im „Buch der deutschen Poeterey“ verlangte) alles in schön alternierenden Versen zu schreiben – das wäre ganz schön langweilig. Aber wenn der Rhythmus ständig ändert, ist dies dem Lesegenuss nicht sehr zuträglich. Ich würde durch den Bruch von metrischen Regeln bewusst Akzente setzen – und zwar dort, wo es sich vom Inhalt her anbietet - jedoch global einen Grundrhythmus durchziehen (z.B. wie in Strophe 2).

    Z.B.

    Und wenn der Mond die Sonne grüßt
    Muss nicht nur Sternenlicht verenden
    Wir haben uns die Nacht versüßt
    befrei´n uns nun von lustvoll’ Händen

    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxX
    xXxXxXxXx

    Ist natürlich auf Grund der Elisionen (Auslassungen mit Apostroph in V4) nicht gerade schön, aber es geht hier ums Formale .

    Äehm ich bremse hier mal und warte ab. Wenn du Fragen hast, kannst du dich ja melden (dieses Mal werde ich sogar antworten ). Wenn du möchtest, können wir das Gedicht auch komplett metrisch analysieren.

    Freundliche Grüsse

    Andvari

  5. #5
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    Hallo Andvari!

    Es ist nicht schlimm, dass Du bei meinem anderen Gedicht nicht mehr geantwortet hast. Dafür freue ich mich jetzt umso mehr, wieder etwas von Dir zu lesen.
    Du hast Recht, ich habe öfters noch Probleme mit der Metrik. Darüber bin ich mir im klaren und bemerke auch beim Schreiben die Brüche, nur leider finde ich oft keine Alternative, die von der Metrik her passt und sich zusätzlich noch reimt. Zb. bei der letzten Strophe hatte ich dieses Problem, vorallem bei dem 4. Vers. Du hast eine sehr schöne Lösung gefunden, auf die ich beim Verfassen des Gedichtes leider nicht gekommen bin. Das "lustvoll`" stört, meines Erachtens nach, auch nicht wirklich. Ich werde sie übernehmen, hoffe das ist ok.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du Dir die Zeit nimmst, um das Gedicht komplett zu analysieren. Das würde mir sicherlich helfen Vielen Dank für Deinen Zeitaufwand, weiss das zu schätzen.


    LG Ashtray
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  6. #6
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    Hallöle,

    Also zunächst mal eine grundsätzliche Bemerkung. Wenn ich nun versuche, die Ungereimtheiten aufzuzeigen, dann werde ich dies im Bezug auf ein vollkommen alternierendes Schema (wie es in Strophe 2 durchgehalten wird) tun. Natürlich ist es nicht das non plus Ultra, ein solches Schema vollkommen stringent durchzuhalten und z.T. kann dies sogar zu Monotonie führen, aber um ein Gefühl für die Grundzüge der Metrik zu bekommen ist dies m.E. schon sinnvoll.
    Nebenbei bemerkt sind vor allem die Hebungen, also die betonten Silben von grosser Wichtigkeit. Manche meinen, dass es praktisch völlig egal sei, ob zwischen zwei betonten Silben nun zwei oder eine unbetonte Silbe steht, da die betonten Silben weit über die anderen herausragen. Dies hat damit zu tun, dass die germanischen Sprachen akzentuierend sind, aber das hebe ich mir mal für eine spätere Antwort auf...

    Also Strophe 1:

    Wenn sich Sonne und Mond begrüßen
    und nur sanftes Sternenlicht erhellt
    werden wir die bittre Nacht versüßen
    und erfinden unsre eigne Welt

    XxXxxXxXx
    XxXxXxXxX
    XxXxXxXxXx
    XxXxXxXxX

    Nun, zunächst stellt sich die Frage, ob du auf dasselbe metrische Schema kommst. Wenn nein, dann kannst du dich ja melden und wir sehen, wer den „Fehler“ begangen hat (Fehler ist relativ, denn auch Literaturwissenschaftler streiten sich manchmal an konkreten Beispielen. Eigentlich unterscheidet man nicht nur zwischen betont und unbetont, sondern es gibt auch noch verschiedene Abstufungen, aber das führte hier wohl auch zu weit).

    Schon klar, „Wenn sich“ kann irgendwie betont werden. Es folgt jedoch dann „Sonne“ (Xx) und zwei aufeinander folgende Hebungen sind (fast) tabu, weshalb „sich“ unbetont bleibt und „Wenn“ auf Grund einer vorherrschenden Tendenz zur Alternation betont wird.
    Genau so in Vers 2: „und nur“ ist für sich fast ausgeglichen (eher noch würde das „nur“ betont), doch dann folgt „sanftes Sternenlicht“ (Xx XxX), weshalb das „und nur“ zu Xx biegt (wieder da man zur Alternation tendiert).

    Was fällt auf? Jeder Vers beginnt betont, wobei zwei der Betonungen etwas durch die Alternationstendenz erzwungen werden (die beiden „und“ in Strophe 2 und 4).
    Sieht eigentlich alles bis auf „Sonne und Mond“ (XxxX) schön gleichmässig aus. Eine trochäische Strophe (Trochäus = Xx) sozusagen. Im Allgemeinen lesen sich Trochäen eher härter als Jamben (xX). Jambische Verse gelten als fliessender. Das sagt natürlich nichts darüber aus, ob man nun Jamben oder Trochäen verwenden soll – das hängt von der Stimmung der Verse und vom Inhalt ab.
    Man könnte also z.B. die erste Strophe in Trochäen schreiben, dann in Jamben wechseln und so weiter. Idealerweise müsste dann aber auch der Inhalt zu diesem Wechsel passen. Da du sonst im Gedicht fast immer Jamben verwendest (ausser in Strophe 3), würde ich auch die Strophe 1 in Jamben ändern.
    Willst du „Sonne und Mond“ so kombinieren, dann ist der kleine Metrikbruch nicht zu reparieren... Hier würde nur eine Umschreibung Abhilfe schaffen (z.B. „Stern“). Da ist es Geschmackssache, ob man die metrische Unzulänglichkeit, oder die umformulierte Variante bevorzugt. Aber oftmals lohnt es sich, nach bildhaften Ausdrücken zu suchen.

    Ich stelle mal die erste Strophe so um, dass sie aus Jamben besteht. Ich nehme mal fünf Jamben, da sich dann in deiner zweiten Strophe (die aus jeweils vier Jamben besteht) eine Steigerung ergibt (die ja inhaltlich berechtigt ist, da die Hände lustvoll zu malen beginnen )

    Sobald sich Himmelslicht und Mond begrüssen xXxXxXxXxXx
    und sanftes Sternenlicht die Nacht erhellt, xXxXxXxXxX
    beginnen wir, das Dunkle zu versüßen xXxXxXxXxXx
    und sinnen uns in unsre eigne Welt xXxXxXxXxX

    In der die Hände lustvoll malen. xXxXxXxXx
    Auf meiner feuchten, weißen Haut xXxXxXxX
    befleckst Du mich mit bunten Qualen xXxXxXxXx
    auf die sich mein Verlangen baut xXxXxXxX

    Zudem habe ich Nach dem ersten Vers der Strophe 2 einen Punkt gesetzt, da sich das „in der“ ja offensichtlich auf die „Welt“ aus Strophe 1 bezieht. Dieses Enjambement (Übergreifen des Satzes über die Strophengrenze hinweg) gefällt mir übrigens sehr gut. Man könnte natürlich auch schreiben "Indem die Hände...", dann würde es sich auf das "befleckt etc" beziehen.

    So, ich mach mal Pause, ist ja schon lang genug.

    Lass doch mal von dir hören, ob du bei meinen Überlegungen mitkommst

    Grüsse einstweilen

    Andvari

  7. #7
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    Vielen Dank erstmal!

    Ich frage mich gerade, wie Du Dir das Wissen über lyrik verschafft hast. Deutsche literatur studiert? Oder "nur" über Bücher, die Du gelesen hast?
    Hast Du vielleicht eine Empfehlung für mich, wie ich mich im lyrischen Bereich besser belesen kann? Ich würde mein noch sehr kleines Wissen nämlich wirklich gerne vergrößern und da reicht der Deutschunterricht in der Schule leider noch lange nicht aus...

    So, nun zu Deinem Eintrag: Ehrlich gesagt fällt es mir teilweise noch etwas schwer, alles richtig zu verstehen. Also, verstehen kann ich es eigentlich schon, aber ich denke, ich habe auf Grund meiner relativ schlechten "lyrischen Bildung" Probleme, es in die Tat umzusetzen. Ich würde jetzt gerne das gesamte Gedicht in eine richtige, fehlerfreie Form umschreiben, aber dies ist mir leider nicht möglich. Das ärgert mich ein wenig Aber: ich werde es trotzdem versuchen, sonst werde ich mich ja schliesslich niemals verbessern. Du hast mir mit Deiner Analyse ein wenig die Augen geöffnet, dass ich nicht immer "halbrichtige" Gedichte weiter schreiben kann, bzw. will. Es liegt wohl noch ein langer Weg vor mir, aber ich bin zuversichtlich. Jetzt habe ich zumindestens eine sinnvolle Beschäftigung für die Sommerferien.

    Ich begebe mich jetzt an die Arbeit und werde das Gedicht umschreiben und mich dabei an Deine Ratschläge halten. Ich denke, ich werde ein paar Ideen von Dir übernehmen, wenn ich nicht mehr weiter weiss. Hoffentlich kann ich es überhaupt noch als mein Werk ausgeben, wenn ich fertig bin

    Ich hoffe, bald wieder von Dir lesen zu können.


    LG Ashtray
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  8. #8
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    Hallo,

    Also halbrichtige Gedichte oder gar falsche gibt es nicht. Aber ich denke es ist eine gute Idee, sich mit der Metrik zu beschäftigen. Es ist sehr nützlich, wenn man versteht, wie viele der alten Meister ihre Werke aufgebaut haben und warum diese in der einen oder anderen Form wirken. Ob man sich selbst dann diese strengen metrischen Ketten auch auferlegt, ist eine ganz andere Frage.

    Ne, ich hab was gaaanz anderes studiert. Sozusagen das Gegenteil . Ich habe mal vor langer, langer Zeit ein Gedicht von Paul Celan ("Corona") im Radio gehört - von Celan selbst vorgetragen. Seither lässt es mich nicht mehr los und ich höre es immer und immer wieder. Ich lese vor allem sehr viel und hie und da schreibe ich auch mal was.

    Mmm, Wissen kann man sich an vielen Stellen holen. Zur Metrik gibts sehr viel hier im Forum. Z.B.

    In diesem Eintrag von Cascardian
    Hier von Satchmo
    Hier von Incomplete/olaja
    Hier von diskutant

    Super gut ist auch die Einführung in die Metrik von levampyre. Diese findest du auf ihrer Homepage (den Link darf ich hier nicht posten). Wenn du's nicht findest, kann ich dir den Link ja mailen.

    Wenn du Probleme damit hast, melde dich doch einfach hier oder per Mail. Ich helfe gerne.

    Freundliche Grüsse

    Andvari

  9. #9
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    Ich habe mich schon des öfteren mit Gedichten von Goethe beschäfigt und eine Formanalyse erstellt. Meistens ist sie mir auch geglückt, nur kann ich, wenn ich selber schreibe, keine Metrik einhalten...
    Ich habe mein Gedicht komplett überarbeitet und würde mich freuen, wenn Du nochmal einen Blick darauf wirfst. Entweder schicke ich es Dir per Mail oder schreibe es hier im Faden, indem ich es meiner letzten Antwort hinzufüge, will ja schliesslich nicht "pushen"

    Vieln Dank für Deine Ratschläge und bis bald!

    Liebe Grüße
    I want to live where soul meets body. (Death Cap For Cutie)

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