1. #1
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    Dinner für zwei

    Endlich zu Hause. Ich quäle mich schon die ganze Woche so durch die Arbeit. Du bist der Grund dafür, denn ich kann dich einfach nicht vergessen. Seit du mich verlassen hast, ist alles anders geworden.
    Ich hole die Pfanne aus dem Schrank, die ich letzte Woche samstags gekauft habe, da ich einen unbändigen Hunger verspüre. Ist ja auch kein Wunder, ich habe ja den ganzen Tag über nichts gegessen.

    Ach, wie war das schön, als ich immer abends nach Hause kam und du hast auf der gelben Couch gesessen, die du dir nicht hast ausreden lassen, und hast mich gefragt wie mein Tag war. Eigentlich war es völlig egal wie mein restlicher Tag war, denn dieser Augeblick, wenn ich zur Tür hereintrat und deine warmen, liebevollen, blauen Augen mich förmlich anlächelten, erhellte meine ganze restliche Woche, so geliebt habe ich dich.

    Ich gieße Öl in die Pfanne und nehme mir das Fleisch aus dem Kühlschrank, das den ganzen Tag über darin aufgetaut ist. Wie gut, dass ich daran gedacht hatte es gleich zu schneiden bevor ich es einfror, das erspart mir jetzt eine Menge Arbeit.

    Das Einschlafen ohne dich vermisse ich am meisten, vor allem am Wochenende, weil ich weiß, dass ich zwar lange schlafen kann, aber dass du nicht neben mir liegst, wenn ich aufwache und ohne dich ist es einfach nicht dasselbe. Das große Bett ist so leer, genau wie mein Herz und meine Seele, die deiner Anwesenheit beraubt wurden.

    Ich lege zwei Stück Fleisch ins heiße Öl und nach kurzer Zeit verströmt es schon diesen appettitlichen Geruch, der die Geschmacksnerven aufs Äußerste stimuliert und das Hungergefühl noch größer erscheinen lässt. Ich bin schon ganz ungeduldig, aber ein bisschen Zeit braucht es noch.

    Ich erinnere mich gern an unseren letzten gemeinsamen Urlaub auf Skiatos. Du sahst so hübsch aus in deinem schwarzen Bikini mit den bunten Trägern. Ich liebte deine kleinen Pölsterchen hie und da, sie machten dich so weiblich, so niedlich, so anziehend.

    Ich nehme das Fleisch aus der Pfanne und lege es auf den Teller mit der Küchenrolle darauf, damit das Fett abtropfen kann und in der Zwischenzeit löffle ich etwas Fertig-Kartoffelsalat, den ich auf dem Heimweg im Supermarkt gekauft habe, in eine kleine Salatschüssel und stelle sie, wie mein Glas Bier auf den Tisch. Eine zum Dreieck gefaltete Serviette und das Besteck habe ich schon zwischendurch hingelegt. Das Auge isst ja schließlich mit.

    Tja, als ich am Freitag vor zwei Wochen von der Arbeit heimgekommen bin, haben deine Augen mich nicht angelächelt. Sie haben mich traurig, etwas ängstlich, aber doch entschlossen von dieser scheuslichen gelben Couch aus angeblickt. Du hast mir von deinem Arbeitskollegen erzählt, mit dem du seit sechs Monaten zusammenarbeitest und wie gut ihr euch gleich von Anfang an verstanden habt. Eigentlich wolltet ihr es geheimhalten, es sollte doch nur eine harmlose Affäre bleiben, aber es war mehr daraus geworden und ihr konntet es einfach nicht länger verschweigen. Je länger es so weiterginge, desto schmerzvoller wäre es doch für alle Beteiligten, oder nicht?
    Du wagtest tatsächlich mich das zu fragen, nach all dem, was ich für dich empfunden hatte, wagtest du es tatsächlich mir so eine Geschichte aufzutischen und mich nach meiner Meinung dazu zu fragen, du Miststück.
    Das Einzige was ich noch fühlen konnte waren Wut, Hass und Aggression, die sich dahingehend äußerten, dass ich das griff, was mir am nächsten war – den großen, schweren Marmoraschenbecher, den uns deine Mutter mal geschenkt hatte – und dir den Schädel einschlug. Was anderes hattest du doch gar nicht verdient, du Schlampe.

    Ich lege das köstliche Fleisch auf einen Teller und wandere andächtig und in freudiger Erwartung auf diesen Hochgenuss, den ich schon die ganze Woche über genieße, auf den hübsch gedeckten Tisch zu.

    Was hatte das für eine Schweinerei gegeben, überall war Blut und das musste ich alles alleine saubermachen, nachdem ich dich in der Badewanne mit der Axt, die ich mir letzten Winter gekauft hatte, um meinem Vater beim Holzhacken zu helfen, in kleine Stücke hackte, damit ich deine Leiche leichter verschwinden lassen könnte.
    Im Kamin verbrannte ich deine Dokumente, deine Kleider warf ich nachts in einen dieser Altkleider-Sammelcontainer, die sie nach Afrika schicken und das restliche Zeug ließ ich auch irgendwie verschwinden, so dass jeder annehmen musste, du hättest mich Hals über Kopf verlassen, was ja auch stimmte.
    Ich empfand es vorerst am Sichersten die Überreste in der Kühltruhe aufzubewahren, bis etwas Gras über die ganze Sache gewachsen wäre. Es sollte alles ganz natürlich und normal aussehen. Wer hätte auch geahnt, dass mir mal so ein Fehler unterlaufen würde, so ein dummer, naja, vielleicht aber auch so ein köstlicher Fehler.

    Ich setze mich und beginne das zarte Fleisch zu schneiden und sauge dabei noch einmal den verführerischen Duft ein, bevor mein Gaumen förmlich ein Feuerwerk des Glückes erleben darf.
    Mit jedem Bissen, den ich von Tag zu Tag in mich aufnehme, fürchte ich mich davor, was ich wohl tun werde, wenn du aufgebraucht bist?.
    [Geändert durch keeno_saya am 03-08-2005 um 15:31]

  2. #2
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    Wow!Okay, das ist mal was anderes.
    Es ist gut gemacht, dieser ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Verganenheit, dieser Vergleich, der dabei gut zur Geltung kommt.Aber manche Sachen sind überflüssig, ich meine, dass du die Pfanne am letzten Samstag gekauft hast, spielt keine wichtige Rolle für die Handlung.Solche Sachen lassen die Geschichte träge wirken, als wolltest du krampfhaft betonen, dass auch alle Fakten zusammenpassen.Das hat die Geschichte gar nicht nötig, denn der plötzliche Umschwung in der Mitte fesselt so, dass man auf solche Dinge nicht achtet.Aber Respekt!
    Schönen Gruß
    Stift

  3. #3
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    Wie du mir so ich dir
    Danke für dein Lob. Das hat mich richtig aufgebaut, an so einem Sauna-Tag . Außerdem hänge ich sehr an dieser Geschichte.
    Mit der Pfanne, die voriegen Samstag gekauft wurde, wollte ich wirklich das alles schlüssig und erklärt ist, dass man dann weiß, das der "köstliche Fehler" am Freitag oder so gemacht wurde. Da hast du Recht. Auch wollte ich damit die Sache ein klein wenig in die Länge ziehen, um die Spannung zum Ende zu zu erhöhen.
    Also danke nochmal für deine netten Worte



  4. #4
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    Hallo keeno-saya,

    ich habe deine Geschichte mit Spannung gelesen und die Wendung hat mich zumindest doch etwas geschockt. Aber genau das wolltest du mit Sicherheit erreichen. Was diese Kleinigkeiten wie z.B. eben die Pfanne betrifft finde ich, dass sie sehr gut in die Geschichte passen, da genau dies die Handlung unterstreicht. Diese angeblichen Belanglosigkeiten sind doch meist die wichtigen Dinge in so einer Geschichte. Für mich haben sie sich wunderbar eingefügt.
    Ich hoffe nur, die Geschichte ist nicht autobiografisch

    Gruß
    chilly
    Ein neues Leben kann man nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag.

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  5. #5
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    Hey chilly!

    Bei dir hat die Geschichte genau das ausgelöst was ich vorhatte, also muss ich ja was richtig gemacht haben .
    Ich liebe zwar Fleisch, aber so weit bin ich dann doch noch nicht gegangen .
    Also danke für deinen Kommentar und noch einen schönen Tag.

    Grüßchen
    Kenno

  6. #6
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    An keeno

    Hy keeno,
    eine gute Geschichte. In den ersten Zeilen denkt man, da weint sich jemand aus, dann liest man weiter, weil man wissen möchte, wann hört das auf und dann wird es richtig spannend.
    Vor allem der zunächst sinnlose Einwurf mit der Pfanne und wie diese dann wichtig wird.
    Echt spannend mit ein wenig "Brrrr" zu Schluss. "Brrrr" mit Herzklopfen und Gänsehaut.
    Nochmals, GUTE GESCHICHTE!!
    Liebe Grüße,
    Dana

  7. #7
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    Hi! Ich kann mich den anderen nur anschließen! Die Wendung ist dir wirklich gut gelungen, damit habe ich überhauptnicht gerechnet! Ich finde, die Pfanne gibt dem ganzen mehr Halt und Atmosphäre! Mach weiter so!
    sweetamy

  8. #8
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    Eine sehr nette Geschichte, ein paar Sachen sind mir noch aufgefallen:
    'Ich hole die neue Pfanne aus dem Schrank, die ich letzte Woche samstags gekauft habe, da ich einen unbändigen Hunger verspüre.'

    -> Irgendwie kam mir in der ersten Sekunde der Gedanke auf, der Prot. habe sich die Pfanne gekauft, weil er Hunger hatte. Vielleicht das umstellen:
    'Da ich einen unbändigen Hunger verspüre, hole ich die Pfanne aus dem Schrank, die ich letzte Woche samstags gekauft habe.'
    Das 'neue' würde ich dabei weglassen, das wird ja so oder so klar durch die Zeitangabe. Das 'letzte Woche samstags' finde ich auch irgendwie unglücklich, aber das ist, denke ich, Geschmackssache.

    Dann, im 5ten Absatz:
    'Hungergeführl' vertippt.

    Zwei Absätze weiter:
    'Das Auge ist ja schließlich mit.'
    ->Wohl eher 'isst'. Übrigens sehr gelungener Einwurf, wenn man bedenkt, dass der Prot. 'die Pölsterchen' seiner Ex(itus)-Freundin so gerne mochte.

    Fazit: Nette Geschichte, nett geschrieben und ich denke eh schon drüber nach, Vegetarier zu werden.

    in den Zähnen rumpickend,
    kristoffer.
    Nein.

  9. #9
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    Hallo ihr Lieben!

    Danke für eure netten Worte. Wie gesagt, bin ich froh, dass ich es geschafft habe, die Spannung und das urks am Schluss, das ich haben wollte richtig rüberzubringen.

    kristoffer: Danke dir für das aufmerksame Lesen und das Aufzeigen der Fehler (diesmal wirklich dumme Fehler , trotz mehrmaligem Durchlesen - naja).
    Bei der Pfanne hab ich das "neue" tatsächlich weggelassen, gefällt mir so besser, aber den Satzbau hab ich so belassen.
    Hungerfefühl und isst ist bereinigt.

    Danke nochmal an euch alle und noch einen schönen Tag.

    Liebe Grüße

    Keeno

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